Einleitung ! Die distale Radiusfraktur hat in den letzten zehn Jahren enormes Interesse erfahren. Während die operative Frakturbehandlung von langen Röh- renknochen und Gelenkfrakturen bereits seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts rasante Fortschritte erzielte, hatte sich bei der distalen Radiusfraktur lediglich die palmare Abstützplat- te bei nach palmar dislozierten Frakturen als ope- ratives Verfahren mit interner Plattenfixation durchgesetzt. Die Behandlungsprinzipien der Ex- tensionsfrakturen orientierten sich noch an den Vorgaben von Böhler aus den 30er-Jahren. Ge- schlossene Reposition und Gipsfixation galten als Standardverfahren. Seit den 60er-Jahren etab- lierten sich Augmentationsverfahren mit perku- tan eingebrachten Bohrdrähten in verschiedenen technischen Variationen zusätzlich zur Gipsfixa- tion für instabile Frakturen. Ende der 70er-Jahre wurde der handgelenküberbrückende Fixateur externe für die Behandlung distaler Radiusfrak- turen eingeführt [9]. Das Wirkungsprinzip des Fi- xateur externe beruht auf der von Vidal beschrie- benen Ligamentotaxis. Der Fixateur externe kam aber bald in Verruf und wurde angeschuldigt, durch die (oft übermäßige) Distraktion zu dys- trophen Reaktionen und steifen Handgelenken zu führen [3]. Auf der anderen Seite häuften sich die Daten, dass bei extraartikulären Frakturen in einem großen Prozentsatz mit unbefriedigenden klinischen und radiologischen Ergebnissen nach Zusammenfassung ! Neue Erkenntnisse zur Biomechanik und zur Pa- thomechanik der distalen Radiusfraktur sowie ei- ne neue Implantategeneration und verbesserte chirurgische Zugänge machen es heute möglich, einfache, aber auch komplexe distale Radiusfrak- turen nach den Behandlungprinzipien für artiku- läre und juxtaartikuläre Frakturen stabil zu ver- sorgen und frühfunktionell nachzubehandeln. Die Frakturmuster gerade bei komplexen artiku- lären Frakturen sind so heterogen, dass die Ent- scheide über die chirurgische Versorgungsstrate- gie individuell getroffen werden müssen. Die präoperative Abklärung mit Computertomogra- fie bei artikulären Frakturen ist äußerst hilfreich für die Operationsplanung. Die mentale Ausein- andersetzung mit dem Drei-Säulen-Modell und der Pathomechanik ist eine wichtige Vorausset- zung für das Verständnis dieser Verletzungen und für die Wahl der Operationstaktik. Das sub- tile chirurgische Vorgehen beim Zugang und in der Handhabung der feinen Implantate ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Abstract ! New advances in the biomechanics and patho- mechanics of distal radius fractures as well as new generations of plates and improved surgical approaches now make possible the stable man- agement and early functional rehabilitation not only of simple but also of complicated distal radi- us fractures according to the principles for articu- lar and juxtaarticular fractures. Especially for complex articular fractures, the fracture patterns are so heterogenous that an individual surgical treatment strategy must be developed for each case. The preoperative clarification of articular fractures with computed tomography is particu- larly useful for planning surgery. Mental exposi- tion with the three-column model and pathome- chanics is an important prerequisite for under- standing this type of injury and the appropriate choice of operative technique. A decisive factor for success is the subtle surgical procedure in ap- proaching and handling the fine plates. Distale Radiusfraktur: neue Konzepte als Basis für die operative Therapie Distal Radius Fractures: New Concepts as Basis for Surgical Treatment Autoren D. A. Rikli 1 , R. Babst 1 , J. B. Jupiter 2 Institute 1 Kantonsspital Luzern, Schweiz 2 Massachusetts General Hospital, Boston, USA Schlüsselwörter l " distale Radiusfraktur l " Biomechanik l " winkelstabile Implantate l " Osteosynthese Key words l " distal radius fracture l " biomechanics l " locking implants l " internal fixation eingereicht 14. 5. 2006 akzeptiert 4. 11. 2006 Bibliografie DOI 10.1055/s-2007-964921 Handchir Mikrochir Plast Chir 2007; 39: 2 – 8 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart New York ISSN 0722-1819 Korrespondenzadresse Dr. med. Daniel A. Rikli Chirurgie A Kantonsspital Spitalstraße 6000 Luzern Schweiz daniel.rikli@ksl.ch 2 Rikli DA et al. Distale Radiusfraktur: neue Konzepte… Handchir Mikrochir Plast Chir 2007; 39: 2 – 8 Übersichtsartikel Heruntergeladen von: Scott Memorial Library, AISR. Urheberrechtlich geschützt.