‚Lernen aus Niederlagen‘ und ‚Schwächediskurse‘? Oder doch nur „aut vincere aut emori“? Bemerkungen zum komplexen Umgang Roms mit militärischen Niederlagen 1 Oliver Stoll Universität Passau Abstract: This article examines defeats and losses as phenomena of an ‘expanded military his- tory’ of Roman History from the Republic to the Principate. It adopts a cultural historical perspec- tive of the military historical phenomenon. “Patterns” and “strategies” are defined, that appear in the sources when dealing with Roman defeats, losses and losers (in particular the commanders or even the emperor himself). Above, the historiography of the Roman imperial period is exemplary examined to see what reasons, interpretations or explanations are given there for suffering a de- feat and whether and how these are part of narrative strategies. Sometimes military catastrophes simply were concealed, belittled or reinterpreted. How Rome dealt with defeat tells something about Rome’s society and especially the elite: “Roman culture” or “Rome’s political culture” 1 Einige Grundgedanken zu diesem Beitrag sind im Rahmen des DFG-geförderten‚Passauer Nieder- lagen-Projektes‘ (2015–2018) entstanden (= Erleiden, Umdeuten, Verschweigen und Vergessen. Niederla- gen und Verluste als Phänomene einer ‚erweiterten Militärgeschichte‘ der römischen Kaiserzeit“ = STO 500/2-1). Als Ergebnis dieses Forschungsprojektes sind mittlerweile drei weiterführende Arbeiten vorgelegt worden, die das hier teilweise skizzenhaft Dargelegte detaillierter behandeln und auch in einen größeren Zusammenhang stellen: Stoll 2016b, 91–120; Stoll 2019a–c. Mehrere Publikationen, die die angesprochenen Phänomene in angemessenem Umfang und Rahmen behandeln, befnden sich noch in Druck. Insbesondere möchte ich aber auf das in fortgeschrittener Phase befndliche Dissertationsprojekt von Lena Hoisl, Passau, verweisen (Arbeitstitel: „Die Darstellung von Feldherren und Niederlagen in der historiographischen Lite- ratur der römischen Kaiserzeit.“). Mittlerweile hat das ‚Niederlagenthema‘ ein neues Interesse erlangt: Von den wichtigen Arbeiten der letzten Jahre sei an dieser Stelle insbesondere auf den ertragreichen Sammelband Clark – Turner 2018 und dann vor allem auch auf das Buch von Simon Lentzsch (2019) verwiesen, der sich ebenfalls mit Roms Umgang mit Niederlagen – vor allem für die Republik – umfassend beschäftigt hat. Teilweise gehen diese Zeilen aber auch auf Gedanken zurück, die ich 2018 auf einer Tagung des Frankfurter SFB 1095 („Schwächediskurse und Ressourcenregime“) vortragen konnte. Für die damalige Gelegenheit zur Präsentation und zur Diskussion danke ich gerne Herrn Prof. Dr. H. Leppin und stellvertretend dem Sprecher des SFB 1095, Herrn Prof. Dr. I. Amelung. ELECTRUM * Vol. 29 (2022): 197–217 doi:10.4467/20800909EL.22.013.15783 www.ejournals.eu/electrum http:/orcid.org/0000-0002-4812-9511