Der spezielle Fall: erapie einer schweren Parodontitis In dieser Falldokumentation wird die Therapie einer lokalisierten schweren chronischen Parodontitis erläutert. Durch eine systemische Parodontitistherapie und einen parodontalchirurgisch-regenerativen Eingriff konnten stabile parodontale Verhältnisse geschaffen werden. Die Prognose eines initial ungün- stigen Zahnes mit weit fortgeschrittenem Attachmentverlust ließ sich durch die regenerative Therapie deutlich verbessern. Dr. Lisa Hierse, Dr. Karin Jepsen // Universitätsklinikum Bonn Im August 2011 stellte sich die Patientin – eine gebürtige Russin – erstmals in der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde der Universitätszahnklinik Bonn vor. Ihr Hauszahnarzt hatte sie zur parodontalen Behandlung eines isolierten vertikalen Knochendefekts am Zahn 25 über- wiesen Die 30-jährige Hausfrau und Mutter zeigte einen guten Allgemeinzustand, litt weder an Allgemeinerkrankungen noch an Allergien. Sie nahm keine regelmäßigen Medikamente ein und war lebenslang Nichtraucherin. Bezüglich der häuslichen Mundhygiene gab sie an, sich zweimal täglich mit einer Hand- zahnbürste die Zähne zu putzen und gelegentlich Zahnseide zu verwenden. Zudem sei keines ihrer Familienmitglieder ersten und zweiten Grades an einer Parodontitis erkrankt. Befunde Extraoraler Befund Bei der Patientin waren extraoral keine Asymmetrien, Schwel- lungen, Hautauffälligkeiten oder Entzündungszeichen sichtbar. Die Kiefergelenke waren palpatorisch unauffällig ebenso wie die Nervenaustrittspunkte des N. trigeminus und der regionären Lymphknoten. Intraoraler Befund Die Inspektion der Schleimhaut, der Lippen, des Mundbodens sowie des Rachenrings zeigten keine pathologischen Verände- rungen. Der Speichelfluss war in Menge und Konsistenz unauf- fällig. Die klinische Situation ist in der Abbildung 1 dargestellt. Der Zahnstatus und die parodontalen Befunde sind der Abbil- dung 2 zu entnehmen. Bei der Erstuntersuchung zeigten sich klinisch an Zahn 25 neben der distalen Sondierungstiefe von 11 mm eine starke Blu- tung auf Sondieren sowie Rötung und Schwellung der margina- len Gingiva. Röntgenologisch war ein isolierter vertikaler Kno- chendefekt sichtbar, der, gemessen von der Schmelz-Zement- grenze bis zum Apex, zirka 95% betrug (Abb. 3). Die Vitalitätsprobe am Zahn 25 zeigte eine normale, posi- tive Reaktion. Somit war eine Infektion des Endodonts weniger wahrscheinlich. Der Zahn war weder gelockert, noch perkussi- onsempfindlich. Ein Fremitus infolge okklusaler Überlastung war nicht sicht- oder fühlbar. Statische und dynamische Früh- kontakte waren nicht erkennbar. Auch alle anderen Zähne reagierten sensibel auf die Vitalitätsprobe und waren per- kussionsunempfindlich. Die Patientin gab an, dass der Zahn 36 während ihrer Kindheit aufgrund einer tiefen kariösen Läsion extrahiert worden war, einen prothetischen Ersatz wünschte sie nicht. Die Mundhygiene der Patientin war als mäßig einzustufen (Plaque-Index, initial: 47%, Abb. 8). Es bestand lokalisierte Blu- tung auf Sondierung (BoP, initial: 24%). Die beiden Kiefer standen neutral ver- zahnt ohne Mittellinienverschiebung zueinander. Es lagen keine okklusalen Interferenzen vor. Der Overjet betrug 2 mm, der Overbite 3 mm. Die Zähne 38 und 48 waren teilretiniert ohne Vorhan- densein einer Schleimhautkapuze. Zusätzlich zu dem weit fortgeschritte- nen Attachmentverlust an Zahn 25 wur- 1 // Klinische Situation bei Erstvorstellung im August 2011 August 2011 medizin 24 der junge zahnarzt 03 | 2014