Originalarbeit Präv Gesundheitsf 2018 · 13:305–311 https://doi.org/10.1007/s11553-018-0659-9 Eingegangen: 30. April 2018 Angenommen: 4. Juli 2018 Online publiziert: 20. Juli 2018 © Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018 David Horstmann 1 · Daniel Tolks 1,3 · Kevin Dadaczynski 2 · Peter Paulus 1 1 Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG), Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, Deutschland 2 Hochschule Fulda, Fulda, Deutschland 3 Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, Klinikum der LMU München, München, Deutschland Förderung des Wohlbefindens durch „Gamification“ Ein Projekt zur Anpassung und Evaluation des „Wellbeing Games“ für den deutschsprachigen Kontext Wohlbefinden ist ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Gesundheitsverständnisses. Dabei ist die Förderung des individuellen Wohlbefindens bisher kaum be- rücksichtigt worden. Spielbasierte Ansätze bieten aber vielversprechen- de Wege der Gesundheitsförderung. Die Anwendung „The Wellbeing Game“ (TWBG) nutzt Gamification- Elemente, um das Wohlbefinden der Anwenderinnen zu fördern. Für die Nutzung im deutschsprachigen Raum bedarf es einer inhaltlichen und technischen Anpassung sowie einer Wirksamkeitsüberprüfung des TWBG . Hintergrund Jedes Jahr leiden etwa 28% der deut- schen Gesamtbevölkerung an einer psy- chischen Erkrankung [15]. Damit stellen psychische Erkrankungen nach Muskel- Skelett-Erkrankungen die zweitgrößte Krankheitsgruppe in Deutschland dar [20]. Auch im beruflichen Kontext spie- len sie eine wichtige Rolle. Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkran- kungen ist von 2006 bis 2012 um 76% gestiegen und im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern durch die längsten Ausfallzeiten gekennzeichnet [27]. Laut Weltgesundheitsorganisation ist, über das Fehlen von Beschwerden hinaus, das individuelle Wohlbefinden ein substanti- eller Bestandteil psychischer Gesundheit, welche eine produktive Anpassung und Selbstverwirklichung der Individuen umfasst [30]. Vor diesem Hintergrund ist die Förderung des Wohlbefindens in den Fokus der Gesundheitspolitik gerückt [31]. Maßnahmen der Präven- tion und Gesundheitsförderung, die die Förderung des Wohlbefindens fokussie- ren, sind hingegen kaum vorhanden. Einen evidenzbasierten Ansatz zur För- derung des Wohlbefindens bieten im englischsprachigen Raum die „five ways to wellbeing“ [2]. Während bei der Prä- vention psychischer und körperlicher Krankheiten verstärkt spielbasierte und spielerische Anwendungen entwickelt und untersucht wurden, fehlen für das Wohlbefinden vergleichbare Anwendun- gen [16]. Der vorliegende Artikel stellt das in Neuseeland entwickelte TWBG als eine spielbasierte Anwendung zur Förderung des Wohlbefindens vor. Anhand der An- passung der Anwendung an den deut- schen Markt werden Gamification-Ele- mente, Nutzererfahrungen und techni- sche Anforderungen skizziert. Wohlbefinden Bei der Betrachtung von Wohlbefinden lassen sich das subjektive Wohlbefinden und das psychologische Wohlbefinden unterscheiden (. Tab. 1). Subjektives Wohlbefinden bezieht sich auf eine globale Einschätzung der individuel- len Lebenssituation und lässt sich kurz als „sich gut fühlen“ beschreiben. Es setzt sich laut Diener und Kollegen aus mehreren Elementen zusammen [9]. Auf emotionaler Ebene wird dabei ein positiver sowie negativer Affekt berück- sichtigt. Positiver und negativer Affekt sind dabei als distinkte Konstrukte zu verstehen, die weitestgehend unabhän- gig voneinander sind, und in gewissem Ausmaß sogar gleichzeitig aufreten kön- nen [26]. Auf kognitiver Ebene wird die Lebenszufriedenheit berücksichtigt. Die Zufriedenheit wird im Gegensatz zu den emotionalen Komponenten als relativ stabil über die Zeit angesehen und be- ruht auf einer kognitiven Bewertung der individuellen Lebenssituation [9]. Die allgemeine Zufriedenheit kann dabei in spezifische Zufriedenheit in verschie- denen Lebensbereichen (Familie, Beruf etc.) untergliedert werden und zwischen diesen Bereichen differenzieren [26]. Die emotionalen und kognitiven Ele- mente stehen in engem Zusammenhang zueinander, doch sind auch von unter- schiedlichen Einflussfaktoren abhängig [9]. Während das subjektive Wohlbefin- densichausschließlichaufdieindividuel- le subjektive Einschätzung von Personen bezieht, versucht das Konzept des psy- Prävention und Gesundheitsförderung 4 · 2018 305