Medizinisehe Klinik q2 (1997),.3--4 (Suppl. Ill), @Urban & Vogel,M~inchen 3 Selensubstitution bei Sepsispadenten Eine prospektiv randomisierte Studie Thomas Zimmermann °, Steffen Albrecht e, Helmut K/ihne e, Ullrich Vogelsang°, Robert Gr/.itzmann°, Steffi Kopprasch e SUMMARY Substitution of Selenium in Septic Patients - A Prospective Randomized Study ~1 Patients and Method: In this study the effect ofantioxidative therapy with so- dium selenite was investigated in patients with systemic inflammatory response syndrome (S. I. IL. S.) and multiple organ failure. 40 patients were included in this prospective randomized study. The patients were observed over a period of 28 days. The letatity rate within 28 days was excepted as main criteria. The Apache-lI and the MOF-Score of Goris were used as clinical parameters. 20 pa- tients were treated with sodium selenite over a period of 28 days. Result: This antioxidative therapy reduced the letality rate from 40 to 15%. Key Words: Septicemia • Systemic inflammatory response syndrome • Mul- tiple organ failure " Substitution of selenium Med. Klin. 92 (1997), Suppl. III, 3-4. "~me ,,medmtorengerechte Theraple _i..5 der Sepsis existiert bislang nicht. Der Kliniker befindet sich bei der Behand- lung der Sepsis unter Zeitdruck. Einer- seits muB er alle intensivtherapeutischen Mal3nahmen ergreifen, um dieses schwierige Krankheitsbild zu beherr- schen, andererseits ist es notwendig, die pathologischen Konsequenzen der bei der Sepsis ablaufenden Mediatorenkas- kaden zu beachten und entsprechende Schritte einzuleiten. Die Schwierigkeit, eine ,,Multimediatorenkrankheit" wie die Sepsis ,,mediatorengerecht" zu be- handeln, besteht jedoch darin, dab die Labordiagnostik immer zwei Schritte hinterherhinkt und letztendlich nur be- reits abgelaufene pathobiochemische Prozesse beschreibt. Hochreaktive Sau- ersto~pezies scheinen in der Pathogene- se der Sepsis eine entscheidende Rolle zu spielen. Diese Sauerstoffradikale werden sowohl als Reaktionsprodukt der Akti- vierung der Kaskadensysteme und des Arachidons~iuremetabolismus als auch von Granulozyten, Monozyten und im hypoxischen Gewebe gebildet. Sauer- stoffradikale stimulieren den Arachi- dons~iuremetabolismus mit Bildung pro- inflammatorischer Produkte, wirken chemotaktisch, sch~idigen direkt das Endothel, zerst6ren Antiproteasen und initiieren die Lipidperoxidation. Des- weiteren aktivieren Sauerstoffradikale den redoxsensitiven Transkriptionsfak- tot NF-KI3 in mononukle?iren Blutzel- len, der eine Schl/.isselrolle im septischen Geschehen zu spieten scheint [1, 2]. Eine antioxidative Therapie in das Behand- lungsregime der Sepsis einzuftihren, er- scheint deshalb sinnvoll [3]. Bereits in der Therapie der akuten Pankreatitis zeigte der Sauerstoffradi- kal-Scavenger Selen als essentieller Be- standteil der Gtutathionperoxidase, die die Umwandlung von reduziertem in oxidiertes Glutathion katalysiert und damit einen wichtigen antioxidativen Schutzmechanismus des Organismus darstellt, eine deutliche letalit~itssenken- de Wirkung. Ebenso wie die akute Pankreatitis z~ihlt die Sepsis bzw. das # Klinik fur Viszeral-,Thorax- und Get~iBchirurgie, @Klmik Rir Gyn~ikologie und Geburtshilfe und @Abteilung fdr Pathobiochemie der III. Medizinischen Klinik des Universiditsklinikmns ,,Carl Gustav Carus" der TU Dresden, O Krankenhaus MeiBen, Chirurgische Abteilung. "systemic inflammatory response syn- drome" (S.I.t~.S.) zu den "free radical diseases". PATIENTEN UND THER_APIE In einer prospektiv randomisierten Stu- die untersuchten wir 40 Patienten mit S.I.P,..S. und Organversagen. 20 Patien- ten erhielten eine antioxidative Therapie nfit Na-Selenit entsprechend dem Ran- domisiemngsschema. Der Beobach- tungszeitraum betrug 28 Tage. Die Ef- fektivit~t der adjuvanten Behandlung wurde an der 28-Tage-Letalit~it gemes- sen. 20 Patienten erhielten bei Diagnose- steUung S.I.R..S. refit Organversagen so- fort 1000 ~tg Na-Selenit als Bolus und weiter 1000 I~g Na- Selenit/24 Stunden als kontinuierliche Infusion fiber 28 Tage. Als klinischer Vertaut~parameter wurde der APACHE-lI-Score und der MOF-("nmltiple organ failure"-)Score nach Goris benutzt. Folgende Laborparameter wurden be- stimmt: Selen im Plasma und Vollblut, Glutathionperoxidaseaktivit~t, MDA, PMN-Elastase, Neopterm, Sauerstoffra- dikale mittels Chemilumineszenzme- thode, Zytokine (TNF, IL-6 und IL-10). Bei 15 Patienten wurden mononu- lde~ire Zetlen isoliert und die NF-r,:B- Bindungsaktivit~it mittels EMSA ("dec- trophoretic mobility shift assay") nach- gewiesen. Zus~tzlich untersuchten wir die Translokation von NF-~B vom Zy- toplasma in den Zellkern mittels We- stern-Blot-Technik. ERGEBNISSE Alle 40 Patienten zeigten initial keinen Unterschied hinsichdich der Schwere der Sepsis und des Organversagens (Apa- che-II-Score = 15 Punkte, MOF-Score = 7 Punkte). Die Patienten mit adjuvan- ter Na-Selenit-Therapie zeigten bereits am zweiten Tag einen signifikanten Ab- fall des Apache-II- und des MOF-Scores (Abbildungen 1 und 2). Auch konnte el-