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Wissenstransfer
Uwe Küchler
I Begrifsdarlegung
Defnitionen und Kontextualisierung von Wissenstransfer unterscheiden sich in den
jeweiligen Wissensbereichen. Während wirtschafswissenschafliche Publikationen
sich intensiv mit Fragen zum Wissenstransfer – insbesondere seiner verwandten, öko-
nomischen Rahmung als Wissensmanagement – beschäfigen, legen die Geisteswis-
senschafen eine gewisse Zurückhaltung an den Tag. Die Begrifskomponente Wissen
verweist auf das Ergebnis bewussten Verarbeitens, Herausfndens, Auswählens, Ver-
stehens, Begreifens und Bewertens von bedeutungsvoll verknüpfen Informationen
und Fertigkeiten. Als wissenschafliches Wissen ordnet es sich in historische, kultu-
relle, disziplinäre Systematiken oder in ein kulturelles Narrativ ein (Terminologien,
Teorien, Modelle, Methodologien).
Vor diesem Hintergrund korreliert Wissen mit seinem » sozialen, kulturellen,
fachlichen, religiösen, internationalen oder wie auch immer gearteten Kontext «.1 Der
Wortbestandteil Transfer bezeichnet die Übertragung von Elementen, Methoden oder
Regeln des Wissens von einer Domäne oder einer Anwendungskonstellation auf eine
andere. Folglich handelt es sich beim Wissenstransfer um einen Prozess, der über die
kommunikative Vermittlung von Informationen oder Wissensbeständen hinausgeht,
indem Wissen, Methoden oder Technologien im Zielkontext entsprechend neuer Be-
dingungen adaptiert, transformiert und nutzbar gemacht werden. Speziell für päd-
agogische und didaktische Kontexte gilt, dass sich Wissenstransfer positiv oder nega-
tiv auswirken kann. Bei positivem Transfer erleichtert das Erlernte die Bewältigung
beziehungsweise Anwendung des neuen Wissens oder fördert weiteres Lernen. Ne-
1 Maximilian Mayer, Wissen, in: Ludger Kühnhardt/Tilman Mayer (Hrsg.), Die Gestaltung der Glo-
balität: Schlüsselwörter der sozialen Ordnung (I), ZEI Discussion Paper C 211, Bonn: Zentrum für
Europäische Integrationsforschung, 2012, Seite 45, online unter: www.zei.uni-bonn.de/dateien/dis
cussion-paper/dp_c211_kuehnhardt_mayer.pdf (zuletzt aufgerufen am 12. 10. 2016).
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L. Kühnhardt und T. Mayer (Hrsg.), Bonner Enzyklopädie
der Globalität, DOI 10.1007/978-3-658-13819-6_46