Zentralblatt für
Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz
und Ergonomie
Originalien
Zbl Arbeitsmed
https://doi.org/10.1007/s40664-019-00373-7
© Der/die Autor(en) 2019
Anika D. Schulz
1
· Johannes Wendsche
2
· Andrea Lohmann-Haislah
3
·
Ina Schöllgen
1
1
FB 3 Arbeit und Gesundheit, Gruppe 3.4 Mentale Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit,
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin, Deutschland
2
FB 3 Arbeit und Gesundheit, Gruppe 3.6 Betriebliche Intervention und Transfer, Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Dresden, Deutschland
3
FB 3 Arbeit und Gesundheit, Gruppe 3.5 Psychische Belastungen, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin, Deutschland
Erholungsbeeinträchtigungen
bei Beschäftigten
Ergebnisse einer Repräsentativbefragung in
Deutschland
Eine ausreichende Erholung von
der Arbeit ist unabdingbar, um ar-
beitsbedingte beeinträchtigende
Beanspruchungsfolgen abzubauen.
Sie beugt damit nicht nur Ermü-
dungs- und Erschöpfungssympto-
men vor, sondern sichert gleichzeitig
die Leistungsfähigkeit der Beschäf-
tigten. Nicht allen Personen gelingt
es jedoch, sich ausreichend von der
Arbeit zu erholen.
In unserem Leben wechseln sich Phasen
der Arbeit und der Erholung polyrhyth-
misch ab [18]. Arbeit und Erholung ste-
hen dabei in einer wechselseitigen Bezie-
hung zueinander. Insbesondere hohe Ar-
beitsanforderungen und gleichzeitig ge-
ringe Handlungsspielräume scheinenmit
Erholungsbeeinträchtigungen assoziiert
zu sein [7]. Ausreichende Erholung ge-
winnt auch vor dem Hintergrund im-
mer flexibler gestalteter Arbeit und ver-
schwimmender Grenzen zwischen Ar-
beits- und Privatleben im Zuge der Di-
gitalisierung an Bedeutung.
Erholungsschwierigkeiten können
unterschiedliche Formen annehmen.
Diese reichen von anhaltender mentaler
und kardiovaskulärer Aktivierung nach
Arbeitsende über Probleme beim ge-
danklichen Abschalten am Feierabend
bis hin zu gestörtem Nachtschlaf [8].
Kurzfristig geht dies mit akuter Ermü-
dung einher, die sich jedoch bei länger
bestehenden Erholungsproblemen lang-
fristig akkumulieren kann. Die Folge
sind chronische körperliche und men-
tale Gesundheitsbeeinträchtigungen [3].
Demzufolge wird eine beeinträchtigte
Erholung auch als Frühindikator für die
Entwicklung drohender Gesundheits-
einschränkungen betrachtet [9].
Bisher ist nicht geklärt, wie stark
Erholungsschwierigkeiten bei Beschäf-
tigten in Deutschland verbreitet sind
und ob bestimmte Beschäfigtengrup-
pen besonders betroffen sind. In diesem
Beitrag wird deshalb überblicksartig die
Prävalenz von Erholungsbeeinträchti-
gungen bei Beschäfigten anhand re-
präsentativer Daten vorgestellt. Hierbei
werden auch bestimmte als abträglich
für die Erholung diskutierte Beschäf-
tigungsmerkmale berücksichtigt [17].
Außerdem wird untersucht, ob Perso-
nen spezifischer Berufsgruppen stärker
mit Erholungsproblemen konfrontiert
sind und welche Zusammenhänge mit
der Arbeitsfähigkeit und der mentalen
Gesundheit von Beschäfigten existieren.
Methodik
Stichprobe
Die hier vorgestellten Auswertungen be-
ruhen auf Daten der ersten Erhebungs-
welle der Studie zur Mentalen Gesund-
heit bei der Arbeit (S-MGA). Es han-
delt sich dabei um eine Repräsentativbe-
fragung sozialversicherungspflichtig Be-
schäfigter im Alter von 31 bis 60 Jah-
ren in Deutschland. Die Studie wurde
von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin veranlasst und zu-
sammen mit dem Institut für Arbeits-
markt- und Berufsforschung sowie dem
infas Institut für angewandte Sozialwis-
senschaf GmbH von November 2011 bis
Juni 2012 durchgeführt. Hierbei wurden
4511 Erwerbstätige befragt. Die Stich-
probe beinhaltet Vollzeit- und Teilzeit-
beschäfigte sowie Mini- und Midi-Job-
ber. Da sich die hier untersuchten Fra-
gestellungen stets auf den Arbeitskontext
beziehen,wurdenfürdieAnalysenPerso-
nen ausgeschlossen, deren Status sich in
der Zeit zwischen der Stichprobenrekru-
tierung und der Datenerhebung auf ar-
beitslos, arbeitssuchend, längere Krank-
meldung oder Ruhestand geändert hatte.
Damit beläuf sich die den Auswertungen
zugrunde liegende Stichprobe auf 4201
Befragte. Das Geschlechterverhältnis war
hierbei nahezu ausgeglichen (2105 Frau-
en, 2096 Männer). Weitere Details zum
Studiendesign und zur Stichprobenzie-
hung der S-MGA sind dem dazugehöri-
gen Kohortenprofil zu entnehmen [12].
Datenerhebung
Die S-MGA wurde mithilfe von com-
putergestützten persönlichen Interviews
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