504 WIRTSCHAFTSINFORMATIK 6 | 2008 WI – SCHLAGWORT Business Process Modeling Notation DOI 10.1007/s11576-008-0096-z 1 Einführung Die Business Process Modeling Notation (BPMN) liefert einen Standard zur gra- phischen Beschreibung von Geschäftspro- zessen. Der Standard wird von der Object Management Group (OMG) gepflegt und hat insbesondere im internationalen Raum eine erhebliche Aufmerksamkeit erlangt (Finkelstein 2005, S. 14). Der Namensbestandteil „Notation“ ist inso- fern irreführend, als dass die BPMN nicht nur ein System von Zeichen und Sym- bolen zur visuellen Repräsentation von Geschäftsprozessen beinhaltet, sondern auch Vorgaben zur Bedeutung und zur Verwendung der Zeichen und Symbole unterbreitet. Folglich ist die BPMN als eine Modellierungssprache zu verstehen. Hauptmotivation für die Entwicklung der BPMN war es, die unterschiedlichen Sprachen zur Geschäftsprozessmodellie- rung zu vereinheitlichen und so eine ein- zige, standardisierte Sprache zur Beschrei- bung von Geschäftsprozessen zur Verfü- gung zu stellen. Bei der Entwicklung der BPMN wurden unter anderem Aktivi- tätsdiagramme der Unified Modeling Lan- guage (UML), IDEF, ebXML BPSS, Roset- taNet und ereignisgesteuerte Prozessket- ten (EPK) explizit berücksichtigt (White 2004, S. 9). Darüber hinaus wollten die Entwickler der BPMN eine Prozessbeschreibungs- sprache schaffen, die es nicht nur ermög- licht, Prozessmodelle für den Fachanwen- der zu beschreiben, sondern die auch eine automatisierte Transformation fachlicher in technische Prozessmodelle unterstützt. Auf diesem Weg können Entwicklungs- fehler vermieden und die Anwendungs- entwicklung beschleunigt werden. Die BPMN wurde seit Anfang der 2000er-Jahre von der Business Process Management Initiative Notation Working Group (BPMI) unter der Führung von St. A. White, einem IBM-Mitarbeiter, entwi- ckelt und 2004 erstmalig in der Version 1.0 vorgestellt. Im Jahr 2005 wurde die BPMI in die OMG integriert, wobei nur 2 Pro- zent der BPMI-Mitgliedsorganisationen das Standardisierungskonsortium ver- lassen haben. Die Arbeiten werden in der OMG vom BPMI Steering Commitee über- wacht und im Rahmen der Business Mode- ling & Integration (BMI) Domain Task Force (DTF) weiterentwickelt. Die aktuelle Version 1.0 der BPMN wurde im Jahr 2006 von der OMG verabschiedet. Zurzeit wird an einer umfassenden Überarbeitung des Standards gearbeitet, der in einer BPMN 2.0 münden soll (siehe Tab. 1 ). 2 Wesentliche Konzepte Bei der Modellierung von Geschäftspro- zessen mit der BPMN stehen sogenannte Geschäftsprozessdiagramme (Business Process Diagram) im Mittelpunkt der Betrachtung. Bild 1 visualisiert ein exemp- larisches Geschäftsprozessdiagramm, das einen Ausschnitt aus einem Auftrags- prozess verdeutlicht. Ein Geschäftspro- zessdiagramm erinnert an klassische Flussdiagramme, wobei eine Reihe von speziellen Objekten zur Beschreibung von Geschäftsprozessen angeboten werden. Bild 2 gibt einen Überblick über die Kern- konzepte der BPMN (OMG 2006, S. 16): j Flussobjekte: Mithilfe von Flussob- jekten kann der Ablauf eines Geschäfts- prozesses beschrieben werden. Kon- zepte zur Beschreibung des Ablaufes sind Aktivitäten, Ereignisse und Kon- nektoren. Aktivitäten beschreiben Auf- gaben, die von einem Unternehmen zu erledigen sind. Ereignisse können den Beginn oder das Ende einer Aktivität bzw. eines Prozesses anzeigen. Über Konnektoren werden Entscheidungs- alternativen im Prozessablauf model- liert. j Verbindungsobjekte: Beziehungen zwischen verschiedenen Flussobjekten werden in einem Geschäftsprozessdi- agramm mithilfe von Verbindungsob- jekten definiert. Verbindungsobjekte sind Sequenzfluss, Nachrichtenfluss und Assoziation. Ein Sequenzfluss definiert eine zeitliche Ablaufreihen- folge zwischen Aktivitäten. Ein Nach- richtenfluss beschreibt einen Kommu- nikationskanal zwischen Aktivitäten unterschiedlicher Prozessbeteiligter, über den Nachrichten ausgetauscht werden. Assoziationen werden benö- tigt, um zusätzliche Informationen an Flussobjekten anzubringen. j Swimlanes: Swimlanes erlauben es, Flussobjekte in unterschiedlichen Gruppen anzuordnen. Dabei werden sogenannte Pools und Lanes als zwei Arten von Swimlanes unterschieden. Mithilfe eines Pools wird ein in sich abgeschlossener Prozess beschrieben, der typischerweise innerhalb einer Organisation abläuft. Dagegen wer- den Lanes dafür genutzt, Aktivitäten innerhalb verschiedener Funktionsbe- reiche eines Unternehmens zu gruppie- ren. Während Sequenzflüsse nur Akti- vitäten innerhalb eines Pools miteinan- der verbinden, darf der Nachrichten- fluss nur Aktivitäten verschiedener Pools verbinden. j Artefakte: Mithilfe von Artefakten können kontextspezifische Beson- derheiten eines Geschäftsprozesses beschrieben werden. Diese umfassen Datenobjekte, Gruppen und Annota- Der Autor Dr. Peter Fettke Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) Stuhlsatzenhausweg 3 66123 Saarbrücken Deutschland Peter.Fettke@iwi.dfki.de Eingereicht am 2008-02-20, nach einer Überarbeitung angenommen am 2008-08-27 durch Prof. Dr. Sinz. Tab. 1 Historie der BPMN Jahr Version Kommentar 2000 Beginn der Standardisierungs- bestrebungen 2004 1.0 (Entwurf ) Einreichung bei der OMG 2006 1.0 Verabschiedung der Fassung 2008 (?) 2.0 Vorschlag für diverse Erweiterungen