Schwerpunkt: Symptomorientierte Supportivtherapie 81 TumorDiagn u Ther 2015; 36 Die Notwendigkeit standardisierte Thera- pieprotokolle zu erstellen und auf dem ak- tuellen wissenschaftlichen Stand zu halten, ist eine Herausforderung für jeden Onkolo- gen. Die medikamentöse Therapie malig- ner Erkrankungen basiert auf den Er- kenntnissen wissenschaftlicher Studiener- gebnisse, die über Fachzeitschriften, Kon- gressbeiträge, onkologische Studiengrup- pen und Fachgesellschaften als Originalar- beit publiziert werden. Experten, Fachkom- missionen, Leitliniengruppen sowie natio- nale und internationale Fachgesellschaften analysieren und beurteilen diese Publikati- onen. So entstehen Empfehlungen und Standards für die Chemo- und Supportiv- therapie, die anschließend auf den unter- schiedlichsten Wegen veröfentlicht wer- den: Reviewartikel in Fachzeitschriften, Lehrbüchern, Protokollsammlungen, Stu- diengruppen und Online-Portalen. Auch versierte Fachärzte ziehen Original- publikationen heran, um Therapieent- scheidungen auf der Basis aktueller Er- kenntnisse trefen zu können. Jedoch müs- sen sämtliche Standards und Empfehlun- gen für die Anwendung in der klinischen Praxis transferiert und in eine anwen- dungsorientierte Form gebracht werden. Es müssen konkrete Vorgaben für die The- rapie erstellt werden, die beim individuel- len Patienten angewendet werden können. Von der Publikation zum Protokoll Dieser Weg von der Originalpublikation relevanter Studienergebnisse bis zur An- wendung am Patienten ist ein mehrstuf- ger, aufwändiger und komplexer Prozess, der eine große Expertise voraussetzt. On- kologische Therapien werden durch die häufg sehr umfangreichen Supportiv- und Begleittherapien zunehmend kom- plex. Sie müssen in die Anwendungsproto- kolle einbezogen werden. Außerdem sind viele Rahmenbedingungen, Vorgaben, In- teraktionen etc. bei der Anwendung der oft toxischen Substanzen zu beachten. So muss jeder Anwender die für seinen Bereich erforderlichen Protokolle für die verschiedenen Malignome und Indikatio- nen erstellen, dies kann bei Hämatologen und internistischen Onkologen mehrere Hundert Protokolle umfassen. Bestehende Protokolle werden häufg durch Varianten ergänzt, wenn z. B. im zweiten und folgen- den Zyklus die Zytostatika unterschied- lich dosiert werden oder ein Therapiepro- tokoll bei verwandten Malignomen, (wie z. B. malignen Lymphomen) in modifzier- ter Form angewendet werden soll. Außer- dem gibt es Protokolle für spezielle Situa- tionen oder seltene Indikationen, die für den Anwender oft schwer zu fnden sind. Üblicherweise werden diese Protokolle mit Programmen zur Textverarbeitung, Tabel- lenkalkulation o.ä. erstellt, d. h. von einem Textdokument übernommen und manuell über eine Tastatur in das Anwendungspro- gramm eingetragen. So entstehen mit er- heblichem Zeitaufwand Protokollsamm- lungen für die Anwendung am Patienten, über die jede Arbeitsgruppe, Praxis oder Kli- nik verfügen muss. Die Protokolle müssen von den Anwendern selbst erstellt werden. Die elektronische Protokolldatei muss zu- dem gepfegt und qualitätsgesichert wer- den. Einen großen Umfang nehmen die Supportiv- und Begleittherapien ein, de- ren standardisierter Einsatz für einen op- timalen Therapieerfolg entscheidend ist. Eigene und andere Untersuchungen zei- gen am Beispiel der Neutropenieprophy- laxe mit G-CSF, dass bei der Supportivthe- rapie ein erheblicher Bedarf besserer Leit- linienumsetzung besteht [1, 2]. Ein defnierter und kontrollierter Prozess der Qualitätssicherung kann die Fehlerrate vermindern [3]. Die handschriftliche oder formularbasierte Verordnung ohne Nut- zung elektronischer Hilfsmittel ist auf- wändig, sehr fehleranfällig und entspricht im pharmazeutischen Bereich nicht den deutschen Vorschriften. Für Ärzte gibt es für die Chemotherapie bisher keine ver- bindlichen Vorgaben zur Protokollerstel- lung und Therapiedurchführung [4, 5]. Generell kann es bei jedem Schritt des Medikationsprozesses in Krankenhaus und Praxis zu Fehlern kommen. Mögliche Quellen sind Fehler bei der Verordnung, bei der Übertragung der Verordnungen in den Medikationsplan, bei der Arzneimit- telausgabe, bei der Verabreichung an den Patienten sowie Einnahmefehler des Pati- enten [6]. In der Onkologie kann die Feh- lerrate durch die Verwendung eines elek- tronischen Verordnungssystems redu- ziert werden [7]. Der Prozess der Protokollentwicklung und therapeutischen Anwendung weist multi- ple Schwachstellen und Probleme auf, so- dass sich folgende Fragen auf verschiede- nen Ebenen stellen. Fragestellungen bei der Protokollentwicklung Protokollorientierte Fragen Basiert das Therapieprotokoll auf der richtigen Originalpublikation? Ist das Pro- tokoll aktuell und entspricht es dem Stan- dard? Gibt es aktuellere Protokolle? Kann die Supportiv- und Begleittherapie nach Leitlinien standardisiert werden? Prozessorientierte Fragen Wie lange dauert es, bis neue Publikatio- nen und Leitlinienempfehlungen als Proto- kolle umgesetzt sind? Sind relevante Inno- vationen und neue Standards rasch verfüg- Übersicht Onkopti ® - Protokolle für die Chemo- und Supportivtherapie im Internet H. Link 1 , A. Wickenkamp 2 , J. Huber 1 , R. Engert 1 , S. Mahlmann 1 , C. Vollmar 1 , I. Krämer 3 , V. Häfner 3 , R. van Lengen 2 und Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) Deutsche Krebsgesellschaft 1 Klinik für Innere Medizin I, Westpfalz-Klinikum, Kaiserslautern 2 Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE), Kaiserslautern 3 Apotheke der Universitätsmedizin Mainz Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.