Friedemann M et al. Ciguatera oder wieso ... Fortschr Neurol Psychiatr 2017; 85: 611–615
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Kasuistik
Ciguatera oder wieso bei der Kälteallodynie nach dem
Fischverzehr gefragt werden sollte
Ciguatera or why you should enquire about
fsh consumption in cases of cold allodynia
Autoren
Miriam Friedemann
1
, Claus Doberauer
2
, Gereon R. Fink
3,4
, Lothar Burghaus
5
Institute
1 Bundesinstitut für Risikobewertung
2 St. Franziskus-Hospital Köln, Klinik für Innere Medizin
3 Klinik und Poliklinik fur Neurologie, Uniklinik Köln
4 Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM 3),
Forschungszentrum Jülich
5 Heilig Geist-Krankenhaus Köln, Klinik für Neurologie
Schlüsselwörter
Ciguatera, Ciguatoxin, Fischvergiftung, Neurotoxin,
Kälteallodynie
Key words
ciguatera, ciguatoxin, fsh poisoning, neurotoxin, cold
allodynia
eingereicht 23.01.2017
akzeptiert 11.08.2017
Bibliografe
DOI https://doi.org/10.1055/s-0043-118336
Fortschr Neurol Psychiatr 2017; 85: 611–615
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
ISSN 0720-4299
Korrespondenzadresse
Dr. Lothar Burghaus
Heilig Geist-Krankenhaus Köln, Klinik für Neurologie
Graseggerstrasse 105
50737 Köln
Tel.: 022174918421
Fax: 022174918912
E-Mail: lothar.burghaus@cellitinnen.de
ZUSAMMENFASSUNG
Ciguatoxine sind potente, von Mikroalgen produzierte, ma-
rine Biotoxine, die sich in tropischen Raubfschen, lokal und
saisonal unterschiedlich stark, anreichern können. Kurze Zeit
nach dem Fischverzehr treten gastrointestinale, neurologische
und/oder kardiovaskuläre Vergiftungssymptome auf. Durch
die hohe Afnität der Toxine zu neuronalen Natriumkanälen
sind neurologische Symptome für Ciguatera-Vergiftungen
charakteristisch. Nahezu pathognomonisch ist dabei die Käl-
teallodynie, bei der kalte Oberfächen als heiß, schmerzhaft
oder extrem unangenehm empfunden werden. Durch Importe
von Tropenfsch tritt Ciguatera zunehmend auch in gemäßigten
Klimazonen auf. Wir erläutern anhand zweier Fälle die Beson-
derheiten dieser Fischvergiftung.
ABSTRACT
Ciguatoxins (CTX) are potent marine biotoxins produced by
microalgae, which may accumulate seasonally, and which are
locally variable in tropical predatory fsh. Gastrointestinal, neu-
rologic and/or cardiovascular symptoms occur shortly after the
consumption of fsh. Due to the high afnity of CTX to neuronal
sodium channels, neurologic symptoms constitute a hallmark
of ciguatera fsh poisoning (CFP). Almost pathognomonic for
CFP is an alteration of temperature perception (cold allodynia),
in which cold surfaces are perceived as hot, painful, or pro-
duce dysesthesia (unpleasant, abnormal sensation). Increasing
imports of tropical fsh have led to more frequent reports of
ciguatera in temperate climatic zones. We illustrate the spe-
cifc features of CFP by reporting two cases due to imported
tropical fsh.
Einleitung
Ciguatoxine (CTX) sind hochmolekulare, komplexe Stofwechsel-
produkte von Korallenrif-bewohnenden Mikroalgen, die sich ver-
mutlich symptomlos vor allem in großen Raubfschen anreichern.
Nach ihrer geographischen Ausbreitung werden P-CTX (Pazifk),
I-CTX (Indischer Ozean) und C-CTX (Karibisches Meer) unterschie-
den, die chemisch den etwa 20 strukturell eng verwandten CTX-
Formen zugeordnet werden können. Bei allen handelt es sich um
hochwirksame Neurotoxine, wobei die pazifschen CTX am poten-
testen sind und bereits in Dosen von 0,1 µg/kg schwerwiegende
neurologische Symptome hervorrufen können [1]. Als Endemie-
gebiete gelten die tropischen und subtropischen Meeresregionen,
in denen das Risiko an Ciguatera zu erkranken saisonal und lokal
jeweils unterschiedlich hoch ist. Für die Bewohner der pazifschen
Cook Islands beispielsweise liegt das durchschnittliche jährliche
CFP-Risiko bei 15 ‰ [2].
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