Verbesserte Entscheidungsqualität durch Enterprise Mashups Andrea Giessmann, Volker Hoyer und Jan vom Brocke Andrea Giessmann ist wissenschaftliche Mit- arbeiterin bei SAP Research St. Gallen, Schweiz. Dr. Volker Hoyer ist Manager Digital Supply Chain bei Bertelsmann/ Arvato und war Dokto- rand am Institut für Medien und Kommuni- kationsmanagement an der Universität St. Gallen und bei SAP Research St. Gallen, Schweiz. Prof. Dr. Jan vom Brocke ist Inhaber des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management und Direktor des Insti- tuts für Wirtschaftsin- formatik der Universität Liechtenstein. Stichwörter Enterprise Mashups Informationswert Potenzialbeurteilung Prozessmanagement Wertorientierung Enterprise Mashups kennzeichnen ein neues Entwicklungsparadigma für Informationssysteme, das in den letzten Jahren auf großes Interesse ge- stoßen ist. Im Gegensatz zu serviceorientierten Architekturen versetzen Enterprise Mashups Benutzer aus den Fachabteilungen in die Lage, ad- hoc ihre eigenen Softwareanwendungen an gegebene Umweltbedingun- gen anzupassen und bedarfsgerecht um Funktionalitäten zu erweitern. Aber welcher ökonomische Nutzen verbindet sich damit in konkreten An- wendungsfällen? Im vorliegenden Beitrag wird eine entscheidungsorien- tierte Sichtweise eingenommen. Argumentiert wird, dass ein wesentliches Nutzenpotenzial in einer Verbesserung der Entscheidungsqualität beste- hen kann. Hierzu wird exemplarisch ein Modell zur Nutzenbewertung einer verbesserten Entscheidungsfindung aufgestellt und anhand eines praktischen Beispiels veranschaulicht. ........................................................ 1. Motivation ........................................................ Existierende Informationssysteme haben ihre Stärke vor allem in der Automatisie- rung definierter, bestehender Unterneh- mensprozesse und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Unternehmens- steuerung. Für die kurzfristige Abbildung unstrukturierter Prozesse eignen sich existierende Informationssysteme wie bspw. Enterprise Resource Planning Sys- teme allerdings nur bedingt. Auch die in der Literatur häufig propagierte, flexible Umsetzung von Geschäftsprozessen durch das Paradigma der serviceorien- tierten Architekturen erlaubt es nicht, einen ad-hoc auftretenden, unstruktu- rierten Informationsbedarf der Endan- wender zu bedienen (vgl. vom Brocke, 2008b). Enterprise Mashups, als neues Entwicklungsparadigma, sollen dem Endanwender eine solche Möglichkeit bieten, ohne weitere Programmierkennt- nisse bestehende Informationssysteme entsprechend situativer Anforderungen zu kombinieren und zu integrieren. Gleichwohl lässt sich das Mashup-Prinzip nicht eins zu eins auf einen betrieblichen Kontext übertragen. Hoyer und Stanoev- ska diskutieren erste Ansätze, um das Pa- radigma der Enterprise Mashups für den betrieblichen Einsatz nutzbar zu machen (vgl. Hoyer/Stanoevska-Slabeva, 2009). Je- doch wurde die aus Investorensicht ent- scheidende Nutzenbewertung von Enter- prise Mashups bzw. der einzelnen Poten- zialbereiche, die durch den Einsatz von Enterprise Mashups ermöglicht werden, bislang kaum diskutiert. Mit dieser Arbeit wird aufgezeigt, dass ein wesentliches Nutzenpotenzial von Enterprise Mashups in einer Verbesse- rung der Entscheidungsqualität liegt. Ur- sächlich hierfür ist die durch Mashups gegebene Möglichkeit, effizient zusätz- liche Informationen in die Entscheidung mit einzubeziehen. Diese Informationen werden durch kleine Softwarekomponen- ten, sogenannte Widgets, bereitgestellt, die der Entscheidungsträger während des Prozesses der Entscheidungsfindung si- tuativ auswählen und in seine Mash- upanwendung integrieren kann. Wir ken- nen solche Umgebungen bisher bspw. von Internetanwendungen wie iGoogle (www.google.de/ig), die es Benutzern er- möglichen, mit wenigen Mausklicks eine individuelle Komposition von Internet- diensten zusammenzustellen. Diese Idee wird mit Enterprise Mashups auf Prozes- se der Entscheidungsfindung im betrieb- lichen Kontext übertragen. Kapitel zwei analysiert den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Enter- prise Mashups und stellt bestehende An- sätze zur Bewertung von Informations- systemen vor. Im dritten Kapitel werden 248 CONTROLLING-WISSEN CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG https://doi.org/10.15358/0935-0381-2011-4-5-248 Generiert durch IP '54.70.40.11', am 07.12.2018, 06:59:56. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.