Jüdisches Alltagsleben im Mittelalter* Von Michael Toch Unsere Tagung soll mit der Vorstellung einer Reihe von archäologi- schen Projekten Fragen nach der Topographie jüdischer Wohngebiete und nach der jüdischen Alltagskultur im Mittelalter stellen. Meine Auf- gabe ist, die Tagung durch einen historischen Vortrag zu eröffnen, in dem die neueren Ergebnisse der historischen Forschung zu diesen The- menkomplexen vorgestellt und Fragen des Historikers an die Archäolo- gen formuliert werden. Dieser Aufgabe hoffe ich in zwei Abschnitten gerecht zu werden. Ein erster längerer Teil soll ein hauptsächlich von der Sozial- und Mentalitätsgeschichte genährtes Bild einiger mir zen- tral erscheinender Aspekte jüdischen Alltagslebens bringen. Im zwei- ten kürzeren Teil möchte ich einen Fragenkatalog des Historikers an die Archäologen vorlegen und zuletzt auf einige Chancen und Probleme aufmerksam machen. I. Für das tägliche Leben der Juden war ihr Dasein inmitten städtischer Siedlungen von fundamentaler Bedeutung. Über dieser grundlegenden * Vortrag gehalten am 30. November 2002 in Frankfurt am Main zur Eröffnung der Tagung „Jüdisches Alltagsleben im Lichte neuer archäologischer Funde", veran- staltet vom Jüdischen Museum Frankfurt, dem Museum Judengasse und dem Ar- chäologischen Museum Frankfurt. Ich danke den Herren Fritz Backhaus und Georg Heuberger dafür, daß sie einer Vorveröffentlichung zustimmten. Die Vortragsform wurde beibehalten. Nicht wenige der hier entwickelten Gedanken und Formulie- rungen finden sich bereits beiyvuronmlihgedcaYTMGBA Michael Toch, Die Juden im mittelalterlichen Reich. (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 44.) 2. Aufl. München 2003, 34-45. Für Quellenbelege und mit Ort bezeichnete Quellenzitate siehe die Ortseinträge in: Germania Judaica. Bd. 3: 1350-1519. T. 1-2. Hrsg. v. Arye Maimon, Mordechai Breuer, Yacov Guggenheim. Tübingen 1987-1995, sowie Bd. 3, T. 3, der in Kürze erscheint. Die Belege für andere Zitate finden sich in den Anmerkungen. Für einige Formulierungen habe ich Yacov Guggenheim (Jerusalem) zu danken.