66 · BUCHBESPRECHUNGEN ZHWB · Zeitschrift Hochschule und Weiterbildung · 2017 (2) Policy Analysis of Structural Reforms in Higher Education Harry De Boer, Jon File, Jeroen Huisman, Marco See- ber, Martina Vukasovic & Don Westerheijden (Hrsg.). (2017), Policy Analysis of Structural Reforms in Higher Education. Processes and Outcomes. Basings- toke: Palgrave Macmillan. 303 Seiten, 96,29 Euro (Hardcover), ISBN: 978-3-319-42236-7. Dass Hochschulen gegenwärtig einer Vielzahl von wach- senden Anforderungen und sich wandelnden Erwartungen ausgesetzt sind, zeigen die letzten Jahre deutlich. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene sind eine Fülle an Initiativen im Hochschulbereich lanciert worden, um inter- national wettbewerbs- und anschlussfähig zu sein, exzellente Forschung zu betreiben und Qualität zu sichern. Es sind diese Art von Initiativen und Strukturreformen, die der vorliegen- de Sammelband Policy Analysis of Structural Reforms in High- er Education. Processes and Outcomes kritisch unter die Lupe nimmt und komparativ mit Blick auf Prozesse, Reformerfol- ge und Gelingensfaktoren analysiert. Der Sammelband fußt auf den Ergebnissen einer EU-kom- missionierten Studie zu europäischen Strukturreformen, die von einem internationalen Konsortium durchgeführt wurde. Ausgehend von einer systematischen Literaturstudie (betrachteter Zeitraum 1990-2010), die leider nicht Gegen- stand der Publikation ist, identifizieren die Autor_innen prototypische Strukturreformen, die fallstudienartig mit- tels Dokumentenanalysen und, im Sinne einer Triangulati- on, um Experteninterviews ergänzt werden. Der vorliegende Sammelband präsentiert, der Logik des „Policy Stage Model“ folgend, systematische Einblicke zu elf europäischen Struk- turreformen hinsichtlich Genese, Prozess des „Agenda Set- ting“, Politikgestaltung, Implementierungsphase sowie der Evaluationsphase, stets unter Berücksichtigung der beteilig- ten Akteure. Die Fallstudien bilden das Herzstück des Sam- melbands und den Autor_innen gelingt es mittels einer sys- tematischen und mikroskopischen Betrachtung ein besseres Verständnis zum Ablauf von Reformprozessen zu vermitteln. Die Autor_innen klassifizieren drei Arten von Struktur- reformen, die als analytische Trias zur Einordnung der Fallstudien und Strukturierung des Sammelbands dienen. Der erste Teil des Buches betrachtet horizontale Differen- zierungsprozesse, d.h. Reformen, die auf eine funktionale Differenzierung innerhalb des Hochschulsystems abzielen (horizontal differentiation processes). Hierfür bedienen sich die Autor_innen an Beispielen aus Österreich (Gründung der Fachhochschulen), Kroatien (Gründung von Institutionen für weiterbildende Studiengänge), Niederlande (Stärkung Buchbesprechungen der Forschungsorientierung von Fachhochschulen), Norwe- gen (Statusanpassung von Hochschulen) und Polen (privater Hochschulsektor). Der zweite Teil des Buches betrachtet Re- formen, die zu einer vertikalen Differenzierung, d.h. zu ei- ner Performanz-, Prestige- bzw. Qualitätssteigerung führen sollen (vertical differentiation processes). Neben Dänemark (Forschungsfinanzierung) werden auch Initiativen zur Stär- kung der Forschungsexzellenz in Frankreich und in Spanien analysiert. Der dritte Teil des Sammelbands adressiert Re- formen, bei denen eine Kooperation zwischen Hochschulen im Fokus steht (institutional relationships). Die Autor_innen verweisen beispielhaft auf Strukturreformen in Finnland (Universitätszusammenschlüsse), Flandern (Kooperationen zwischen University Colleges und Universitäten) und Wales (Universitätszusammenschlüsse). Obwohl die Autor_innen einschränken, dass die Typolo- gie nicht immer eine eindeutige Klassifikation zulässt und Strukturreformen verschiedene Ziele verfolgen können bzw. auch so genannte ‚unintended outcomes‘ mit sich bringen können, sind die Kriterien für eine Trias-Zuordnung nicht stringent nachvollziehbar. Beispielsweise zielt die norwegi- sche Reform explizit auf eine Effizienz- und Qualitätsstei- gerung, also eine vertikale Differenzierung ab, bedient sich hierfür jedoch an Instrumenten, die eine strategische Posi- tionierung, also eine horizontale Differenzierung der Hoch- schulen erreichen sollen. Eine ähnliche Anmerkung lässt sich für Polen formulieren. Eine Bestimmung eindeutiger Kriterien für eine Trias Zuordnung (Ziele vs. Instrumente) würde das analytische Raster vervollständigen. Die sich anschließende komparative Reflexion der Fallstu- dien nähert sich der Frage nach Gelingensbedingungen für Strukturreformen und extrahiert diese aus den vorliegen- den Erkenntnissen. So werden unter anderem neben der konsequenten Einbeziehung wesentlicher Stakeholder auch finanziell unterstützende Instrumente sowie die Bedeutung von Konsens bzw. Schaffung einer win-win Situation als es- sentielle Faktoren für den Erfolg einer Strukturreform im Hochschulsystem benannt. Die Autor_innen diskutieren die Anschlussfähigkeit ihrer Ergebnisse an den „State of the Art“, obgleich dieser Teil noch etwas systematischer und ausführ- licher hätte erfolgen können. Abschließend lässt sich festhalten, dass die vorliegende Pub- likation, durch den hohen Detailgrad der Fallstudien, einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis von nationalen Hochschulsystemen im Allgemeinen sowie den ausgewähl- ten Systemen im Speziellen leistet. Die Autor_innen präsen- tieren eindrucksvoll die verschiedenen Prozessstufen und Dynamiken, die eine Reform durchläuft und schaffen es kritische Punkte und Faktoren herauszukristallisieren, die brought to you by CORE View metadata, citation and similar papers at core.ac.uk provided by Zeitschrift Hochschule und Weiterbildung (ZHWB - Universität Bielefeld)