21 María Aranda Alonso Die Kathedrale von Jaen Professor Karge ordnete die Kathedrale von Jaén in seinem Buch über Andalusien (Karge 2007, S. 94‐95) als eines der Gebäude der Renaissance außerhalb des italienischen Territoriums ein, in dem deutlicher beobachtet werden kann, dass Modelle der römischen Tradition angepasst wurden, um einen eigenen Stil zu bewirken. Verantwortlich für diese Schöpfung auf dem Gebiet des Kathedralbaus war der seinerzeit berühmte Architekt Andrés de Vandelvira, der im Jahr 1548 mit Jeronimo Quijano und Pedro Machuca an einer Vorstandssitzung teilnahm. Dieses Treffen hatte den Zweck die Bauarbeiten an der Kathedrale wieder aufzunehmen, die seit 1525 aufgrund des Einsturzes des Chores gestoppt wurden. Nach seiner Ernennung zum Dombaumeister im Jahre 1553 nahm Andrés eine Reihe von wesentlichen Änderungen vor, um das ursprüng‐ liche Projekt aus dem 15. Jh. an die neuen Renaissance‐Trends anzupassen. Die Verringe‐ rung der Anzahl der Schiffe von fünf auf drei war zweifellos eine der erfolgreichsten Entschei‐ dungen. Diese Änderung zusammen mit der geraden östlichen Stirnwand, einem Überrest aus der Anfangsphase des gotischen Projektes, erlaubten es den Grundriss (Abb. 1) an den Archetyp des rechteckigen toskanischen Tempels leicht anzupassen (Galera 2000, S. 107). Dieses Modell wurde von Cesare Cesariano in seiner Ausgabe von Vitruvs Buch 1521 abgebildet. Der Abriss der Mauer und des muslimischen Alcortán‐Turms in der Südostecke ermöglichte die Angliederung eines an der Stirnwand aus‐ gerichteten Baukörpers. In dessen Inneren wurden die Sakristei, der Kapitelsaal und die Krypta untergebracht. Diese Räume waren die einzigen, die Andrés zu Lebzeiten vollendet sah (ähnliche Raumannexe waren zuvor in anderen Kathedralen wie denjenigen in Sevilla oder in Granada hinzugefügt worden). Besonders beein‐ druckend sind in diesem Anbau die Monumen‐ talität des Raumes ebenso wie die Eleganz der Dekoration, dank der perfekten Kombination von elementaren Bauteilen wie Rundbögen und Säulen. Die zu diesem Anbau symmetrischen Räumlichkeiten, die den T‐Grundriss haben ent‐ stehen lassen, wurden erst im 18. Jahrhundert von Ventura Rodríguez angefügt. Die drei Schiffe der Kathedrale sind sehr harmonisch mit Hängekuppeln in allen Jochen überwölbt, mit Ausnahme der zwei Pendentif‐ kuppeln des Hauptschiffs (Abb. 2). Die sphärische Geometrie dieser von halbrunden Bögen be‐ grenzten Hängekuppeln erlaubt eine relativ einfache Gestaltung der Stützpfeiler: Diese be‐ stehen aus vier einem zentralen Vierkant vorgelegten Halbsäulen, die mit Sockel und Gebälk versehen sind. Dabei hat das Gebälk die Funktion, die Gewölbe auf eine höhere Lage zu heben, um die Geräumigkeit zu verbessern. Dies ist die Anpassung einer Hallenkirche an eine Lösung, die von Diego de Siloé in der noch basilikalen Kathedrale von Granada erstmals verwendet wurde. Mit dieser Anordnung konnte Andrés einen bemerkenswerten inneren Wandaufriss erzielen: Die Arkaden der seitlichen Kapellen, zwei pro Joch, stimmen zusammen mit den Balkonen der darüber liegenden Ebene mit der Höhe der Säulen überein. Das Balkongeschoss, dessen Aus‐ sehen eher von ziviler Architektur beeinflusst zu sein scheint, läuft um die ganze Kirche herum und wird nur durch die Capilla Mayor unterbrochen. Ein weiteres umlaufendes Element ist das Gebälk der Seitenwände, was zu einer Dominanz der horizontalen Linien im Aufriss führt. Schließlich gibt es in der Lünettenzone der Seitenwände, entsprechend der Höhe der Gewölbe, venezian‐ ische Fenster in Form so genannter Serlianen, durch die das Licht hereinfällt. Die Kathedrale von Jaén zeichnet sich jedoch nicht nur durch die Zusammensetzung all dieser Formen aus, sondern auch durch die Bauweise aus Stein. Während in Rom Gewölbe dieser Art meist durch Maurerarbeit ausgeführt wurden, war hier die Domäne des Steinschnittes un‐ erlässlich. Aus diesem Grund überrascht, dass