Passive Entscheidung des Anderen in mir – Zur Frage der Entscheidung bei Jacques Derrida und Ernesto Laclau 1 S TEPHAN M OEBIUS In Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen, schreibt Derrida: „Eine Entscheidung (décision) müsste zerreißen oder aufschneiden – das ist es, was das Wort bedeutet –, und sie müsste infolgedessen den Rahmen des Möglichen sprengen. Jedes Mal wenn ich von ‚meiner Entscheidung‘ spreche, wenn ich sage ‚Ich entscheide‘, kann man sicher sein, dass ich mich täusche. Meine Entscheidung“, so Derrida weiter, Meine Entscheidung, – und ich weiß, dass dieser Satz für die klassische Logik inakzep- tabel ist –, meine Entscheidung müsste immer die Entscheidung des Anderen sein. Mei- ne Entscheidung ist in der Tat die Entscheidung des Anderen. Das dispensiert oder be- freit mich von keiner Verantwortung. Meine Entscheidung kann nie die meine sein, sie ist immer die Entscheidung des Anderen in mir, und in gewisser Weise bin ich in der Entscheidung passiv. (Derrida 2003: 44) Wenn Derrida in zahlreichen Büchern von einer notwendigen Entscheidung im Unentscheidbaren spricht, dann meint er eine so genannte „passive Entscheidung des Anderen in mir“. Was aber meint der Ausdruck „Passive Entscheidung des Anderen in mir?“ Was ist mit „Passivität“ gemeint? Wer oder was ist das „An- dere in mir“? Die Bezeichnung der Entscheidung als eine „passive Entscheidung des Anderen in mir“ bindet Derridas Entscheidungstheorie nicht nur an das Den- 1 Die folgenden Zeilen gehen zurück auf Überlegungen, die sich in anderen Form auch in meinem Buch „Die soziale Konstituierung des Anderen. Grundrisse einer poststrukturalistischen Sozialwissenschaft nach Lévinas und Derrida“ (Moebius 2003) finden. Allgemein zu Derrida vgl. Moebius/Wetzel (2005).