L. Brecht u.a.: Ein Referenzmodell zu Prozessmanagement 17 © GITO-Verlag Prozessmanagement hat seinen Ursprung in der frühen Organisati- onslehre, wurde aber in den letzten zwei Jahrzenten systematisch weiter- entwickelt. Hieraus abgeleitet wird ein Referenzprozessmodell formuliert und das Wesen des Prozessmanagements anhand der drei Führungsfunktionen Prozessgestaltung, Prozesslenkung und Prozessentwicklung verdeutlicht. Als Reaktion auf unternehmerische Veränderungen, ausgelöst durch neue Kundenanforderungen, Konkurrenzdruck, Informationstechnik oder Kostendruck, konzentrieren sich seit Jahren die Un- ternehmen verstärkt auf ihre Wertschöp- fungsprozesse. Selbst in den indirekten Bereichen soll die Prozessorientierung die Leistungen transparenter und effektiver machen und die Führung vereinfachen. Scheer/Nüttgens/Zimmermann formulie- ren [1]: „Damit sich Organisationen den sich ändernden Marktanforderungen perma- nent anpassen können, dürfen keine Organisationsstrukturen zementiert wer- den. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass es keine festgefügten, optimalen Organisationsstrukturen ge- ben kann. Stattdessen müssen Methoden bereitgestellt werden, die diesen perma- nenten Wandel unterstützen.“ Exakt an dieser Stelle setzt Prozess- management an und unterstützt die prozessorientierte Unternehmenstransfor- mation. Das Objekt des betrieblichen Prozesses findet seine Vorläufer bereits in der frühen Organisationslehre [3, 4]. Die Definition des Prozesses kann entweder aus der Sicht der systemorientierten Or- ganisationslehre oder aus produktionsthe- oretischer Sicht durchgeführt werden. Im produktionstheoretischen Ansatz steht die Transformationsfunktion eines Prozesses im Mittelpunkt [5, 6] die systemorien- tierte Organisationslehre ermöglicht eine differenziertere Betrachtung der Bezie- hungen sowohl zwischen den Elementen der Organisation als auch zwischen einer Organisation und der die Organisation beeinflussenden Umwelt [7, 8]. Die Definition des betrieblichen Pro- zesses wollen wir aus diesen Elementen und den Beziehungen zwischen den Ele- menten eines Prozesses ableiten. Dies führt zur Definition eines Prozesses, die auf Arbeiten von Österle [9] zurückgeht. Im Folgenden wollen wir diese Definition als Referenz verstehen und legen fest: Ein Prozess ist eine Menge von Aufgaben, die in einer vorgegebenen Ablauffolge zu erledigen sind und durch Applikationen der Informationstechnik unterstützt wer- den. Seine Wertschöpfung besteht aus Leistungen an unternehmensinterne oder -externe Kunden. Der Prozess besitzt eine eigene Führung, die den Prozess im Sinne der Geschäftsstrategie anhand der daraus abgeleiteten Führungsgrößen lenkt und gestaltet. Ein Unternehmen konzentriert sich auf die wenigen Prozesse, die über ihre Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Hieraus wird erkenntlich, dass der Prozess durch vier Hebel beschrieben In diesem Beitrag lesen Sie: • welche Führungsfunktionen in- nerhalb des Prozessmanagements gelten, • wie Unternehmen die Führungs- funktionen praktisch umsetzen, Ein Referenzmodell zu Prozessmanagement Leo Brecht und Daniel Schallmo, Universität Ulm Prof. Dr. Leo Brecht ist Direktor des Instituts für Technologie- und Prozessmanagement an der Universität Ulm. Bild 1: Das Re- ferenzprozess- modell Führungssystem Prozess- manager Führungsgrößen Aufgabenkette Af b Aufgabe Aufgabe Aufgabe Applikation Applikation Datenbank Datenbank Leistungen Leistungen Informationssystem Daniel Schallmo, MBA ist Doktorand am Institut für Technologie- und Prozessmanagement an der Universität Ulm.