L. Brecht u.a.: Ein Referenzmodell zu Prozessmanagement
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Prozessmanagement hat seinen
Ursprung in der frühen Organisati-
onslehre, wurde aber in den letzten
zwei Jahrzenten systematisch weiter-
entwickelt. Hieraus abgeleitet wird ein
Referenzprozessmodell formuliert und
das Wesen des Prozessmanagements
anhand der drei Führungsfunktionen
Prozessgestaltung, Prozesslenkung und
Prozessentwicklung verdeutlicht.
Als Reaktion auf unternehmerische
Veränderungen, ausgelöst durch neue
Kundenanforderungen, Konkurrenzdruck,
Informationstechnik oder Kostendruck,
konzentrieren sich seit Jahren die Un-
ternehmen verstärkt auf ihre Wertschöp-
fungsprozesse. Selbst in den indirekten
Bereichen soll die Prozessorientierung die
Leistungen transparenter und effektiver
machen und die Führung vereinfachen.
Scheer/Nüttgens/Zimmermann formulie-
ren [1]:
„Damit sich Organisationen den sich
ändernden Marktanforderungen perma-
nent anpassen können, dürfen keine
Organisationsstrukturen zementiert wer-
den. Dies gilt insbesondere vor dem
Hintergrund, dass es keine festgefügten,
optimalen Organisationsstrukturen ge-
ben kann. Stattdessen müssen Methoden
bereitgestellt werden, die diesen perma-
nenten Wandel unterstützen.“
Exakt an dieser Stelle setzt Prozess-
management an und unterstützt die
prozessorientierte Unternehmenstransfor-
mation. Das Objekt des betrieblichen
Prozesses findet seine Vorläufer bereits in
der frühen Organisationslehre [3, 4]. Die
Definition des Prozesses kann entweder
aus der Sicht der systemorientierten Or-
ganisationslehre oder aus produktionsthe-
oretischer Sicht durchgeführt werden. Im
produktionstheoretischen Ansatz steht die
Transformationsfunktion eines Prozesses
im Mittelpunkt [5, 6] die systemorien-
tierte Organisationslehre ermöglicht eine
differenziertere Betrachtung der Bezie-
hungen sowohl zwischen den Elementen
der Organisation als auch zwischen einer
Organisation und der die Organisation
beeinflussenden Umwelt [7, 8].
Die Definition des betrieblichen Pro-
zesses wollen wir aus diesen Elementen
und den Beziehungen zwischen den Ele-
menten eines Prozesses ableiten. Dies
führt zur Definition eines Prozesses, die
auf Arbeiten von Österle [9] zurückgeht.
Im Folgenden wollen wir diese Definition
als Referenz verstehen und legen fest: Ein
Prozess ist eine Menge von Aufgaben,
die in einer vorgegebenen Ablauffolge zu
erledigen sind und durch Applikationen
der Informationstechnik unterstützt wer-
den. Seine Wertschöpfung besteht aus
Leistungen an unternehmensinterne oder
-externe Kunden. Der Prozess besitzt eine
eigene Führung, die den Prozess im Sinne
der Geschäftsstrategie anhand der daraus
abgeleiteten Führungsgrößen lenkt und
gestaltet. Ein Unternehmen konzentriert
sich auf die wenigen Prozesse, die über
ihre Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
Hieraus wird erkenntlich, dass der
Prozess durch vier Hebel beschrieben
In diesem Beitrag lesen Sie:
• welche Führungsfunktionen in-
nerhalb des Prozessmanagements
gelten,
• wie Unternehmen die Führungs-
funktionen praktisch umsetzen,
Ein Referenzmodell zu
Prozessmanagement
Leo Brecht und Daniel Schallmo, Universität Ulm
Prof. Dr. Leo Brecht
ist Direktor des Instituts
für Technologie- und
Prozessmanagement an der
Universität Ulm.
Bild 1: Das Re-
ferenzprozess-
modell
Führungssystem
Prozess-
manager
Führungsgrößen
Aufgabenkette
Af b
Aufgabe
Aufgabe
Aufgabe
Applikation Applikation
Datenbank Datenbank
Leistungen Leistungen
Informationssystem
Daniel Schallmo, MBA
ist Doktorand am Institut
für Technologie- und
Prozessmanagement an der
Universität Ulm.