561 Wissenstransfer Uwe Küchler I Begrifsdarlegung Defnitionen und Kontextualisierung von Wissenstransfer unterscheiden sich in den jeweiligen Wissensbereichen. Während wirtschafswissenschafliche Publikationen sich intensiv mit Fragen zum Wissenstransfer – insbesondere seiner verwandten, öko- nomischen Rahmung als Wissensmanagement – beschäfigen, legen die Geisteswis- senschafen eine gewisse Zurückhaltung an den Tag. Die Begrifskomponente Wissen verweist auf das Ergebnis bewussten Verarbeitens, Herausfndens, Auswählens, Ver- stehens, Begreifens und Bewertens von bedeutungsvoll verknüpfen Informationen und Fertigkeiten. Als wissenschafliches Wissen ordnet es sich in historische, kultu- relle, disziplinäre Systematiken oder in ein kulturelles Narrativ ein (Terminologien, Teorien, Modelle, Methodologien). Vor diesem Hintergrund korreliert Wissen mit seinem » sozialen, kulturellen, fachlichen, religiösen, internationalen oder wie auch immer gearteten Kontext «.1 Der Wortbestandteil Transfer bezeichnet die Übertragung von Elementen, Methoden oder Regeln des Wissens von einer Domäne oder einer Anwendungskonstellation auf eine andere. Folglich handelt es sich beim Wissenstransfer um einen Prozess, der über die kommunikative Vermittlung von Informationen oder Wissensbeständen hinausgeht, indem Wissen, Methoden oder Technologien im Zielkontext entsprechend neuer Be- dingungen adaptiert, transformiert und nutzbar gemacht werden. Speziell für päd- agogische und didaktische Kontexte gilt, dass sich Wissenstransfer positiv oder nega- tiv auswirken kann. Bei positivem Transfer erleichtert das Erlernte die Bewältigung beziehungsweise Anwendung des neuen Wissens oder fördert weiteres Lernen. Ne- 1 Maximilian Mayer, Wissen, in: Ludger Kühnhardt/Tilman Mayer (Hrsg.), Die Gestaltung der Glo- balität: Schlüsselwörter der sozialen Ordnung (I), ZEI Discussion Paper C 211, Bonn: Zentrum für Europäische Integrationsforschung, 2012, Seite 45, online unter: www.zei.uni-bonn.de/dateien/dis cussion-paper/dp_c211_kuehnhardt_mayer.pdf (zuletzt aufgerufen am 12. 10. 2016). © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017 L. Kühnhardt und T. Mayer (Hrsg.), Bonner Enzyklopädie der Globalität, DOI 10.1007/978-3-658-13819-6_46