1 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17 1 Problem: Talentscreening und Talentorientierung Die Zukunft des Leistungssports in Deutsch- land hängt neben vielen anderen Faktoren auch von einer wissenschaftlich fundierten und im Feld des Nachwuchsleistungssports (ökolo- gisch) validen Sichtung und Sportartorientie- rung von Talenten ab. Mit diesem Ziel wurde im Rahmen des Fuldaer Bewegungs-Check 2010-2016 (im Folgenden: FBC) auf der zwei- ten Klassenstufe eine vielseitige motorische Talentdiagnose (talent screening) mit Hilfe von allgemeinen Testverfahren durchgeführt. Mit Hilfe des Deutschen Motorik-Tests 6-18 (Bös & Schlenker, 2016) sowie ergänzend Ballweit- wurf, Komplexer Reaktionslauf, Handkrafttest plus Körperhöhe und -gewicht (im Folgenden: DMT+) wird eine Sportartempfehlung (talent orientation) erstellt und den Kindern zusammen mit ihren Testergebnissen übermittelt. Basis der Sportartempfehlung ist eine aus dem Verhältnis von individuellem Stärken-Schwächen-Profl und sportartspezifschen Anforderungsprof- len abgeleitete Talentprognose. Ziel des vorlie- genden Forschungsprojekts war es, das Modell der Talentidentifkation (im Folgenden: TID) und Talentprognose aus konzeptioneller und methodischer Sicht zu validieren. Das umfas- sende Validitätskonzept (Abb. 1) und die kon- kret vorgeschlagenen Prüfschritte ermöglichen es, die Treffsicherheit, Wirksamkeit und Nütz- lichkeit von Bewegungs-Checks in der Grund- schule zu evaluieren (Hohmann, Fehr, Siener & Hochstein, im Druck). Dabei geht es nicht alleine im engeren Sinne um die Basisvoraussetzun- gen der inhaltlichen und kriterienbezogenen Validität der Testung an sich, sondern in einem umfassenderen Verständnis auch um die (mit der Validität eng verwandten) Nebengütekri- terien Testökonomie, Zumutbarkeit, Nützlich- keit sowie schlussendlich der gesellschaftlichen Akzeptanz (Moosbrugger & Kelava, 2012). Evaluation eines Modells zur Talentidentifkation im Grundschulalter (AZ 070504/14-15) Andreas Hohmann (Projektleitung), Ulrich Fehr, Maximilian Siener & Stefan Hochstein Universität Bayreuth, Institut für Sportwissenschaft Abb. 1: Struktur der Validität und Nebengütekriterien der Talentsichtung und Talentorientierung