IRMELA SCHNEIDER: PERSÖNLICHKEIT UND KONSUMENT Personenkult. Elemente einer Mediengeschichte des Stars Jens Ruchatz I. Gerade hat Rob, Ich-Erzähler in Nick Hornbys High Fidelity und leidenschaftlicher Musikliebhaber, mit Marie LaSalle, einer von ihm geschätzten amerikanischen Folksängerin, geschlafen. Sein Tri- umph steigert sich noch erheblich, als er erfährt, daß seine Erobe- rung nicht nur eine unbekannte Musikerin ohne Plattenvertrag ist, sondern früher mit einem bekannten Musiker liiert war: »Sie spuckt den Namen eines ziemlich bekannten amerikanischen Singer-Songwriters aus, jemanden, von dem ihr vielleicht gehört haben werdet. ›Das ist der, mit dem du die Patsy-Cline-Platten teilen mußtest?‹ Sie nickt und ich kann meine Begeisterung nicht verhehlen. ›Ist ja toll!‹ – ›Was, daß Du mit jemand geschlafen hast, der mit […] geschlafen hat?‹ (Hier wiederholt sie den Namen des ziemlich bekannten Singer- Songwriters, den ich im folgenden Steve nennen werde.) Sie hat’s erfaßt! Genau! Genau! Ich habe mit jemand geschlafen, der mit Steve geschlafen hat (Dieser Satz hört sich ohne den richtigen Namen blöd an. […] Aber stellt euch einfach den Namen von jemand nicht wahnsinnig Berühmten, aber doch ziemlich Berühmten vor – Lyle Lovett zum Beispiel, obwohl ich aus rechtlichen Gründen darauf hinweisen sollte, daß er es nicht ist – und ihr habt eine ungefähre Vorstellung.) ›Sei nicht blöd, Marie so ein Hohlkopf bin ich auch wieder nicht. Ich meine nur, es sei verblüffend, daß je- mand der […]‹ (hier nenne ich den Titel von Steves größtem Hit, einer triefend sen- timentalen und widerlich einfühlsamen Ballade) ›geschrieben hat, so ein Dreckskerl sein soll.‹ […] ›Das Stück handelt von seiner Ex, verstehst Du, die vor mir. Ich kann dir sagen, es tat richtig gut, ihn das Nacht für Nacht singen zu hören.‹ Das hier ist klasse. Es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe, mit jemandem zusammenzu- 1 sein, der einen Plattenvertrag hat.« 1. Nick Hornby: High Fidelity, München: Knaur 1998, S. 134–135. 331