Einleitung Augmentationstherapien stellen eine bewährte psychopharma- kologische Strategie in der medikamentösen Behandlung insbe- sondereschwererDepressionendar.Biszu45%allerdepressiven Patienten respondieren nicht zufriedenstellend auf eine Mono- therapie mit einem Antidepressivum. In solchen Fällen wird üb- licherweise,wennauchmehrfacherWechselaufanderePräpara- te in ausreichender Dosis und Therapiedauer wirkungslos bleibt, eine Augmentationstherapie durchgeführt. Neben Lithium kön- nen hierzu eine Reihe weiterer Medikamente wie z.B. L-Thyro- xin, Buspiron, Pindolol, Psychostimulantien, Bupropion, Anti- konvulsiva und auch Neuroleptika eingesetzt werden [1±5]. Insbesondere bei Therapieresistenz gegenüber selektiven Sero- tonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) ist der Versuch einer Augmentationstherapie häufig empfehlenswert. Hierbei scheint sich mit der Einführung sog. atypischer Antipsychotika eine zu- sätzliche Möglichkeit der SSRI-Augmentation zu ergeben. Neue- re Veröffentlichungen zeigen, dass zumindest in Einzelfällen die additive, niedrig dosierte Verabreichung eines Atypikums zu ei- ner deutlichen Besserung der depressiven Symptomatik führen kann. Neben klassischen neurobiochemischen Hypothesen zur ¾tiopa- thogenese depressiver Störungen (Serotonin-/Noradrenalin- Mangel) rückt in den letzten Jahren zunehmend die Bedeutung von Second-messenger-Systemen, Signaltransduktionskaskaden und Genexpressionsmechanismen für die Entstehung und Auf- rechterhaltung affektiver Erkrankungen in das wissenschaftliche Interesse neurobiologischer Forschung. Mit Hilfe molekularbio- logischer Techniken kann gezeigt werden, dass Medikamente wie Lithium, Carbamazepin und Valproat, die sowohl in der Akutbehandlung als auch in der Phasenprophylaxe affektiver Er- Augmentation von selektiven Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) mit atypischen Antipsychotika in der Depressionsbehandlung E. Weimer 1 D. F. Braus 1 I. Cavus 2 J. Thome 1,2 Augmentation of Selective Serotonin Reuptake Inhibitors (SSRI) with Atypical Antipsychotics in the Treatment of Depression Institutsangaben 1 Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (Direktor: Prof. Dr. Dr. F. A. Henn) 2 Division of Molecular Psychiatry, Yale University School of Medicine (Direktor: Prof. Dr. Dr. R. S. Duman) Korrespondenzadresse Priv.-Doz. Dr. med. Dr. phil. J. Thome ´ Zentralinstitut für Seelische Gesundheit ´ J5 ´ 68159 Mannheim ´ E-mail: thome@zi-mannheim.de Bibliografie Fortschr Neurol Psychiat 2002; 70: 210±217  Georg Thieme Verlag Stuttgart ´ New York ´ ISSN 0720-4299 Zusammenfassung Die Behandlung schwerer Depressionen stellt eine komplizierte AufgabeindertäglichenpsychiatrischenPraxisdar.Augmentati- onstherapien zur Verbesserung der Wirkung von SSRIs können in bestimmten Fällen hilfreich sein. Seit kurzem besteht die Möglichkeit, zur SSRI-Augmentation atypische Antipsychotika einzusetzen. Diese Option bereichert die bisher bestehenden Strategien in der Depressionstherapie und erste systematische Anwendungsstudien zeigen ermutigende Resultate. In dieser Übersichtsarbeit wird die Möglichkeit einer SSRI-Augmentation insbesondere durch zusätzliche Gabe von Risperidon oder Olan- zapin kritisch diskutiert. Abstract The treatment of severe depression represents a difficult task in the daily psychiatric practice. In certain cases, augmentation therapies in order to improve the efficacy of SSRIs can be useful. Recently, it has become possible to use atypical antipsychotics forSSRIaugmentation.Thisoptionaddstotheexistingstrategies in the treatment of depression and primary systematic studies show encouraging results. In this review, the possibility of a SSRI augmentation by additionally administering risperidone or olanzapine is critically discussed. Originalarbeit 210 Heruntergeladen von: Rutgers University. Urheberrechtlich geschützt.