HAUPTBEITRÄGE
https://doi.org/10.1007/s11614-018-0299-5
Österreich Z Soziol (2018) (Suppl 1) 43:37–63
Benennungsmacht und Vokabular der EU-Governance
Zur symbolischen Macht der europäischen Forschungsförderung
Sebastian M. Büttner · Steffen Mau · Katharina Zimmermann ·
Ole Oeltjen
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018
Zusammenfassung Die Frage nach der Macht und nach dem tatsächlichen poli-
tischen Einfluss der Europäischen Union (EU) wird immer wieder kontrovers dis-
kutiert. In der einschlägigen Forschungsliteratur findet man dazu sehr unterschied-
liche Einschätzungen. In diesem Beitrag wird im Anschluss an Pierre Bourdieus
Konzeption von „symbolischer Macht“ eruiert, wie in der Europapolitik über För-
derprogramme bestimmte politische Konzepte und Programmatiken vermittelt und
durchgesetzt werden. Es wird gezeigt, dass es bei der Vergabe der finanziellen Res-
sourcen und bei der Projektumsetzung vor allem auf die richtige Ausdrucksweise
und auf die Beherrschung der Regeln des Sprachspiels „EU-Förderung“ ankommt.
Diese spezielle „Benennungsmacht“ (Bourdieu), so unsere These, stellt eine zen-
trale Machtressource der Europäischen Union dar. Am Beispiel von Programmaus-
schreibungen aus dem Bereich „Gesellschaftliche Herausforderungen“ des aktuel-
len EU-Forschungsrahmenprogramms „Horizon 2020“ wird das spezifische Markt-
und Wettbewerbsvokabular der EU-Forschungsförderung verdeutlicht. Basierend auf
S. M. Büttner ()
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Soziologie, Universität Duisburg-Essen,
Lotharstr. 65, 47057 Duisburg, Deutschland
E-Mail: sebastian.buettner@uni-due.de
S. Mau · K. Zimmermann · O. Oeltjen
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Sozialwissenschaften,
Lehrbereich Makrosoziologie, Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10099 Berlin,
Deutschland
S. Mau
E-Mail: steffen.mau@hu-berlin.de
K. Zimmermann
E-Mail: katharina.zimmermann@hu-berlin.de
O. Oeltjen
E-Mail: ole.oeltjen@hu-berlin.de
K