Arzt-Patient-Kommunikation in der invasiven Kardiologie Ist die Ergebnisbesprechung unmittelbar nach einer Herzkatheteruntersuchung sinnvoll? Marc-Alexander Ohlow, Maria-Anna Secknus, Andreas Wagner, Ahmed Farah, Björn Buchter, Jiangtao Yu, Bernward Lauer 1 1 Klinik für Kardiologie, Herzzentrum, Zentralklinik Bad Berka. Eingang des Manuskripts: 8. 9. 2008. Annahme des überarbeiteten Manuskripts: 24. 9. 2008. ZUSAMMENFASSUNG Hintergrund: Kommunikation stellt einen zentralen Schritt des Interakti- onsprozesses zwischen Arzt und Patient dar. Patienten und Methodik: 15 min nach Besprechung der Ergebnisse einer Linksherzkatheteruntersuchung wurden 288 konsekutiven Patienten folgende Fragen gestellt: 1. Wurden Ihnen die Ergebnisse der Herzkatheteruntersuchung erläutert? 2. Wie hieß Ihr Untersucher? 3. Fanden sich an Ihren Herzkranz- gefäßen Engstellen? 4. Ist die Pumpkraft Ihres Herzens normal? 5. Welche Therapie ist notwendig? Ergebnisse: Mit 98,6% der befragten Patienten wurden die Ergebnisse der Herzkatheteruntersuchung besprochen, im Mittel wurden nur 53,4% der gestellten Fragen richtig beantwortet. 31,2% der Patienten konnten sich an den Namen des Untersuchers erinnern. 52,8% kannten ihren Koronarstatus, 36,8% die Pumpleistung ihres Herzens und 92,7% die abgegebene Therapie- empfehlung. Ursächlich für die falschen Antworten war in 85,4%, dass der Inhalt der Befundbesprechung vom Patienten nicht verstanden wurde, in 14,6% war eine Schwerhörigkeit des Patienten die Ursache. Eine höhere Rate an falschen Antworten zeigte sich bei komplexen angiographischen Befunden, sprachlicher Diskordanz zwischen Untersucher und Patient sowie Erläuterungen der Ergebnisse durch Nichtfachärzte (jeweils p < 0,001). Schlussfolgerung: Direkt nach Durchführung einer Linksherzkatheterun- tersuchung mündlich erläuterte Ergebnisse werden nur unzureichend von den Patienten verstanden. Hier sind insbesondere die kommunikativen Fähigkeiten der Ärzte weiter verbesserungsbedürftig. Schlüsselwörter: Arzt-Patient-Kommunikation · Herzkatheteruntersuchung · Sprachliche Diskordanz Med Klin 2008;103:831–5. DOI 10.1007/s00063-008-1131-y ABSTRACT Doctor-Patient Communication in the Cathlab. How to Deliver the News Background: Communication between patient and physician remains a central step of interaction. Patients and Methods: 15 min after receiving the results of their coronary angiography via a standard verbal report, a total of 288 patients were asked D ie Kommunikation zwischen Arzt und Patient hat großen Einfluss auf die Qualität der medizinischen Betreuung, und Kommunikations- probleme können die medizinische Versorgung und das Outcome erheb- lich verschlechtern, insbesondere bei komplexen und chronischen Krank- heitsbildern [1, 2]. Ältere Untersu- chungen zeigen, dass Patienten mehr- heitlich gut über ihre Erkrankung und deren Behandlung informiert werden wollen, die Entscheidung über das Vorgehen jedoch lieber dem Arzt über- lassen [3, 4]. Mittlerweile wandelt sich das traditionelle paternalistische Modell des Arzt-Patient-Verhältnisses, und Begriffe wie „gemeinsame Entschei- dungsfindung“, „Patientenautonomie“, „Mitbestimmung“ und „shared deci- sion making“ [5–7] prägen die Diskus- sion. Insbesondere Patienten mit chro- nischen Erkrankungen legen heutzutage vermehrt Wert auf eine Beteiligung bei Entscheidungen [7]. Voraussetzung für die Einbeziehung des Patienten in the- rapeutische Entscheidungen und für eine hohe Compliance ist ein angemes- sener Kenntnisstand des Patienten über die zugrundeliegende Erkrankung und die dadurch hervorgerufenen Auswir- kungen. Unklar ist, ob sowohl auf Pa- tienten- als auch auf ärztlicher Seite die kommunikativen Fähigkeiten für den notwendigen Wissenstransfer vorhan- den sind. Die vorliegende Untersu- chung liefert hierzu aktuelle Daten. Patienten und Methodik Studienpopulation Vom 1. bis 31. 7. 2007 wurden 288 konsekutive Patienten, die sich in un- serer Klinik einer diagnostischen Links- herzkatheteruntersuchung unterzogen, in die Untersuchung eingeschlossen. 2008;103:831–5 (Nr. 12), © Urban & Vogel, München 831 ORIGINALARBEIT