359 Zagreber Germanistische Beiträge 21(2012), 359–373 Aneta STOJIĆ, Nataša KOŠUTA (Universität Rijeka) Zusammenfassung ZUR ABGRENZUNG VON MEHRWORT- VERBINDUNGEN 1. Mehrwortverbindungen Unter Mehrwortverbindungen 1 versteht man die Verbindung von zwei oder mehr Lexemen auf der syntagmatischen Ebene, die 1 Oft werden Mehrwortverbindungen auch mehr- gliedrige lexikalische Einheiten oder Mehrwortlexeme genannt. Diese Begriffe erscheinen aber bei der ter- minologischen Unterscheidung eher problematisch (vgl. Lemnitzer 2003, S. 1), weil die Grenze zwischen Einwortverbindungen in der Bedeutung von Wort, das aus mehreren lexikalischen Morphemen besteht (z.B. Rotwein) und Mehrwortverbindungen, die aus meh- reren selbständigen Lexemen bestehen (z.B. roter Wein) nicht durch die Bezeichnungen selbst klar gezogen wird. Diese Arbeit beschäftigt sich mit Verbindungen von mindestens zwei selbständigen Wörtern. Deshalb wird der Begriff Mehrwortverbindung gebraucht. Überhaupt gibt es in der deutschsprachigen Literatur unterschiedliche Bezeichnungen für diese sprachliche Erscheinung. Neben den unwissenschaftlichen Be- zeichnungen ’Wendung‘, ’Ausdruck‘, ’Redewendung‘, ’Redensart‘ gibt es auch die Termini ’feste Syntag- men‘, ’Frasmen‘, ’Polylexeme‘, ’Wortgruppenlexeme‘, ’Paralexeme‘, ’Mehrwortgefüge‘, ’verbale Stereotype‘ usw. (vgl. Pöll 1996, S. 51). In diesem Beitrag wird der Terminus ’Mehrwortverbindung‘ verwendet, weil er allgemein auf jegliche Art von Wortgruppe zutrifft. Im Kroatischen verhält es sich diesbezüglich ähnlich. Der äquivalente Ausdruck ’višerječne jedinice‘ ist wegen seiner neutralen Bedeutung den Bezeichnungen wie ’leksičke skupine‘, ’kompleksni leksemi‘, ’sintemi‘, Dieser Beitrag setzt sich mit dem Phänomen der Verbindbarkeit von Wörtern, unterschiedlichen Arten von Mehrwortverbindungen und ihrer Abgrenzungsproblematik auseinander. Betrachtet werden solche Wortverbindungen, die aus zwei oder mehr Lexemen bestehen und zusammen eine syntaktische und semantische Einheit bilden. Am Beispiel der deutschen Sprache sollen Strukturen, Typen und Funktionen der verbindbaren lexikalischen Einheiten und ihre charakteristischen Merkmale dargestellt werden. Dabei werden auch Vorschläge zu weiteren Klassifikations- kriterien unterbreitet. Ziel des Beitrages ist es zu zeigen, dass Mehrwortverbindungen ein komplexes und graduelles Phänomen der Sprache darstellen und dass gerade diese Tatsache eine eindeutige Abgrenzung erschwert. brought to you by CORE View metadata, citation and similar papers at core.ac.uk