I I n n v v e e n n t t u u r r AFZ-DerWald 5/2005 237 Grundlagen Für die Untersuchung standen Luftbilder mit unterschiedlichen Eigenschaften zur Verfügung (siehe Tab. 1). Die Wahl des Arbeitsverfahrens fiel aus ergonomischen Gründen auf die digitale fotogrammetri- sche Auswertung, die „Softcopy Photo- grammetrie“. Für die visuelle Darstellung der digitalen Luftbilder auf dem Bildschirm wurde die Software Stereo Analyst von ERDAS verwendet. Für die Wahrnehmung des räumlichen Eindruckes eines Luftbildpaares sind in der Vergangenheit verschiedene digitale Techniken entwickelt worden. Bekannt wurde vor allem das so genannte Anagly- phenverfahren, bei dem die beiden Bilder in Komplementärfarben dargestellt wer- den. Mit Rot-Grün-Brillen wird jedem Auge eines Betrachters das entsprechende Bild präsentiert. Für die forstliche Auswertung hat die- ses Verfahren allerdings den Nachteil, dass dadurch die Farbinformationen der Luftbilder nicht berücksichtigt werden kön- nen. Deshalb setzte man am Fachgebiet Forstliche Biometrie und Informatik auf ein Verfahren, bei dem die Projektionsstrah- len der Luftbilder anhand eines speziellen Monitoraufsatzes senkrecht zueinander polarisiert werden. Anhand einer passiv polarisierenden Brille wird jedem Auge des Interpreten ein Luftbild zugeordnet. Liegt das Luftbildpaar räumlich korrekt zu- einander, so erkennt der Interpret eine dreidimensionale Oberfläche entspre- chend eines Arbeitsverfahrens mit analo- gem Stereoskop. Inventurverfahren Um Vergleiche zwischen den Aufnahmen aus den Luftbildern und der tatsächlich vorkommenden Verjüngung durchführen zu können, wurde im Untersuchungsge- biet 1) eine Verjüngungsinventur durchge- führt. Die durch die Nationalparkverwal- tung alle zwei Jahre durchgeführte Inven- tur versprach aufgrund des 200 m * 200 m Aufnahmerasters eine zu geringe Aussa- gekraft für das relativ kleine Untersu- chungsgebiet. Außerdem lagen zu Pro- jektbeginn noch keine aktuellen Ergeb- nisse der Aufnahmen des Jahres 2002 vor. Die Wahl des Stichprobenverfahrens fiel auf eine Clusterstichprobe. Folgende Bedingungen mussten dabei berücksich- tigt werden: Vergleichbarkeit mit den Inventurblöcken der Luftbildinterpretation, die Randlage des Untersuchungsgebietes und das nicht immer mit hoher Genauigkeit empfangbare GPS-Signal, die schwierigen Bedingungen, in den durch den Borkenkäfer geschädigten Beständen des Nationalparks Bayerischer Wald, das Vorkommen der Verjüngung in Verjün- gungskegeln. Als Probeflächen wurden rechteckige In- venturblöcke mit einer Ausdehnung von 100 m in Ost-West-Richtung und 50 m in Nord-Süd-Richtung angelegt (siehe Abb. 1). In diesen Inventurblöcken wurden im Abstand von 9 m fünf Streifen mit 1 m Breite und 100 m Länge aufgenommen. Somit ergab sich eine stichprobenartige Aufnahme von 500 m 2 , mit der eine Aus- sage über den Verjüngungszustand des Inventurblockes getroffen werden konnte. Zum Auffinden der Probeflächen in den Luftbildern wurde der nordöstliche An- fangspunkt jedes Inventurblockes mittels GPS eingemessen. Die Streifen wurden mit Kompass und Ultraschall-Entfernungs- messgerät vom Anfangspunkt aus einge- legt. Auf den Streifen wurden dann alle Bäume ab einer Höhe von 20 cm bis zu einem Brusthöhendurchmesser der Bäu- me von 7 cm in Dezimeter-Klassen aufge- nommen. Bei der Luftbildinterpretation konnte an- hand des eingemessenen Anfangspunk- tes der Umfang jedes Inventurblockes auf die dreidimensionale Geländeoberfläche im Stereo Analyst projiziert werden. An- schließend wurden alle erkennbaren Bäu- Am Beispiel totholzreicher Bestände im Nationalpark Bayerischer Wald Erfassung der Naturverjüngung mit CIR-Luftbildern Von Steffen Rogg, Arno Röder und Marco Heurich Die Borkenkäfergradation zerstörte seit Beginn der 90er-Jahre weite Tei- le der Hochlagen im Nationalpark Bayerischer Wald. In den nächsten Jahrzehnten kommt deshalb der Beobachtung der Waldentwicklung auf den Totholzflächen eine wichtige Bedeutung zu. Die Nationalparkverwal- tung führt aus diesem Grund im zweijährigen Turnus eine Verjüngungs- inventur in den gesamten Hochlagen und eine Vollaufnahme von Dauer- beobachtungsflächen durch. Da Aufnahme unter den dortigen Gelände- bedingungen sehr zeit- und somit auch kostenaufwendig sind, wird nach Möglichkeiten gesucht, die Werkzeuge der Fernerkundung hierfür einzu- setzen. Am Fachgebiet Forstliche Biometrie und Informatik der Fach- hochschule Weihenstephan wurde deshalb die Erkennbarkeit der Verjün- gung anhand von CIR-Luftbildern erforscht. Prof. Dr. S. Rogg lehrt im Fachgebiet Forstliche Bio- metrie und Informatik an der Fachhochschule Wei- henstephan. Dipl.-Ing. (FH) A. Röder ist Mitarbeiter im selben Fachgebiet. Dipl.-Ing. (FH) M. Heurich ist stell- vertretender Leiter des Sachgebietes Forschung und Dokumentation der Nationalparkverwaltung Bayeri- scher Wald. 1) Untersuchungsgebiet: Das Untersuchungsgebiet liegt im Südosten des Nationalparks Bayerischer Wald zwischen 1.100 und 1.250 m ü.NN. Die klimatischen Verhältnisse sind geprägt von einer langen Schnee- deckenzeit und einer kurzen Vegetationsperiode. Das geologische Ausgangsmaterial für die Bodenentwick- lung sind Gneise und Granite. Der vorherrschende Bodentyp ist die Braunerde, welche sich durch Pod- solierungserscheinungen, geringe Basensättigung und niedrige pH-Werte auszeichnet. Die Humusform ist zumeist Rohhumus bzw. rohhumusartiger Moder [1]. Die natürliche Pflanzengesellschaft im so genann- ten Inneren Bayerischen Wald ist (in Abhängigkeit von Geländemorphologie und Exposition) ab einer Höhe von 1.150 m ü.NN der Hochlagenfichtenwald (Solda- nello-Piceetum). Kennzeichnend für die Vegetation sind u.a. Bergreitgras (Calamagrostis villosa) und Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa) [2]. Tab. 1: Eigenschaften der verwendeten CIR-Luftbilder Flugdatum Bild- mittlere Kamera FarbIR-Film Scann- Boden- maßstab Flughöhe Zeiss RMK KodakAerochrome auflösung auflösung 22.05.2002 1 : 3.500 1.070 m TOP 30/23 III 1443 10 mm 3,5 cm 29.08.2001 1 : 15.000 4.570 m TOP 30/23 II 2443 20 mm 30,0 cm 01.10.2002 1 : 10.000 3.050 m A 30/23 III 1443 15 mm 15,0 cm