Einleitung
Bevor das Thema aus ernährungsphysiologischer Sicht betrach-
tet wird, ist festzuhalten, dass es sich bei der Bezeichnung „Su-
perfood“ um einen Marketingbegriff für Lebensmittel handelt,
welcher derzeit keiner besonderen behördlichen Regulierung
unterliegt. Die Bezeichnung eines Lebensmittels als Superfood
impliziert jedoch einen gesundheitlichen Nutzen durch dessen
Verzehr. Der Oxford Dictionary definiert ein Superfood als „ein
nährstoffreiches Lebensmittel, das als besonders förderlich für
Gesundheit und Wohlbefinden erachtet wird“ [1]. Demnach
handelt es sich um Lebensmittel mit einer hohen Dichte an Ma-
Superfoods im Fokus: Ein kritischer Blick auf Chiasamen und Co.
Focus on Superfoods: A Critical View on Chiaseeds and Co.
Autoren
Paula Kuchheuser
1
, Sonja Jost
2
, Marc Birringer
3
Institute
1 Hochschule Fulda, University of Applied Sciences,
Oecotrophologie; Gesellschaft für angewandte
Vitaminforschung e. V. (GVF), Geschäftsstelle
2 Hochschule Fulda, University of Applied Sciences,
Oecotrophologie; Hochschule Fulda, University of
Applied Sciences, Regionales Innovationszentrum
Gesundheit und Lebensqualität Fulda (RIGL-Fulda)
3 Hochschule Fulda, University of Applied Sciences,
Oecotrophologie; Hochschule Fulda, University of
Applied Sciences, Cluster Nachhaltige Lebensmittel-
Wirtschaft
Schlüsselwörter
Superfood, Ernährungstrends, Lebensmittelmarketing,
Lebensmittelsicherheit, nachhaltige Ernährung
Keywords
superfood, nutrition trends, food marketing, food safety,
sustainable nutrition
Bibliografie
Aktuel Ernahrungsmed 2021; 46: 36–40
DOI 10.1055/a-1209-2909
ISSN 0341-0501
© 2021. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG, Rüdigerstraße 14,
70469 Stuttgart, Germany
Korrespondenzadresse
Prof. Marc Birringer, Hochschule Fulda, University of Applied
Sciences, Cluster Nachhaltige Lebensmittel-Wirtschaft,
Leipzigerstraße 123, 36037 Fulda, Deutschland
marc.birringer@oe.hs-fulda.de
ZUSAMMENFASSUNG
Die Umsatzzahlen für sogenannte Superfoods sprechen für
eine erfolgreiche Vermarktung exotischer sowie auch altbe-
kannter Lebensmittel mit einem vermeintlich gesundheits-
förderndem Zusatznutzen. Obwohl es für den Begriff keine
rechtliche Definition gibt und die Produkte unterschied-
lichen lebensmittelrechtlichen Regulationen unterliegen,
haben sich Superfoods längst in den Regalen der Super-
märkte etabliert. Als Superfoods deklarierte Lebensmittel
zeichnen sich meist durch eine hohe Dichte an Makro-
und/oder Mikronährstoffen, insbesondere sekundären
Pflanzenstoffen, aus. Obwohl der implizierte Gesundheits-
nutzen von Produkten ohne autorisierte Health Claims
eher selten durch Studien belegt ist, beeinflussen die ange-
nommenen ernährungsphysiologischen Vorteile häufig die
Kaufentscheidung der Verbraucher*innen. Der Trend von
Superfoods gerät jedoch nicht nur bei aufgeklärten Ver-
braucher*innen durch Bedenken zur Lebensmittelsicher-
heit und Nachhaltigkeit exotischer Superfoods sowie das
Angebot heimischer Alternativen zunehmend in die Kritik.
ABSTRACT
Exotic and traditional food products with supposed health
promoting properties are successfully marketed under the
global trend of superfoods. Despite the absence of a legal
definition and differing regulation under European food
law, superfoods are well established in grocery stores. Pro-
ducts labelled as superfoods often exhibit high concentra-
tions of macronutrients and micronutrients. Though evi-
dence for actual health impacts is rather limited for pro-
ducts without authorised health claims, the assumed nutri-
tional benefits of superfoods are likely to influence the con-
sumers’ purchasing behaviour. In recent years, the global
superfood trend has increasingly been criticised as related
produces have raised concerns for food safety and sustain-
ability issues, highlighting the benefits of regional alterna-
tives.
Viewpoint
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Kuchheuser P et al. Superfoods im Fokus: … Aktuel Ernahrungsmed 2021; 46: 36–40 | © 2021. Thieme. All rights reserved.
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