Hauptbeiträge
1 3
© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
a. Scherr ()
institut für Soziologie, pädagogische Hochschule Freiburg/brsg.,
Kunzenweg 21,
79117 Freiburg, Deutschland
e-Mail: scherr@ph-freiburg.de
Österreich Z Soziol (2014) 39:263–279
DOi 10.1007/s11614-014-0147-1
Gesellschaftliche Krisen und ihre Folgen für die
Soziale Arbeit
Albert Scherr
Zusammenfassung Die nationalgesellschaftlich unterschiedlich stark ausgeprägten
tendenzen zu einem neoliberalen umbau des Wohlfahrtsstaates etablieren veränder-
te erwartungen und Vorgaben auch für die Soziale arbeit. Diesbezüglich wird auf-
gezeigt, dass neoliberale programme und Konzepte des aktivierenden Staates zwar
zu einer infragestellung des tradierten gesellschafts- und sozialpolitischen Selbst-
verständnisses der Sozialen arbeit führen, zugleich aber mit einer inanspruchnah-
me Sozialer arbeit als bestandteil sozialpolitischer Strategien einhergehen, die auf
befähigung und Motivierung zur eigenverantwortlichen ausrichtung an den bedin-
gungen des arbeitsmarktes abzielen. Daraus resultiert ein ambivalentes Verhältnis
der Sozialen arbeit zum Neoliberalismus sowie zur sozialdemokratischen program-
matik des sog. Dritten Wegs, da diese nicht zu einer generellen infragestellung der
Sozialen arbeit, sondern zu einer programmierung führen, die durchaus an tradierte
Konzepte sozialer Hilfen anschließen kann.
Schlüsselwörter Sozialarbeit · Neoliberalismus · Nationaler Wohlfahrtsstaat ·
Ökonomismus · befähigungsansatz
The impact of social crises on social work
Abstract tendencies towards a neoliberal transformation of the welfare state
change the conditions and the framework of social work. the article discusses two
effects of this development, which is substantially modifed by differences between
national welfare states: On the one hand, structures und principles of social work