71 Die Emanzipation der deutschen Tonpfeifenforschung Frühe deutsche Tonpfeifenproduktion im 17. Jahrhundert Ralf Kluttig-Altmann & Natascha Mehler Die noch relativ junge wissenschaftliche Beschäftigung mit Tonpfeifen in Deutschland ist stark von der bereits etablierten Forschung in den Niederlanden beeinflusst worden. Hier gab es schon seit den 1980er Jahren aufgrund einer ausgezeichneten archäologischen und schriftli- chen Quellenlage grundlegende Untersuchungen und Publikationen zum Thema. 1 Dieser Wissensstand war eine gute Ausgangsbasis für die entstehende deutsche Forschung, deren öffentliche Wirkung 1987 mit der Vorlage einer einheitlichen Terminologie begann 2 und sich 1988 mit der Gründung eines Arbeitskreises fortsetzte. Seit 1989 gibt es mit dem „Knasterkopf“ auch eine entsprechende Fachzeitschrift, und 1995 erfolgte die erste einschlägige Dissertation. 3 Nicht nur die forschungsgeschichtlichen Wurzeln waren der Grund dafür, dass sich die deutsche Forschung von Anfang an stark an den Nie- derlanden ausrichtete. Auch sachlich ist diese Entwicklung zu begründen, denn das niederländische Gouda als großes Produktionszentrum besaß fast die ganze „Tonpfeifenära“ über eine herausragende Bedeutung für den europäischen Markt und war lange Zeit dominant, was die Entwicklung neuer Dekore und Modelle betraf. Zahllose Bruchstücke von Tonpfeifen in deutschen Fundkomplexen, welche die Aufschrift „IN GOUDA“ tragen, schienen die Hegemonie Goudas als Exporteur zu bestätigen. Glückstadt 1641 Bremen 1690 Nienburg 1686 Spandau 1687 Blume 1676 Münden 1671 Großalmerode 1674 Kassel 1686 Wickenrode 1697 Willingshain 1675 Marburg 1689 Wesel 1638 Duisburg 1687 Köln 1648 Koblenz 1649 Mainz 1634 Frankfurt 17. Jh. Hanau 1657 Frankenthal 1650 Mannheim 1650 Straßburg 17. Jh. Breisach 17. Jh. Nürnberg 1675 Coburg 1686 Landshut 1698 Abendsberg 1697 Pfeffenhausen 1692 Zittau 17. Jh. Leipzig 1656 Grimma 1687 Leisnig 1697 Menzing 1692 Vilsbiburg 17. Jh. Abb. 1: Kartierung aller bekannten deutschen Produktionsorte von Tonpfeifen im 17. Jahr- hundert. 1 Duco 1982; ders. 1987; van der Meulen 1994. 2 Kügler 1987. 3 Ders. 1995.