Zusammenfassung Die Hinführung zu einem körperlich aktiven Lebensstil ist ein zentrales Ziel der Bewe- gungstherapie. Der vorliegende Artikel beschreibt Techniken zur Beeinflussung des Be- wegungsverhaltens und bildet damit den Auftakt für eine Praxisreihe „Bausteine der Bewegungstherapie zur Bindung an einen körperlich aktiven Lebensstil“. Stichworte: Verhaltensorientierung, verhaltensbezogene Bewegungstherapie, Gesund- heitsverhalten, Verhaltensänderung, körperliche Aktivität ä Einleitung Für die heute in der Rehabilitation vorherr- schenden Gesundheitsstörungen wie mus- kuloskelettale Erkrankungen, Herz-Kreis- lauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankun- gen, onkologische Erkrankungen und psy- chische Erkrankungen besitzen körperliche Aktivitäten ein hohes präventives und re- habilitatives Potenzial [1]. Das tatsächliche Bewegungsverhalten der meisten Menschen mit chronischen Krank- heiten steht im Gegensatz zu der Bedeu- tung regelmäßiger körperlicher Aktivität. Menschen mit chronischen Erkrankungen fällt es oft schwer, ein angemessenes Ni- veau körperlicher Aktivität aufrechtzuer- halten und den jeweiligen Praxisleitlinien für körperliche Aktivität gerecht zu wer- den [2–6]. Ein inaktiver Lebensstil und mangelnde körperliche Aktivität sind typi- sche Charakteristika von Menschen mit chronischen Erkrankungen [7, 8]. Gerade ältere Erwachsene mit Behinderungen [9] und Menschen mit Folge- und Begleit- erkrankungen [10] erreichen selten die empfohlene Mindestdosis an körperlicher Aktivität. Dementsprechend ist die Initiierung und Hinführung zu einem körperlich aktiven Lebensstil ein zentrales Ziel der Bewe- gungstherapie [11, 12]. Bisherige Rehabili- tationsprogramme scheitern häufig an der Aufgabe, Bewegungsverhaltensweisen von Menschen mit chronischen Krankheiten langfristig positiv zu beeinflussen. Nur we- nigen Menschen gelingt es, im Anschluss an eine Rehabilitation das hohe Maß an Aktivität aufrecht zu erhalten und die neu erlernten Bewegungsaktivitäten dauerhaft in ihren Alltag zu integrieren [13]. ä Funktionsorientierte Bewegungstherapie Bisher dominieren in der Bewegungsthe- rapie funktionsorientierte Ansätze [14]. Diese zielen durch körperliches Training vor allem auf eine Steigerung der körper- lichen Funktionsfähigkeit ab, also z.B. auf die Verbesserung von Ausdauer oder die Beeinflussung kardiovaskulärer Risikofak- toren. Für die Erreichung funktionsorien- tierter Ziele können Bewegungsthera- peuten systematisch auf ausgefeilte Trai- ningsinhalte und -methoden, inklusive Möglichkeiten des Assessments und der Therapieplanung zurückgreifen. Für die Steigerung der körperlichen Ausdauerleis- tungsfähigkeit z.B. auf die Dauermethode, Intervalltraining sowie Fahrtspiele mit me- thodisch vielfältigen Variationen, je nach- dem, ob gerade heterogene Gruppen zu- sammen trainieren sollen oder eine eher spielerische Vermittlung im Mittelpunkt steht. Positive Effekte körperlichen Trainings Funktionsorientierte bewegungstherapeu- tische Maßnahmen sind medizinisch un- abdingbar. Das Wirkspektrum körperlichen Trainings bei Menschen mit chronischen Erkrankungen ist beeindruckend und man- che sprechen sogar von einer wahren „polypill“, also einer Medizin für alles [15]. Die positiven Effekte körperlichen Trai- nings sind dabei vorwiegend akute Effekte, die ihre optimale Wirkung erst durch re- gelmäßiges Training innerhalb von Wo- chen oder Monaten voll entfalten und bei längeren Phasen der Inaktivität vollständig reversibel sind. Zum Beispiel bleibt eine verbesserte Insulinsensitivität je nach Be- lastungsintensität und -umfang nur zwi- schen einer Stunde und zwei Tagen erhal- ten [16, 17]. Maximale Wirkungen auf die Steigerung der körperlichen Leistungs- fähigkeit werden beim Ausdauertraining erst nach 16–26 Wochen erreicht [18], phy- siologische Adaptationen und Leistungsver- besserungen bilden sich in längeren Phasen der Inaktivität wieder vollständig zurück Verhaltensorientierung in der Bewegungstherapie: Bausteine zur Bindung an einen körperlich aktiven Lebensstil K. Pfeifer J. Hofmann W. Geidl Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen Eingegangen: 15.09.2011 Angenommen durch Review: 29.10.2011 PRAXIS 252 K. Pfeifer et al.: Verhaltensorientierung in der Bewegungstherapie … Bewegungstherapie und Gesundheitssport 2011; 27: 252–255 Heruntergeladen von: University of Pittsburgh. Urheberrechtlich geschützt.