Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Ein Überblick über störungsspezifische
Psychotherapieansätze
Jutta Stoffers-Winterling und Klaus Lieb – Mainz
Störungsimmanente Probleme erschweren Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen
häufig die Inanspruchnahme und die Aufrechterhaltung längerfristiger Behandlungsangebote.
Störungsspezifische Psychotherapieansätze berücksichtigen genau diese Besonderheiten und
Herausforderungen. Der folgende Artikel gibt einen Überblick.
Der jahrzehntelang vorherrschende therapeutische
Pessimismus, was die Behandlungsmöglichkeiten
und deren Erfolgsaussichten bei Patienten mit Bor-
derline-Persönlichkeitsstörungen (BPS; ▶ Tab. 1 ) be-
tri, ist heutzutage weder aktuell noch angemessen.
Früher wurden Patienten mit BPS* (in der ICD-
10-Klassifikation als „Emotional-instabile Persön-
lichkeitsstörung“ bezeichnet, ▶ Tab. 2) vorwiegend
notfallmäßig behandelt, nachdem sie beispielsweise
im Rahmen suizidaler Krisen oder Exabertionen an-
derweitiger Krankheitsbilder wie Essstörungen oder
affektiver Störungen an irgendeiner Stelle im Ge-
sundheitssystem vorstellig geworden waren, meist
außerhalb des psychiatrisch-psychotherapeutischen
Kontextes. Heute dagegen ist allgemein gültiger
Konsens, dass diese Patienten sehr wohl von thera-
peutischen Angeboten profitieren können. Zu dieser
Einschätzung kommen alle wesentlichen Behand-
lungsleitlinien auf diesem Gebiet [1, 2, 3] angesichts
der zwischenzeitlich vorliegenden Forschungsergeb-
nisse [4, 5]. Der psychotherapeutischen Behandlung
wird dabei in allen diesen Leitlinien innerhalb einer
jeweils individuellen Gesamtbehandlungsplanung,
die gegebenenfalls auch eine medikamentöse Annä-
herung beinhalten kann, der wichtigste Stellenwert
zugeschrieben.
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* Um die Lesbarkeit zu erleichtern, wird zumeist das generische
Maskulinum gebraucht. Natürlich sind immer Männer und
Frauen gemeint.
In Zusammenarbeit
mit der Bayerischen
Landesärztekammer
zertifizierte fortbildung
36 In|Fo|Neurologie & Psychiatrie 2017; 19 (6)