Hintergrund Das Karzinom der exokrinen Bauchspeicheldrüse stellt mit etwa 3 ± 6 % aller Krebstodesfälle in Industrieländern die viert- oder fünfthäufigste Todesursache dar [1], wobei die Inzidenz auch in europäischen Ländern bis Ende der achtziger Jahre stetig zugenommen hat [2]. Trotz überzeugender Fortschritte in der chirurgischen Be- handlung dieser Krebserkrankung ist die Prognose nach wie vor deprimierend schlecht. In der in diesem Zusammenhang wahrscheinlich meistzitierten Sammelstatistik, deren fortbe- stehende Gültigkeit heute gelegentlich angezweifelt wird, scheint nur jeder zehnte Krebs resektabel, wobei nur 0,4 % der so operierten Patienten 5 weitere Jahre überleben [3]. Unter dem Begriff ¹Pankreaskarzinomª wird in der Regel wegen nahezu identischer operativer Therapieverfahren nicht nur das eigentliche, duktale Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse verstanden. Trotz signifikant besserer Prognose werden unter dem Sammelbegriff ¹periampulläres Karzinomª zusätzlich die deutlich selteneren Duodenal-, Papillen- und distalen Choledo- chuskarzinome subsumiert und teilweise analog zum duktalen Pankreaskarzinom in Studien oder Publikationen behandelt. Hiervon kann auch in der vorliegenden Übersichtsarbeit nicht wesentlich abgewichen werden, wobei den Autoren durchaus bewusst ist, dass die verschiedenen Tumorentitäten u. U. nicht vergleichbar sind. Nichts desto weniger wird anhand der o. g. Prognose der Erkrankung nach alleiniger Resektion, so überhaupt möglich, doch die dringende Notwendigkeit einer Therapieoptimierung deutlich. Ziel dieser Übersicht ist es, stattgehabte und mögliche Verbesserungen in der Behandlung des Bauchspeicheldrüsen- krebses aufzuzeigen. Hierbei soll der Schwerpunkt nicht auf die zahlenmäûig wahrscheinlich häufigere palliative Therapie beim metastasierten oder irresektablen Tumor gelegt werden. Vielmehr soll hauptsächlich erörtert werden, ob und auf welche Weise die Prognose des potentiell kurativ zu behandelnden Krebses in einem multimodalen Konzept aus chirurgischer, onkologischer und radiotherapeutischer Behandlung zu ver- bessern sein könnte. 1 Stellenwert Chirurgie 1.1 Perioperatives Risiko ¹The average patient with an adenocarcinoma of the head of the pancreas that is big enough to be palpated will liver longer ... if no attempt is made to remove it [4].ª Diese Einschätzung Ende der 70er Jahre mag unter dem Eindruck des desillusionierenden Risikos der Bauchspeicheldrüsenkarzinom-Resektion ver- ständlich sein, hat jedoch heute seine Gültigkeit sicher verloren. Der wahrscheinlich wichtigste Fortschritt in der Therapie stellt die signifikante Minderung des perioperativen Risikos der Resektion dar. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass diese Errungenschaft wahrscheinlich nicht flächendeckend zur Verfügung steht. Jenseits des spezialisierten Zentrums lag die perioperative Sterblichkeit nach Resektion auch bis Mitte der 80er Jahre in einer regional-flächendeckenden, epidemiologi- schen Analyse, deren Daten unabhängig von dem individuellen Krankenhaus erhoben und publiziert wurden, bei 27,6 % (s. Tab. 1) [5]. Diese realistische Analyse steht der publizierten Erfahrung von spezialisierten Zentren entgegen [6 ± 14], die die Duodenopankreatektomie mit um oder deutlich unter 5 % Kliniksletalität durchführen (s. Tab. 2), wobei in einigen der ausgewählten Berichte Serien mit über 100 Patienten ohne Letalität enthalten sind [11,12]. Neben Fortschritten chirur- gisch-technischer Natur, allgemeinen Verbesserungen im Be- reich der Intensivmedizin oder auch geeigneterer Patienten- selektion muss für niedrigere perioperative Letalität in einigen Zentren sicher in entscheidendem Maûe die sogenannte ¹Regionalisierungª der Duodenopankreatektomie verantwort- lich gemacht werden [15]. Hierunter wird verstanden, dass vor allem diejenigen Abteilungen mit niedrigen Letalitätsraten Aktueller Stand multimodaler Therapiekonzepte beim Pankreaskarzinom O. Horstmann 1 , P. M. Markus 1 , W. Nolte 3 , H. Schmidberger 2 , H. Becker 1 1 Klinik für Allgemeinchirurgie 2 Klinik für Strahlentherapie 3 Klinik für Gastroenterologie, Universitätsklinikum Göttingen Viszeralchirurgie 2001; 36: 20 ± 28  Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York nnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn ORIGINALARBEIT nnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 20 Tab. 1 Perioperative Letalität der Pankreaskarzinom-Resektion in zwei unterschiedlichen Zeiträumen anhand eines flächendeckenden, regio- nalen Krebsregisters (mod. nach [5]). 1957 ± 1976 1977 ± 1986 Resektabilität 208/7888 (2,6 %) 145/5672 (2,6 %) Letalität 94/208 40/145 (45,2 %) (27,6 %) Heruntergeladen von: WEST VIRGINIA UNIVERSITY. Urheberrechtlich geschützt.