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Indianische Literatur
Amerikanische Literatur beginnt mit den verbalen Ausdrucksformen der
ersten Amerikaner. Was wir heute als >indianische Literatur< (American
Indian literature, Native American literature) bezeichnen, umfaßt sowohl
die seit dem 18. Jh. von Indianern in englischer Sprache schriftlich verfaßte
Literatur als auch die bis heute mündlich überlieferten Traditionen der
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indigenen Stammeskulturen in Nordamerika. Die Bestimmung des >India- >Indianische< Identität
nischen< in der indianischen Literatur ist zudem untrennbar verbunden mit
der Definition des >Indianischen< in der amerikanischen Kultur. Denn seit
dem ersten europäisch-amerikanischen Kulturkontakt lag dessen Benen-
nung und Bestimmung in europäischen Händen. Was als indianisch gilt, ist
damit letztendlich ein Produkt euro-amerikanischer Politik und Gesetz-
gebung, Kunst, Literatur und Populärkultur und reflektiert weder die Diver-
sität und Heterogenität der mehr als dreihundert noch existierenden Stam-
meskulturen noch die Existenz gemischtrassiger mixedblood-Identitäten.
Die Definition der indianischen Literatur als der von Indianern produ-
Die weiße Frau als Opfer
>wilder< Männer: John
Vanderlyn, »The Death
of Jane McCrea« (1804)
H. Breinig et al. (Hrsg.), Amerikanische Literaturgeschichte
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