590 WISSENSCHAFT ANDRE MENKE 1 , KLAUDIA GIEHL 2 1 MOLEKULARE ONKOLOGIE SOLIDER TUMORE, KLINIK FÜR INNERE MEDIZIN, UNIVERSITÄT GIEßEN 2 SIGNALTRANSDUKTION ZELLULÄRER MOTILITÄT, KLINIK FÜR INNERE MEDIZIN, UNIVERSITÄT GIEßEN Depending on conditions and tumor stage, the transforming growth factor β (TGFβ) can act either as tumor suppressor or as tumor promoter. One process by which TGFβ contributes to metastatic events is the epithelial to mesenchymal transition (EMT). This process results in de- differentiation of tumor cells, gain of migratory capability and increase of tumor cell survival in particular of detached tumor cells. In the last years multiple mechanisms have been described by which TGFβ mediates EMT in a variety of tumor entities. DOI: 10.1007/s12268-018-0962-1 © Springer-Verlag 2018 ó Metastasierende Tumoren epithelialer Her- kunft bilden die größte Herausforderung in der klinischen Onkologie. Das Verständnis für die zugrunde liegenden molekularen Prozes- se, die in der Tumorprogression zu einer Dis- semination von Tumorzellen und nachfolgend zu ihrer Verbreitung im Körper führen, ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Die Tumorgenese ist charakterisiert durch den Erwerb migratorischer Eigenschaften und die daraus resultierende Fähigkeit zur Invasivität. Der Dedifferenzierung der epithelialen Tumor- zellen im Rahmen der frühen Metastasierung kommt eine wichtige Rolle zu, und sie wird als wesentlicher Teil der molekularen Patho- genese angesehen. Der Verlust epithelialer Markerproteine und der Übergang zu weni- ger differenzierten Phänotypen, die an mesen- chymale Zellen erinnern, ist in Anlehnung an zentrale Gestaltungsvorgänge in der Ontoge- nese als epitheliale-mesenchymale Transition (EMT) bezeichnet worden. Hierbei kommt es zu einem Verlust der Zell-Zell-Adhäsion und der Polarität der Einzelzelle sowie zum Erwerb von migratorischen und invasiven Eigen- schaften (Abb. 1A). Molekulare Charakteris- tika dieses Prozesses sind der Verlust des epi- thelialen Markers E-Cadherin sowie epithel- spezifischer Cytokeratine, die Expression mesenchymaler Marker wie N-Cadherin und des Intermediärskelettproteins Vimentin sowie verschiedener Proteine des migratori- schen Apparates [1]. Zahlreiche regulatori- sche Proteine (Wachstumsfaktoren, Kinasen und Transkriptionsfaktoren), die in EMT-Vor- gängen der Ontogenese identifiziert wurden, lassen sich auch in EMT-Prozessen epithelia- ler Tumorzellen wiederfinden. Die Ausprä- gung der EMT ist zelltyp- und gewebespezi- fisch und oft transienter Natur. Zellmigration TGFβ in der Entwicklung und Metastasierung von Karzinomen BIOspektrum | 06.18 | 24. Jahrgang ˚ Abb. 1: Die epitheliale-mesenchymale Transition (EMT) wird durch Smad-unabhängige TGFβ-induzierte Signaltransduktionswege modifiziert. A, Ver- änderung wichtiger molekularer Marker (oben) und zellulärer Eigenschaften (unten) während der EMT. B, ausgewählte Smad-abhängige (grüne Pfeile) und Smad-unabhängige (blaue Pfeile) TGFβ- induzierte Signaltransduktionswege. Die Smad-unabhängigen Signaltransduktionswege induzieren Verän- derungen in der Genexpression sowie der EMT und lösen Migration/Invasion aus. A B