2/2010 99 schmutzabnahme, d. h. die Entfernung von auflie- gendem Staub und festsitzendem Schmutz auf un- gefirnissten und gefirnissten Ölfarbenoberflächen. 3 Bisher verwendete Untersuchungsmethoden 2006 und 2007 konnten durch feuchte Reinigun- gen entstandene Mikrorisse in Ölfarbenoberflächen über das REM und EREM nachgewiesen werden. 4 Aufbauend auf diesen Untersuchungen galt es, eine objektive Vermessung der Oberflächen und eine Quantifizierung der durch Oberflächenreinigungen hervorgerufenen Veränderungen und Schäden vor- zunehmen, welche mit der Laser-Profilometrie ge- lang. 5 Die 3D-Streifenprojektion, ein rechnerge- stütztes optisches Oberflächenmesssystem, mit dem in der Regel sowohl 2D- und 3D- Konturmes- sungen als auch Rauheitsmessungen durchgeführt werden, zeigte sich jedoch durch ihre anwender- freundliche Handhabung, Schnelligkeit und Abbil- dungsgenauigkeit rasch als überlegen. Mit diesem neuen, berührungslosen Messverfahren sind Pro- benentnahmen und -präparationen zur Untersu- chung von behandelten Oberflächen obsolet: In situ lassen sich in kürzester Zeit für jede Farbton- bzw. Bindemittelvarietät aussagekräftigere, validere Aus- sagen treffen. 6 3D-Untersuchung Als Probematerial diente eine historische, weiße, ungefirnisste »Schoenfeld Lukas Ölfarbe« aus den Jahren 1918–1919. 7 Diese wurde trocken und feucht (mit Speichel, Leitungswasser und demineralisier- tem Wasser) behandelt. Die 3D-Messungen er- folgten direkt am Objekt und zwar vor, während und nach der Behandlung der Probenareale mit der Mi- croCAD der Firma GFMesstechnik, Berlin. Bei der verwendeten Streifenprojektion wird eine Kombi- nation von Gray-Code und Phasenschiebeverfah- ren verwendet. Dabei werden Streifen mit einer si- nusförmigen Helligkeitsintensität auf die Oberflä- che des Messobjektes projiziert und deren Abbildung mit einer CCD-Kamera unter einem bekannten Tri- angulationswinkel aufgenommen. Das Höhenbild wird aus der Lage der Streifen und den Grauwer- ten für jedes Bildelement errechnet. 8 In die erstellten Messbilder (von jeweils unbehan- delter und behandelter Probe) werden die Messli- nien am Computer eingezeichnet. Diese Messlinien liefern bei der Berechnung exakte topografische Höhenwerte. Die Differenz der Vorzustandsauf- nahme und der Nachzustandsaufnahme gibt ein Maß für die, durch die Behandlung entstandene, Oberflächenveränderung. Nicht immer gelingt es dabei, die Messlinien von Hand an exakt der gleichen Stelle der jeweils zweiten Aufnahme zu positio- nieren, weshalb die Profilschnitte von Vor- und Nach- zustand im Nanometerbereich nicht immer exakt deckungsgleich sind. Ein Programm wertet nach- folgend die Weitemessungen des Craquelés aus. 2a Historisches, unbehandeltes Probenareal 2b Weitemessung des Craquelés aus Abb. 2a vor der Behandlung (blaue Linie) 2c Wie Probe 2a, aber Wattestäbchen- reinigung mit Speichel. Das Craquelé ist deutlich geweitet und nach oben ausgedehnt. 2d Weitemessung des Craquelés aus Abb. 2c nach der Behandlung (schwarze Linie) THEMEN 98 2/2010 1a Historisches, unbehandeltes Probenareal 1b Weitemessung des Craquelés aus Abb. 1a vor der Behandlung (blaue Linie) 1c Wie Probe 1a, aber trocken gereinigt mit »akapad«. Das Craquelé ist nahezu unverändert. 1d Weitemessung des Craquelés aus Abb. 1c nach der Behandlung (schwarze Linie) in der Literatur auf Wirkungsweise und Konzentra- tionen der vorgeschlagenen Mittel eingegangen. 2 Vor diesem Hintergrund war eine Grundlagenfor- schung unter Einbeziehung bzw. Adaption moder- ner Überprüfungsverfahren, in diesem Falle aus der Dermatologie, dringend geboten. Der Terminus »Reinigung« wird unterschiedlich benutzt. Während frühere Quellen damit auch die Abnahme von vergilbten Firnissen bezeichnen, bein- haltet der Begriff heute nur noch die Oberflächen- Je kürzer die Restaurierungsfrequenz eines Ob- jektes, desto schonender und passiver sollten sich Materialien und Methoden zur Oberfläche verhalten. Im Verlauf der in den letzten 20 Jahren erfolgten Untersuchungen des Autors hat sich herausgestellt, dass eine rein empirische Grundlage, auf der zum Teil heute noch gearbeitet wird, zur Beurteilung der Erfolges einer Oberflächenreinigung nicht genügt. Es zeigte sich, dass einige der üblichen Reinigungs- methoden nicht schonend sind. Viel zu selten wird Die Reinigung von Ölgemäldeoberflächen ist heute eine Routinemaßnahme, welche auf- grund von Ausstellungen, Leihverkehr etc. häufig durchgeführt wird. Die derzeit übliche Praxis der Reinigung von Ölfarbenoberflächen birgt aber ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial in sich. Aus ungeeigneten Reinigungsmaßnahmen resultierende Schä- den lassen sich jetzt mit der 3D-Streifenpro- jektion objektiv quantifizieren. Dr. Paul-Bernhard Eipper leitet das Referat Restaurierung am Universalmuseum Joan- neum, Graz. Der Diplom-Restaurator betreut dort vor allem die Alte Galerie, die Neue Galerie und das Kunsthaus. Er promovierte an der Fakultät der Medizin an der Universität Witten/Herdecke. Über sein Hauptforschungs- gebiet, der Oberflächenreinigung von Gemäl- den, hat er bereits zahlreiche Publikationen vorgelegt. Dieser Beitrag basiert in Auszügen auf einem Kapitel seiner Dissertation. 1 THEMEN Paul-Bernhard Eipper Untersuchung unbehandelter und wässrig behandelter Ölfarbenoberflächen Messungen von Oberflächenveränderungen mit dem 3D-Streifen- projektionsverfahren Grafik: GFM, Berlin Grafik: GFM, Berlin 1a 1b 1c 1d 2a 2b 2c 2d Grafik: GFM, Berlin Grafik: GFM, Berlin