26 IDS SPRACHREPORT 2/2018 Einleitung Gebrauchsgegenstand, Streitschlich- ter, Spielzeug, Nationalsymbol, Ar- beitshilfe oder doch nur etwas, für das sich hauptsächlich Akademi- kerinnen und Akademiker interes- sieren? Welche Rolle spielen ein- sprachige Wörterbücher heute? Um unter anderen diesen Fragen nach- zugehen, koordinierten wir ge- meinsam mit Iztok Kosem (Univer- sität Ljubljana) und Robert Lew (Adam-Mickiewicz-Universität Poz- nań) die bis dato größte europawei- te Umfrage zur Wörterbuchbenut- zung und -kultur. Gemeinsam mit 26 ‚lokalen‘ Partnerinnen und Part- nern aus ganz Europa führten wir im Rahmen des European Network of e-Lexicography (ENeL) diese Um- frage durch. Die Ergebnisse der Studie versprechen neue Einsichten in den gesellschaftlichen Status von Wörterbüchern in vielen europäi- schen Ländern. 1 Durch die mög- lichst parallele Erhebung der Daten in den teilnehmenden Ländern wer- den außerdem interessante Verglei- che der lokalen ‚Wörterbuchkultu- ren‘ möglich sein. Im Fokus der Befragung standen allgemeine ein- sprachige Wörterbücher in der oder den jeweiligen Landessprache(n). Eine europaweite Befragung zu einsprachigen Wörterbüchern Das übergeordnete Ziel der Studie war es, Daten von möglichst vielen Menschen in ganz Europa zu erhe- ben, die den aktuellen Stand der Wörterbuchbenutzung und -kultur in den Befragungsländern wider- spiegelt. Uns war dabei besonders an der Einheitlichkeit der Studien- instrumente gelegen. Die Koordi- nationsgruppe erarbeitete 13 in- haltliche Fragen, die teilweise an existierender Forschung anknüpfen und möglichst einfach zu bearbei- ten sein sollten, sodass auch Men- schen, die nicht viel Hintergrund- wissen über einsprachige Wörter- bücher haben, diese gut beantwor- ten konnten. Hinzu kamen elf Fra- gen zu den Eigenschaften der Teil- nehmenden, wie: Alter, Geschlecht, Berufsgruppe, Sprachaffinität oder die Nutzung von digitalen Endge- räten. Die lokalen Partnerinnen und Part- ner, die in den teilnehmenden Län- dern vor Ort forschen, waren in der ersten Phase hauptsächlich für die Übersetzung der allgemeinen Fra- gen in ihre jeweilige(n) Landes- sprache(n) verantwortlich. Das Eu- ropean Network of e-Lexicography (ENeL) eignete sich hierbei sehr gut als Vernetzungs- und Kommunika- tionsplattform. Wir sind den ko- operierenden Forschenden äußerst dankbar, dass sie diese Aufgabe ausnahmslos in recht knapp bemes- sener Zeitspanne gemeistert haben. Nachdem die Übersetzungen unter Federführung des IDS in einen ge- meinsamen Online-Fragebogen in- tegriert wurden, halfen die lokalen Partnerinnen und Partner außer- dem dabei, die Studie in ihrem je- weiligen Land zu verbreiten. Dies hat – wie bei solch groß angelegten Studien erwartbar – von Land zu Land unterschiedlich gut funktio- niert. Die große Zahl an Teilneh- menden zeigt uns aber, dass dieses Vorgehen den Zielen unserer Stu- die angemessen war. Als Kompen- sation für ihre Unterstützung bei den Übersetzungen und der Ver- Carolin Müller-Spitzer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sascha Wolfer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Lexik am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Maria Ribeiro Silveira ist wissenschaftliche Hilfskraft in der Ab- teilung Lexik am Insti- tut für Deutsche Sprache in Mannheim. Iztok Kosem ist wis- senschaftlicher Mit- arbeiter an der Uni- versität Ljubljana und am Jožef-Stefan- Institut. Robert Lew ist Profes- sor für Anglistik an der Adam-Mickiewicz- Universität in Poznań. Carolin Müller-Spitzer / Maria Ribeiro Silveira / Sascha Wolfer / Iztok Kosem / Robert Lew EINE EUROPAWEITE UMFRAGE ZU WÖRTER - BUCHBENUTZUNG UND - KULTUR ERGEBNISSE DER DEUTSCHEN TEILNEHMENDEN breitung des Fragebogens boten wir den Partnerinnen und Partnern vor Ort die Gelegenheit, einen loka- len Teil des Fragebogens zu erstel- len. Dieser Teil sollte maximal fünf Fragen zu Wörterbüchern umfas- sen, die die Kooperationspartnerin- nen und -partner frei erstellen durf- ten. Diese Fragen wurden nicht in andere Sprachen übersetzt und nur den Teilnehmenden aus dem jewei- ligen Land präsentiert. DIE GEWINNUNG DER DEUTSCHEN STUDIEN- TEILNEHMER/-INNEN ERFOLGTE U. A. ÜBER SOZIALE UND UNIVERSI- TÄRE NETZWERKE In diesem Beitrag wollen wir die Ergebnisse der 479 Teilnehmen- den aus Deutschland vorstellen. Die Teilnehmenden wurden über unterschiedliche Kanäle akquiriert. Darunter befanden sich die Face- book-Präsenz des IDS und ver- schiedene Twitter-Profile. Außer- dem nutzten wir Mailing-Listen (beispielsweise der Universitäten Mannheim und Heidelberg sowie von Übersetzerinnen und Überset- zern) und verschiedene Blogs, um für die Teilnahme zu werben. Auch der Duden-Verlag half uns bei der Verbreitung der Studie, wofür wir uns herzlich bedanken möchten. Die Befragung lief vom 8. Mai bis zum 9. Juli 2017. In allen teilneh- menden Ländern zusammen haben fast 9.400 Menschen an der Studie teilgenommen. Erschienen in: Sprachreport Jg. 34 (2018) Nr. 2, S. 26-35