HV 39800 / p. 326 / 7.8.2020 “The True Order of the Psalms” Midrash Psalms, Sa ’ adiah Gaon and the Impact of Muslim Concepts of Scripture on the Medieval Jewish Reception of the Psalms Sivan Nir Dieser Aufsatz konzentriert sich auf eine Passage des Midrasch (Midr. Ps. 3,2) und argumentiert, dass das Beharren auf einem verlorenen chronologischen Psalter nicht nur in der midraschischen Literatur ungewöhnlich ist, sondern am besten vor dem Hintergrund eines islamischen Milieus verstanden wer- den kann. Das heißt,vereinzelte Passagen in den Midrasch-Psalmen stimmen mit einer post-islamischen Typologie von Nationen, mittelalterlicher apoka- lyptischer Literatur und anti-islamischer Polemik überein. Darüber hinaus zeigen Sa‛adiah Gaons einleitende Bemerkungen zu den Psalmen ein ähn- liches Beharren auf einer verlorenen chronologischen Lesart. So legt das Pa- pier nahe, dass sowohl Sa‛adiah als auch die Midrasch-Psalmen auf ein kora- nisches Schriftkonzept antworten, welches auch zur Entstehung des Genres Asbāb al-Nuzūl geführt hat, und dass dieser Impuls in der Rezeption des Psalters in Form von davidischen Hymnen der Genesis und des muslimischen Zabur noch deutlicher ist. Diese Untersuchung fordert ein Überdenken der sinnvollen Aktualisierung der spät-midraschischen Tradition, die durch die Verstrickung mit islamischen Ideen inspiriert wurde, selbst in den Fällen, die keine offensichtlichen literarischen Parallelen aufweisen. 1. Introduction: The Late Composite Nature of Midrash Psalms The Midrash on Psalms (Midr. Ps.) is not the ancient book of aggadah on the Psalms mentioned in classical midrashic sources. 1 As summed up by Jacob Mann, Midr. Ps is not as uniform in style or content as other late works such as Seder Eliyahu. 2 Its latter third (Midr. Ps. 119ff.) is an addition grafted in 1 Benedikt, Letter (2016), 39, 48. See also Reizel, Introduction (2011), 281–282. Midr. Ps. 1–114 may be Gaonic, though most of the accounts are older; hence, Midr. Ps. 22:19 hints at an older other Midrash. 2 On the poetics of Seder Eliyahu, see Stein, Poetics (2011), 83–87. 326