Fachthemen
18 © Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Stahlbau 82 (2013), Heft 1
DOI: 10.1002/stab.201201641
Integrale Planung mit Lebenszyklusperspektive für Büroneubauten ist eine Voraussetzung
auf der Prozessebene, um Nachhaltigkeit im Gebäudesektor umzusetzen. Dabei werden
Nutzungsänderungen, die im Zuge des Gebäudelebenszyklus auftreten können, bereits
im Entwurf berücksichtigt. Auf diese Weise soll eine Grundlage für den Erhalt und die
Weiterentwicklung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Ressourcen geschaffen
werden. In diesem Planungsprozess ist nicht nur die Bilanz für jede einzelne Dimension
zu optimieren, sondern auch die Gesamtbilanz, in der die Wechselwirkungen der Dimen-
sionen berücksichtigt werden. Der nachfolgende Beitrag veranschaulicht am Beispiel von
Bürogebäuden, wie die soziale Dimension die ökonomische Dimension beeinflussen kann,
und gibt damit einen Einblick in die Forschungsarbeit des Projekts „Nachhaltige Büro-
und Verwaltungsgebäude in Stahl- und Stahlverbundbauweise“ (P 881). Über den sozio-
technischen Systemansatz werden Bürogebäude als technisches Teilsystem identifiziert,
das signifikante Auswirkungen auf das soziale Teilsystem – die Nutzer hat. Als Ergebnis
der Analyse von Zukunftsstudien wird gezeigt, dass gegenwärtige und zukünftige Nutzer-
anforderungen Flexibilität als relevante Eigenschaft von Bürogebäuden der Zukunft be-
gründen. Schließlich wird eine Methode aufgezeigt, mit der Aussagen über die ökonomische
Vorteilhaftigkeit von flexiblen Gebäudestrukturen mit Stahl getroffen werden können.
Impact of requirements of users on the economic valuation of steel as construction
material for sustainable office buildings. The concept of integral design with life cycle
perspective is one precondition to implement sustainability in the building sector. Apply-
ing this method means to already include possible changes of use during the life cycle in
design processes. This approach helps to safeguard, sustain and develop environmental,
economic and social resources. In design processes of this kind, not only every single
dimension has to be optimized but also the interdependency between all three dimensions
as a whole. With reference to office buildings, the following article shows how the social
dimension can influence the economic one and provides with it an insight into the research
project “Sustainable office and administration buildings in steel and steel-composite
construction” (P 881). Using the sociotechnical system approach, it becomes obvious
that office buildings are technical subsystems which affect the social subsystem (user) –
and vice versa – significantly. Studies about future work and buildings point out that
flexibility is a key quality of office buildings to meet requirements of present and future
users. Finally, this article presents a method which enables investors to document the
profitability of flexible building structures made of steel constructions.
1 Einleitung
Geht man von dem gegenwärtigen
globalen, dreidimensionalen Nachhal-
tigkeitsleitbild aus, so sind im Allge-
meinen soziale, ökonomische und öko-
logische Kapitalstöcke zu schützen
und nachhaltig zu entwickeln. Dabei
sollen unterschiedliche Anspruchs-
gruppen in die nachhaltige Entwick-
lung einbezogen werden, um sowohl
innerhalb der gegenwärtigen als auch
für zukünftige Generationen eine ge-
rechte Verteilung von Ressourcen zu
erreichen [1]. Zur Umsetzung von
Nachhaltigkeitszielen im Bausektor
wurde in Deutschland das DGNB-Zer-
tifikat entwickelt. Zudem gibt es inter-
nationale Gebäudezertifikate, die auch
in diese Richtung stoßen und länger
etabliert sind, aber nicht durchgängig
alle drei Dimensionen berücksichtigen.
Meist dominiert die ökologische Di-
mension, weshalb diese Zertifikate
auch als Green-Labels bezeichnet wer-
den. Aber auch bei ihnen ist eine Öff-
nung zur ganzheitlichen Betrachtung
beobachtbar [2]. Trotz dieser Entwick-
lungen werden die Dimensionen
überwiegend gemäß dem klassischen
Drei-Säulen-Modell bei der Umset-
zung separat betrachtet, sodass Inter-
dependenzen zwischen ihnen oft un-
beachtet bleiben. Die Integrale Ge-
bäudeplanung ist ein Ansatz auf der
Prozessebene, um nicht nur jede Di-
mension einzeln zu optimieren, son-
dern auch in Bezug auf die Wechsel-
wirkungen ein optimiertes Gebäude
zu entwerfen.
Dieser Beitrag setzt an diesem
Punkt an und veranschaulicht am Bei-
spiel von Bürogebäuden, wie die soziale
Dimension die ökonomische Dimen-
sion beeinflussen kann. Den Ausgangs-
punkt dieser Überlegungen bildet
dabei der wirtschaftswissenschaftliche
Immobilienbegriff, der eine Untersu-
chung des Bürogebäudes aus einer
produktionstheoretischen und einer
investitionstheoretischen Perspektive
erlaubt. Auf dem produktionstheoreti-
schen Begriffsverständnis aufbauend
wird ein Zugang für eine soziotechni-
sche Systembetrachtung von Büroge-
bäuden geschaffen, aus der sich we-
sentliche Anforderungen von Büro-
nutzern ableiten lassen. Aus diesen
Anforderungen werden konstruktive
Implikationen für Bürogebäude erar-
beitet. Da Flexibilität in diesem Zu-
sammenhang eine der zentralen For-
derungen ist, wird im Anschluss eine
Methode aufgezeigt, die es erlaubt,
flexible Bürogebäude in Stahl- und
Stahlverbundbauweise gemäß dem
investitionstheoretischen Begriffsver-
ständnis von Bürogebäude auf ihre
Einfluss von Nutzeranforderungen auf die ökonomische
Bewertung von Stahl als Konstruktionswerkstoff für
nachhaltige Bürogebäude
Tino Baudach
Katharina Kokot
Volker Lingnau
Klaus J. Zink