Friedrich300 - Repräsentation und Selbstinszenierung Friedrichs des Großen Andreas Pecar und Jürgen Luh Repräsentation und Selbstinszenierung Friedrichs II. von Preußen <1> Die Selbstinszenierung von Politikern ist ein modernes Thema – ein "Modethema", wie mit leicht verächtlichem Unterton gesagt wird. Ist es legitim, ein Phänomen, das uns von unserer Mediendemokratie sattsam bekannt ist, auch im 18. Jahrhundert zu verorten? Und kann man so weit gehen, "Repräsentation und Selbstinszenierung" als maßgeblichen Antrieb des Regierungshandelns Friedrich II. anzusehen? Oder ist dies nur ein Versuch, ihm solche Aspekte nachträglich unterzujubeln, obwohl sich Friedrich II. stets vom Wohl des Staates habe leiten lassen und Inszenierung und Imagepolitik für ihn keine wesentliche Rolle spielte? Letzteres wird in der Geschichtsschreibung über den Preußenkönig immer wieder gerne behauptet, doch es stimmt nicht. Sicherlich: Heute gilt, zumal in modernen Massendemokratien, im Grunde aber in der medial und kommunikativ immer enger verzahnten Welt überall: Politik muss verkauft werden, Politiker sind stets auch PR-Manager in eigener Sache, ihr politisches Handeln erschöpft sich nicht selten im Setzen der richtigen Themen zur rechten Zeit und dem darüber Reden. Politik ist häufig die Suche nach Sprachformeln, die der Öffentlichkeit politische Entscheidungen werbend plausibel machen und / oder dem politischen Handeln des Gegners Legitimität absprechen sollen. Das ist allen bewusst. Das Image eines Politikers ist deshalb ein kostbares Gut, das oftmals über seinen politischen Erfolg und Misserfolg entscheidet. 1 <2> Ist dieses Phänomen nun eines einzig der Gegenwart, der Moderne? Oder hat es das schon früher, bereits im 18. Jahrhundert gegeben, zu Zeiten eines anderen Gesellschaftssystems, da Monarchen qua Geburt herrschten und nicht von der Bevölkerung gewählt und legitimiert werden mussten, zu Zeiten, da es "Massenmedien" nur sehr beschränkt gab und nicht in unserem heutigen Verständnis, da also das Fernsehen und vor allem das Internet fehlten? <3> Die Antwort lautet: das Phänomen ist nicht neu. Es ist schon in der Frühen Neuzeit festzustellen. Neben vielen anderen in den vergangenen Jahren haben besonders zwei Wissenschaftler durch ihre in der Öffentlichkeit vielbeachteten Studien auf die große Bedeutung der Außenwirkung von Fürsten und Königen hingewiesen. Der Kulturhistoriker Peter Burke zeigte mit seinem Buch über The Fabrication of Louis XIV, deutsch: Ludwig IV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, 2 welch hoher finanzieller und künstlerischer Aufwand betrieben wurde, um den französischen König ins rechte Licht, "in die Sonne", zu setzen. Burke machte deutlich, auf welche Weise ganze Verwaltungs- und Künstlerstäbe eingesetzt wurden, um die Botschaft vom großen, siegreichen, tugendhaften und rechtgläubigen allerchristlichsten König in Frankreich 1 Dazu etwa Andreas Dörner: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft, Frankfurt am Main 2001, bes. 112-154. 2 Berlin 1993. Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de