187 4. HYDROLOGISCHE VERÄNDERUNGEN IN HOCHGEBIRGEN Der Klimawandel wird in den Hochgebirgen zu massiven hydrologischen Veränderungen führen. Dabei können Fließ- und Stehgewässer im Hochgebirge (Kap. 4.1) als Frühwarnsy- stem für Umweltveränderungen dienen, weil sie auf Veränderungen im Einzugsgebiet und in der Atmosphäre äußerst empfndlich reagieren. Der Wandel des alpinen Graslandes in den Alpen führt zu tief greifenden Veränderungen im Bewuchs und in der Folge zu einer Ge- fährdung der Bodenstabilität durch Landnutzungsänderungen und den Klimawandel (Kap. 4.2). Die Abfüsse aus Gletschern und der Schneedecke werden sich kurzfristig verstärken, mittel- bis langfristig aber deutlich verringern und jahreszeitlich verlagern. Auf diese As- pekte gehen die Kap. 4.3 und 4.4 ein, die an zwei Beispielen aus Indien und Nepal (4.3) die generellen Zusammenhänge und spezifschen Aspekte der hydrologischen Prozesse und der sozioökonomischen Entwicklungen diskutieren; die Bedeutung von Hochgebirgen am Beispiel der Anden in Peru und der Sierra Nevada in Kalifornien werden in Kap. 4.4 erörtert. Während in Peru das starke Abschmelzen der Gletscher die Wasserversorgung gefährdet, bereitet in Kalifornien der Rückgang des Schneefalls und als Folge die Bewässerung in der Landwirtschaft, aber auch die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung große Probleme. 4.1 Hochgebirgsgewässer im Wandel Heike Zimmermann-Timm, Deep Narayan Shah & Ram Devi Tachamo Shah Gewässer im Hochgebirge gelten als Extremlebensräume. Die chemische Zusammensetzung des Wassers wird in erster Linie von der Geologie und der chemischen Zusammensetzung der atmosphärischen Niederschläge bestimmt. Ein sich änderndes Klima, das sich in höheren Temperaturen, sich ändernden Niederschlagsmu- stern, höheren Verdunstungsraten und neuartigen atmosphärischen Mustern manifestiert, wird die Wasserver- fügbarkeit und den regionalen Wasserhaushalt verändern. Dies wird auch die Rolle von Schnee und Eis im Wasserhaushalt erheblich beeinflussen. Hochgebirgsgewässer eignen sich gut für die Untersuchung global wirksamer Prozesse, da sie über der Waldgrenze liegen, meist keinem direkten menschlichen Eingriff ausge- setzt sind, eine geringe Biodiversität und relativ einfache Nahrungsnetze aufweisen, und auf Veränderungen im Einzugsgebiet sowie in der Atmosphäre äußerst empfindlich reagieren. Sie stellen ein Frühwarnsystem für Umweltveränderungen dar. Changes in high-mountain water bodies: High-mountain water bodies are considered extreme habitats. The chemical composition of water is primarily determined by the geology and chemical composition of atmosphe- ric precipitation. A changing climate which manifests itself in higher temperatures, changing precipitation patterns, higher evaporation rates, and new atmospheric patterns will change the water availability and the regional water balance. This will also significantly change the role of snow and ice in the water balance. High-mountain water bodies are well suited for the study of processes with a global impact because they are above the forest line, not exposed to direct human intervention, and have low biodiversity and relatively simple food webs. They are known to be extremely sensitive to changes in the catchment area and in the atmosphere. Mountain water bodies represent an early warning system for environmental changes. H ochgebirgsgewässer sind solche Steh- und Fließ- gewässer, die oberhalb der Waldgrenze, in der alpinen Region, gelegen sind, wobei diese von der geographischen Lage und der Höhe abhängt. In den Tropen reicht die Waldgrenze bis über 4.200 m, in meridional-kontinentalen Gebirgen (z.B. Rocky Moun- tains) bis etwa 3.500 m, sinkt in der gemäßigten Zone (z.B. Alpen: Zentralbereich bis 2.220 m, Randalpen bis 1.900 m) und in der Arktis bis zum Meeresspiegel ab (Körner 1995). Die globale Verbreitung der alpinen Gebiete (5,7 × 10 6 km 2 ) ist asymmetrisch, der Großteil ist auf der Nordhalbkugel. 23% sind arktisch-subantarktische, 32% kalt-gemäßigte und 29% warm-gemäßigte alpine Systeme. Nur 16% der alpinen Region fnden sich in subtropischen und tropischen Gebieten. Gewässer im Hochgebirge gelten als Extremlebens- räume. Die chemische Zusammensetzung des Wassers wird von der Geologie und der chemischen Zusammen- setzung der atmosphärischen Niederschläge bestimmt. Aus: Lozán J. L., S.-W. Breckle, H. Escher-Vetter, H. Graßl, D. Kasang et al. (Hrsg.). Warnsignal Klima: Hoch- gebirge im Wandel. Online: www.warnsignal-klima.de. - Hochgebirge (zum Zitieren - siehe letzte Seite unten).