66 Darla D. Deardorff (ed.): Sage Handbook of Intercultural Competence. Los Angeles: Sage, 2009. ISBN 978-1-4129-6045-8. Michaela Kováčová Der Begriff „interkulturelle Kompetenz“ scheint allgegenwärtig zu sein. Politiker, Forscher und Manager führen interkulturelle Kompetenz als Modewort im Munde, für Lehrer ist es der „letzte Schrei“ der Fremdsprachendidaktik. Dabei ist er nicht so neu, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die ersten Überlegungen hinsichtlich der interkulturellen Kompetenz tauchten in den 50-er Jahren (E.T. Hall) auf und entstanden oft aus ganz pragmatischen Gründen; man merkte, dass für den Erfolg in internationalen Transaktionen etwas viel wichtiger ist als nur geklärte Sachaspekte und Professionalität der Verhandlungspartner. Anthropologen, Philolo- gen, Ethnologen, Soziologen, Psychologen, Pädagogen, Kommunikations- und Wirtschafts- wissenschaftler machten sich auf die Suche nach dem gewissen Etwas, das ein effektives und angemessenes Interagieren zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen ermöglicht. Das Gesuchte wurde vorerst nur vage umrissen und getauft auf „interkulturelle Kompetenz.“ In beinahe 60 Jahren der Forschung wurde der Begriff immer präziser defniert - es wurden einzelne Konstituenten der interkulturellen Kompetenz erschlossen, die Entwicklungsstufen der interkulturellen Kompetenzen beschrieben und nicht zuletzt der Konzeptionalisierung der „Kultur“ große Aufmerksamkeit gewidmet. Der Ablauf der Akkulturation in einem fremden Umfeld wurde erfasst, Akkulturationsmodi und die Faktoren, die sowohl diese als auch den kulturellen Kontakt begünstigen, erforscht. Allmählich wuchs die Zahl der Theorien, die verschiedene Aspekte interkultureller Interak- tionen fokussierten. Ting-Tommeys Face-Negotiation Theorie, Kims Conversional Constraints Theorie, Gudykunsts Anxiety/Uncertainity Management Theorie und Gallois´ Communication Accomodation Theorie sollen an dieser Stelle als prominenteste Vertreter der Kommunikati- onstheorien genannt werden. Darüber hinaus versuchte ein Teil der Forscher Kulturerfassungs- ansätze zu entwerfen, die eine kulturvergleichende Forschung erlauben. Einen anderen Strang in der Forschung bildeten detaillierte ethnologische Beschreibungen einzelner Kulturen und akribische ethnomethodologische Konversationsanalysen in interkulturellen Interaktionen. Mit der Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit in der Wirtschaft, Bildung und Politik, den Migrationswellen in die Wohlstandsstaaten der westlichen Halbkugel und mit der kulturellen Hybridisierung unseres Alltags fand das Konzept der interkulturellen Kompetenz auch Eingang in weitere Disziplinen, wie z.B. Sozialarbeit, internationales Management, Per- sonalarbeit, Fremdsprachendidaktik, interkulturelle Pädagogik u.v.a.m. Diese Disziplinen ent- wickelten ihr eigenes Instrumentarium und betrieben empirische Untersuchungen, die leider nur selten die Barriere der Eigendisziplin durchbrachen und in der transdisziplinären interkul- turellen Forschung rezipiert wurden. Des Weiteren brachte die Explosion der Forschung auch eine Vielfalt von Ansätzen mit sich, die zahlreiche Überschneidungen aufwiesen, aber eine unterschiedliche Terminologie verwendeten. Dies erschwerte die Orientierung in der Forschungslandschaft immens, das an- gehäufte Wissen blieb unsystematisiert. Ein weiteres Problem in der Forschung, die stolz das Attribut „interkulturell“ trägt, war eine langjährige Untersuchung der Phänomene nur aus der angelsächsischen kulturellen Perspek- REZENSIONEN