ACTA UNIVERSITATIS LODZIENSIS FOLIA GERMANICA 13, 2017 Krystyna Radziszewska ENZYKLOPÄDIE DES LODZER GETTOS – EIN UNVOLLENDETES PROJEKT DES GETTO-ARCHIVS VON 1944 1 Der Gegenstand des vorliegenden Beitrags ist die Enzyklopädie des Lodzer Gettos, ein Text, der einmalig in der Holocaustliteratur ist. Zum besseren Ver- ständnis des Dokuments werden zuerst Hintergründe für seine Entstehung, Zeit und Raum, wo er verfasst wurde, kurz dargestellt Es handelt sich um das Lodzer Getto (1940–1944), das im Frühjahr 1940 in der besetzten Stadt Lodz, am 11. April 1940 in Litzmannstadt umbenannt, er- richtet wurde. Das Lodzer Getto war einerseits ein abhängiges, deutschen Be- satzungsbehörden völlig unterstelltes „Wohngebiet der Juden“, anderseits lebten in dieser Zwangsgemeinschaft fast 200 000 Menschen, die größtenteils in ihrer jüdischen Tradition verwurzelt waren, obwohl es unter ihnen auch solche gab, die im Herbst 1941 aus dem sogenannten „Alten Reich“ deportiert wurden und in vie- len Fällen mit der deutschen Kultur und Gesellschaft stark assimiliert waren Die Bewohner des Gettos waren von der übrigen Bevölkerung der Stadt abgegrenzt und von der Außenwelt abgeriegelt. Die Nachbarn des „Jüdischen Wohngebietes“ waren vor allem Volksdeutsche, was die Isolation noch verstärkte Die Organisa- tionsstruktur des Gettos war dreigeteilt und bestand aus der deutschen Gettover- waltung, der deutschen Polizeiaufsicht (Gestapo, Kripo, Schupo) und der jüdi- schen scheinbaren „Selbstverwaltung“. Von jüdischer Seite erfolgte der gesamte Geschäftsverkehr mit den deutschen Behörden über den als Judenältesten einge- setzten Chaim Mordechaj Rumkowski, dem befohlen wurde, durch einen Ord- nungsdienst im Getto Polizeigewalt auszuüben. Die jüdische Polizei wurde aber immer häufger für deutsche Zwecke herangezogen, beispielsweise im September 1942 als die Nazis Kinder, Kranke und ältere Menschen in das Vernichtungsla- ger Kulmhof deportiert hatten Der Älteste der Juden, auch Präses genannt, stand an der Spitze eines gut ausgebauten Verwaltungsapparates, der aus einem Netz * Dr. habil. Prof. UŁ, Krystyna Radziszewska, Universität Łódź, Institut für Germanistik, Pomorska 171/173, 90-236 Łódź. E-Mail: krystynarad@wppl 1 Umfangreiche Teile dieses Textes wurden in polnischer Sprache in: Radziszewska K., Wiatr E, Polit M, Walicki J, (red) Encyklopedia getta. Niedokończony projekt z archiwum getta, Łódź 2014 gedruckt. http://dx.doi.org/10.18778/1427-9665.13.10