Die Spitalapotheke als Herstellungsbetrieb Fakten und Zahlen Stefan Mühlebach und Enea Martinelli, Aaran, Schweiz Der Umfang der Steril- und Nichtsterilherstellung einer größeren Schweizer Kranken- hausapotheke, die für die Versorgung von 700 Betten eines Akutspitals zuständig ist, wird dargestellt und in der Entwicklung über fünf Jahre bewertet. Die Arzneimittel- herstellung stellt grundsätzlich eine wesentliche Komponente dar, um den pharmazeu- tischen Yersorgungsauftrag auch patientenorientiert (Arzneimittelsicherheit) zu erfül- len. Sie hat in den letzten Jahren in dieser Apotheke an Bedeutung zugenommen. Die Analysen zeigen, daß weniger als 10% des Sortimenls der Apothekenprodukte in glei- cher Art auf dem Markt erhältlich sind, während ütrer 80% (auch in ähnlicher Form) nicht erhältlich sind. Die Produktion in der Spitalapotheke erlaubt eine bedarfsgerech- te, flexible Bereitstellung pharmazeutischer Produkte, auch in außerordentlichen La- gen. Daneben ermöglicht sie, ein erhebliches Maß an Fachkenntnissen in Arzneimittel- technologie und Qualitätssicherung zu erwerben, die für die pharmazeutischen Aspek- te der Medikamentenselektion im Krankenhaus wesentHch sind. Anhand von Ijntersu- chungen mit der Teilkostenanalyse wird gezeigt, daß die Herstellung in Krankenhaus- apotheken ökonomisch vorteilhaft betrieben werden kann (nur 30 bis 70% der Geste- hungskosten von vergleichbaren Handelspräparaten). Deshalb kann eine Herstellung, in Ergänzung zum industriellen Angebot, sinnvoll in den Krankenhausapotheken- betrieb integriert werden und zeigt ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Schlüsselwörter: Herstellung in Krankenhausapotheken, Kosten-Nutzen-Analyse Manufacture of drugs in a hospital pharmacy In a 700 bed teaching hospital in Switzerland the extent of manufacture of sterile and non-sterile pharmaceutical products by the hospital pharmacy is presented and the de- velopment over the last 5 years is evaluated. Manufacture in hospital pharmacy not on- ly represents a mainstay for adequate hospital drug supply, but allows also to increase drug safety for the patient. The importance of manufacture has increased during the last years in the hospital pharmacy studied. Less than 10% of the products manufac- tured can be purchased commercially. In contrast, more than 80% of the products are not available, even if similar ones are accepted. Manufacture in a hospital pharmacy is helpful to provide pharmaceuticals on demand, even in extraordinary situations. In addition, a lot of pharmaceutical know-how in drug technology and quality assurance can be acquired by manufacturing practice. Such knowledge may be essential for the proper pharmaceutical selection of drugs. Using calculations of relevant costs it could be shown that manufacture was very cost-effective economically (only 30 - 70% of the prime cost of comparable commercial products). Therefore, in addition to the purchase of commercial drugs, manufacture of pharmaceuticals may be a reasonable and cost- effective activity in hospital pharmacies. Keywords: Manufacture in hospital pharmacies, cost effectiveness Statistische Daten &"ffiffi:ü+H-ä;-;#ä*Y;;#;ffi ; t;tF;}ä:ä;{*' Das Kantonsspital Aarau (KSA) ist ein öffentliches Krankenhaus mit Zentrumsfunktion für eine Region mit über 500000 Einwohnern. Als Ausbildungsklinik verftigt es über ei- ne moderne diagnostische, thera- peutische und operative Infrastruk- tur und beschäftigt über 200 Arzte oder andere Hochschulabsolventen. In der Krankenhausapotheke mit rund 1000 m2Betriebsfläche sind zur Zeit vier Apotheker über Planstellen und zwei weitere über Ausbildungs- respektive spezielle Projektstellen beschäftigt. Etwa 5"/" des Gesamtkostenaufwan- des dieses 700-Betten-Akutspitals werden für Medikamente und den Apothekenbetrieb aufgewendet, da- von über 80% als reiner Sachauf- wand. Im Spitalstellenplan entfallen 15 Personen oder etwa l"/" auf die Apotheke. Die Apotheke verfügt über eine amtliche Herstellungsbewilligung und die notwendige Infrastruktur, inklusive analytischer Einrichtun- ger,, zrtt Produktion von sterilen und nichtsterilen flüssigen, halbfesten und festen pharmazeutischen Präpa- raten. In Gestehungspreisen beläuft sich die Apothekenproduktion auf rund 13% des Lieferantenumsatzes oder etwa 6"/" (etwa 300000 Einhei- ten) gerechnet in Abgabeeinheiten. Das Produktionsvolumen oder Pro- duktionsgewicht beträgt etwa 10Y" des Gesamtauslieferungsvolumens, womit die Spitalapotheke in diesem Spital auch der bedeutendste Liefe- rant pharmazeutischer Produkte ist. Das pharmazeutische Angebot (Arz- neimittelliste) umfaßt rund 1100 Ar- tikel; etwa 157o stammen aus der Apothekenproduktion. Diese Zah- len stimmen in etwa mit den Ergeb- nissen einer im Jahr 1983 in 26 Schweizer Spitalapotheken gemach- ten Umfrage überein (Tab. 1) [1]. Insgesamt werden in der Spitalapo- theke des KSA rund 300 verschiede- ne Präparate mit validierten Herstel- lungsvorschriften in unterschiedli- chen Mengen und in stark schwan- kender Häufigkeit hergestellt. Dazu kommen rezepturmäßige Herstel- lungen. Die Chargengrößen variie- ren von individuellen Einzelanferti- gungen (parenterale Ernährwg, Zy- tostatikazubereitungen) bis zu meh- reren tausend Einheiten (sterile In- jektionspräp arate), angepaßt an den Bedarf und an die personellen und infrastrukturellen Gegebenheiten. Gründe für die Eigenproduktion Die Herstellung stellt neben dem Einkauf von Fertigprodukten eine unerläßliche oder ergänzende Mög- lichkeit dar, den pharmazeutßchen Versorgungsauftrag für das Spital zu erfüllen [2]. Die Verpflichtung zur Krankenhauspharmazie. 14. Jahrgang . Nr. 10 . 1993 443