praxisthema „Hochwasserrisikotool“ – GIS-basierte Methodik zur Bestimmung von Hochwasserrisiken nach den Vorgaben der EU-Hochwasserrichtlinie DI Dr. Stephan Schober 1 , Dr. Andreas Zischg 2 , DI Norbert Sereinig 1 Der Umgang mit Naturgefahren hat in Österreich in Bezug auf die Gefahren- abwehr eine lange Tradition. Der rasante Ausbau von Siedlungen, Verkehrswegen und Infrastruktureinrichtungen er- fordert eine Ergänzung der bestehenden Konzepte zum Schutz vor Naturgefahren um ein risikoorientiertes Naturgefahren- management. Seit 2007 fordert zudem die EU-Hochwasserrichtlinie (EU- HWRL) eine Auseinandersetzung mit den naturgefahreninduzierten Risiken. Zweck der Richtlinie ist es, einen Rah- men für die Bewertung und das Manage- ment von Hochwasserrisiken zur Verrin- gerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten in der Gemeinschaft zu bilden (Artikel 1, Richt- linie 2007/60/EG). Um die Ziele der EU-HWRL zu erreichen und damit ein integrales Hochwasserrisi- komanagement zu etablieren, haben die Mitgliedstaaten folgende Bewertungen und Ausweisungen durchzuführen (Abb. 1). Der Optimierung und Ergänzung der bestehenden Konzepte zum Schutz vor Naturgefahren widmet sich im Projekt „Naturgefahren Kärnten“ eine interdiszip- linäre Expertenarbeitsgruppe aus den Ab- teilungen für Raumplanung, Forstwesen, Schutzwasserwirtschaft, Geologie und Bodenschutz des Amtes der Kärntner Landesregierung, des Forsttechnischen Dienstes der Wildbach- und Lawinenver- bauung, Sektion Kärnten sowie des Studi- enbereichs Geoinformation der Fach- hochschule Kärnten. In einer ersten Projektphase (2004–2006) wurde eine fä- chendeckende Geodateninfrastruktur für Naturgefahren und eine internetbasierte räumliche Darstellung der Naturgefahren in Form einer digitalen Gefahrenhinweis- karte erarbeitet. Damit konnte eine signi- fkante Efzienzsteigerung bei der behör- denübergreifenden Zusammenarbeit und Beschleunigung bei Verwaltungsabläufen, Experten-Gutachten und fachlichen Aus- künften erzielt werden. Darüber hinaus dienen diese Daten der Information der Öfentlichkeit über potenzielle Gefahren- gebiete (Seymann et al. 2009). Die zweite Phase des Projektes „Natur- gefahren Kärnten“ setzt den erfolgreich eingeschlagenen Weg mit den Schwer- punkten sektorale und interdisziplinäre Gefahren- und Risikoanalyse fort und leis- tet Vorarbeiten für die Umsetzung der EU- HWRL. Die EU-HWRL machte eine Abstim- mung der nationalen Methoden und Pla- nungsinstrumente mit jener auf EU-Ebene notwendig. Dabei wurden die bestehen- den Datengrundlagen zur Bewertung der Hochwassergefahr wie der Gefahrenzo- nenplan und die Hochwasser-Anschlagli- nien als Grundlage für die vorläufge Be- wertung des Hochwasserrisikos und für die Erarbeitung der Hochwasser-Gefah- renkarten und Hochwasser-Risikokarten aufbereitet. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Instrument der Gefahrenzonenplanung. Ein moder- ner Gefahrenzonenplan enthält alle wich- tigen Daten (Anschlaglinien gewisser Jähr- lichkeiten, Bewertung der Funktion der Rückhalteräume, freizuhaltende Rück- halte- und Maßnahmenfächen) und es können für jene Gebiete nach Artikel 4 und 5 der EU-HWRL Hochwassergefah- ren, Risikokarten und Risikomanagement- pläne daraus entnommen bzw. abgeleitet werden. Der „neue Ansatz“ im Rahmen der EU-HWRL ist jener der fächende- ckenden Analyse des Risikos, wobei Geo- informationsdaten dafür grundsätzlich am besten geeignet sind. Aufgrund der Vielzahl und der unter- schiedlichen Struktur der zur Verfügung stehenden Datengrundlagen ist die Durch- führung einer GIS-basierten Expositions- analyse mit einem erheblichen Zeitauf- wand verbunden. Die Strukturierung der Vorgehensweise und die Implementie- rung in einer automatisierten Prozedur er- laubt die Einsparung von zeitlichen Res- sourcen. Das Ziel des im Nachfolgenden beschriebenen Verfahrens war es, eine Prozedur für die Analyse der Hochwasser- gefahr ausgesetzten Siedlungsbereiche und Infrastrukturanlagen auf Basis einer bestehenden Datengrundlage zu erarbei- ten. Die Prozedur soll für einen abgegrenz- ten Untersuchungsraum automatisiert ei- nen GIS-Datensatz für die Bewertung des Schadenpotenzials erstellen und eine Analyse der potenziellen Schäden ermög- lichen. Der Auftrag wurde im Rahmen des WP 5 Hazard Mapping des Interreg-Al- pine-Space-Projektes „AdaptAlp – Adap- tation to Climate Change in the Alpine Space“ durchgeführt. Methodik 1. Um die Schadenpotenzial- und Risikoana- lyse einheitlich und zeitsparend in vielen Abb. 1: Instrument der EU-Hochwasserrichtlinie (nach Pleschko et. al., 2009). 1 Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 18, Klagenfurt 2 Abenis Alpinexpert GmbH, Bozen (I) 5-6/2010 öwaw a28 © Springer-Verlag