Der Internist 9•2001
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Der Begriff Dyspepsie umfasst ein brei-
tes Spektrum von auf den Oberbauch
bezogenen Symptomen. Dyspeptische
Beschwerden beinhalten somit nicht
nur Schmerzen, sondern auch Sympto-
me wie frühzeitiges Sättigungsgefühl
oder Völlegefühl, Übelkeit oder andere
unangenehme Wahrnehmungen.Treten
diese Symptome nur selten oder einma-
lig auf, wird durch die Beschwerden das
Allgemeinbefinden bzw. die Lebensqua-
lität nicht beeinträchtigt. Kommt es
ohne besondere Maßnahmen zu einer
spontanen Besserung, sind weitere dia-
gnostische oder therapeutische Maß-
nahmen meist entbehrlich. Wird dem-
gegenüber die Lebensqualität durch die
Symptome anhaltend beeinträchtigt,
muss man von einem für den Patienten
relevanten Krankheitsbild ausgehen.
Für das Ausmaß der Beeinträchtigung
sind einerseits die Intensität der Be-
schwerden und andererseits die Häufig-
keit bzw. die Dauer der Symptomepiso-
den entscheidend. Man spricht allge-
mein von chronischen Beschwerden,
wenn die Symptome über einen Zeit-
raum von 3 Monaten persistieren oder
innerhalb eines Zeitraums von 12 Mona-
ten insgesamt 12 Wochen bestehen [1].
Bei rund 50% der Patienten, die sich
wegen chronischer dyspeptischer Be-
schwerden in Behandlung begeben, lässt
sich die Ursache mit der verfügbaren
klinischen Routinediagnostik (z. B. kör-
perliche Untersuchung, Standardlabor-
untersuchungen, Ösophagogastrodu-
odenoskopie) nicht klären [2]. Bei chro-
nischen dyspeptischen Beschwerden
ohne eine mit Hilfe der im Rahmen der
üblichen Diagnostik nachweisbaren Ur-
sache, ist die Diagnose einer funktionel-
len (oder Non-ulcus-) Dyspepsie ge-
rechtfertigt [3, 4]. Die funktionelle Dys-
pepsie ist somit durch mehr oder weni-
ger spezifischer Symptome gekenn-
zeichnet und den Ausschluss strukturel-
ler Läsionen definiert, die diese Sympto-
me verursachen können.
„Bei ca. 50% der Patienten mit
chronischen dyspeptischen
Beschwerden lässt sich die Ur-
sache mit der klinischen Routi-
nediagnostik nicht klären.“
Dies bedeutet einerseits, dass für die
Diagnose funktionelle Dyspepsie eine
definierte Funktionsstörung nicht nach-
weisbar sein muss. Umgekehrt schließt
der Nachweis einer Funktionsstörung
(z. B. eine verzögerte Magenentleerung)
nach den heutigen Definitionen die Dia-
gnose nicht aus. Ebenso schließt nicht
jede strukturelle Läsion die Diagnose ei-
ner funktionellen Dyspepsie aus.
So ist z. B. auch bei histologischem
Nachweis einer Gastritis die Diagnose
funktionelle Dyspepsie gerechtfertigt,
wenn der Kausalzusammenhang zwi-
schen der festgestellten Anomalie und
der Symptomatik unzureichend belegt
ist. Patienten mit einer histologischen
Gastritis (oder Duodenitis) und entspre-
chender Symptomatik fallen deshalb in
die Gruppe der Patienten mit funktio-
neller Dyspepsie. In der Vergangenheit
wurden anstelle des Begriffes funktio-
nelle Dyspepsie auch andere Bezeich-
nungen (wie z. B. Reizmagen oder Ga-
stritis) verwendet, die jedoch heute als
überholt angesehen werden müssen. Im
Englischen werden die Bezeichnungen
„non-ulcer dyspepsia“ (NUD) und „func-
tional dyspepsia“ oft gleichgesetzt. Dies
ist jedoch umstritten, da der Begriff
NUD nahe legt, dass die Symptomatik
an die der Ulkuskrankheit erinnert [3],
während andere mit diesem Begriff auf
Symptome verweisen, die sich von ei-
nem Ulkus deutlich unterscheiden.
In verschiedenen Ländern durchge-
führte epidemiologische Studien weisen
sehr hohe Prävalenzraten dyspeptischer
Beschwerden auf, die von 7–41% rei-
chen. Entsprechend häufig sind Patien-
Arzneimitteltherapie: Funktionelle Dyspepsie
Internist
2001 · 42: 1261–1269 © Springer-Verlag 2001
G. Holtmann • Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie,Zentrum für Innere Medizin,
Universitätsklinikum der Universität Essen
Therapie der funktionellen
Dyspepsie (Reizmagensyndrom)
Prof. Dr. G. Holtmann
Universitätsklinikum Essen,
Medizinische Klinik und Poliklinik,
Abteilung für Gastroenterologie,
Hufelandstraße 55, 45122 Essen
Redaktion
M.Wehling, Mannheim