2265 Editorial
Rheumatische Erkrankungen – innovative Therapieent-
wicklungen und die Herausforderung der Multimorbidität
Begleitend zum 34. Kongress der
Deutschen Gesellschaft für Rheu-
matologie (DGRh) in Wiesbaden
widmet sich diese Ausgabe der Deutschen Medizi-
nischen Wochenschrift dem Schwerpunkt Rheu-
matologie. Der Kongress der DGRh findet in die-
sem Jahr zum zweiten Mal gemeinsam mit der 20.
Jahrestagung der Assoziation für orthopädische
Rheumatologie (ARO) statt, womit der wissen-
schaft-liche Austausch zwischen internistischen
und orthopädischen Rheumatologen intensiviert
und die gemeinsame Fortbildung und neue For-
schungsinitiativen gefördert werden sollen.
Die Therapie entzündlich-rheumatischer und im-
munologischer Systemerkrankungen hat in den ver-
gangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Neue Er-
kenntnisse zu pathophysiologisch relevanten Ziel-
molekülen der rheumatischen Entzündung und
Knochendestruktion konnten in die Entwicklung in-
novativer „Biologika“ umgesetzt werden. Nachdem
die TNF-α-Inhibitoren inzwischen weiten Eingang in
die Klinik und Praxis gefunden haben, stehen jetzt
weitere Antikörper gegen pro-inflammatorische Zy-
tokine oder Zellrezeptoren vor ihrer Zulassung. Dar-
über hinaus verfolgen neue Konzepte zellbasierter
Immuntherapien das Ziel, individuelle regulatori-
sche Mechanismen der Immunantwort auch bei Au-
toimmunerkrankungen wiederherzustellen.
Die ermutigenden Entwicklungen und zukünftigen
Chancen in der Therapie der rheumatischen Er-
krankungen dürfen allerdings nicht darüber hin-
weg täuschen, dass uns eine große Zahl der chro-
nisch Kranken, die wir heute in unseren Praxen
und Kliniken betreuen, mit vielfältigen konkreten
Problemen konfrontiert. Höheres Lebensalter bei
Erstmanifestation z.B. der rheumatoiden Arthritis
oder der Vaskulitiden, Multimorbidität und mögli-
che Arzneimittelinteraktionen stellen eine große
Herausforderung für den behandelnden Rheuma-
tologen dar. Die Assoziation rheumatischer Erkran-
kungen mit den klassischen „Volkskrankheiten“
Adipositas, Diabetes mellitus, Hypertonie, Arterio-
sklerose, Osteoporose und Krebs beeinflusst nicht
nur die Funktion und Lebensqualität des Rheuma-
kranken, sondern auch wesentlich die Mortalität.
Die bei rheumatoider Arthritis und Lupus erythe-
matodes signifikant erhöhte kardiovaskuläre Mor-
talität wird im Wesentlichen auf den chronisch-
entzündlichen Prozess der Erkrankungen zurück-
geführt. Es gilt, die Herausforderungen der Ko- und
Multimorbidität interdisziplinär und in enger Koo-
peration mit dem Hausarzt zu lösen. Für eine opti-
male Versorgung des rheumakranken Patienten ist
zudem eine gute Abstimmung zwischen internisti-
schem und orthopädisch-chirurgischem Rheuma-
tologen in allen Krankheitsphasen wünschens-
wert – in der Frage eventueller Frühsynovektomi-
en, spätestens aber bei drohendem Funktionsver-
lust einzelner Gelenke oder der Notwendigkeit
zum endoprothetischen Ersatz.
Die Themen des vorliegenden Heftes spiegeln die
Vielfalt von Fragestellungen in Forschung und kli-
nischer Versorgung in der Rheumatologie wider:
3 Diagnostik und Therapie der Vaskulitiden, hier
speziell des Churg-Strauss-Syndroms
3 Update der Therapie mit Biologika
3 Neue immuntherapeutische Strategien
mittels regulatorischer T-Zellen
3 Immunsuppressive Therapie des systemischen
Lupus erythematodes
3 akut-stationäre Therapie rheumatischer
Erkrankungen
3 Pro- und Contra-Debatte zur intraartikulären
Steroid-Injektionstherapie
3 Mediquiz – unklare Lungenverkalkungen
bei einem Rheumapatienten
Der Kongress widmet sich darüber hinaus inten-
siv dem Schwerpunktthema der experimentel-
len und klinischen Osteologie. Diese Thematik
umfasst nicht nur den Bereich Osteoporose, son-
dern auch die neueren Forschungsansätze zur
entzündlichen Knochendestruktion, zur Ent-
wicklungsbiologie und schließlich Regenerati-
onsfähigkeit des Knochengewebes. Hier lassen
sich besonders deutliche Synergien zwischen in-
ternistischer und orthopädischer Rheumatolo-
gie erwarten. Spezifische Therapieansätze, die
den Prozess der rheumatischen Knochenzerstö-
rung zum Angriffspunkt haben, dürften zukünf-
tig einen wichtigen Stellenwert einnehmen.
Wir hoffen sehr, dass neben erstklassiger Fortbil-
dung die wissenschaftliche Plattform des Kon-
gresses für neue gemeinsame Forschungsinitiati-
ven genutzt wird.
Elisabeth Märker-Hermann,
Kongress-Präsidentin der DGRh
Stefan Rehart, Kongress-Präsident der ARO
E. Märker-Hermann
1
S. Rehart
2
Institut
1
Klinik für Innere Medizin IV
(Rheumatologie, klinische Im-
munologie und Nephrologie)
der Dr. Horst Schmidt Kliniken
GmbH (HSK) Wiesbaden
2
Klinik für Orthopädie und
Unfallchirurgie, Akademisches
Lehrkrankenhaus St. Markus,
Frankfurt
Bibliografie
DOI 10.1055/s-2006-951360
Dtsch Med Wochenschr 2006;
131: 2265 · © Georg Thieme
Verlag KG Stuttgart · New York ·
ISSN 0012-0472
Korrespondenz
Prof. Dr. med. Elisabeth
Märker-Hermann
Klinik für Innere Medizin IV
(Rheumatologie, klinische Im-
munologie und Nephrologie)
Dr. Horst Schmidt Kliniken
GmbH (HSK)
Aukammallee 39
65191 Wiesbaden
Tel. +49/611/436445
Fax +49/611/436464
eMail Elisabeth.Maerker-Her-
mann@hsk-wiesbaden.de
E. Märker-Hermann
S. Rehart
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