1 3 AngewAndte geogrAphie online publiziert: 8. August 2015 © Springer-Verlag Berlin heidelberg 2015 Ringen um Grün in der Stadt Das Tempelhofer Feld Peter Dannenberg · Alexander Follmann StAndort (2015) 39:94–100 doi 10.1007/s00548-015-0380-2 wirtschaftliche interessen von Unternehmen und sozioöko- nomische Überlegungen der Stadtentwicklung – etwa zur Schaffung von Arbeitsplätzen – vermehrt auf widerstände und Konfikte mit zivilgesellschaftlichen Initiativen in unterschiedlichsten, oft temporären Koalitionen (vgl. ibert 2007). Letztere versuchen „ihr“ recht auf Mitbestimmung zu erwirken, um zum Beispiel ökologisch oder historisch wertvolle Grün- und Freifächen sowie Baustrukturen zu erhalten. neue partizipative planungsprozesse eröffnen einerseits die Möglichkeit, diese Aushandlungsprozesse zu steuern, führen andererseits aber auch zu neuen herausfor- derungen. der planerisch-politische prozess um die Schlie- ßung des Flughafens tempelhof sowie dessen nachnutzung stellt in diesem Kontext ein interessantes Beispiel partizi- pativ-planerischer Stadtentwicklung dar und wirft viele Fragen auf. Unter anderem: wie gestaltet sich das Zusam- menspiel von Bürgerbeteiligung, Zwischennutzung und direkter demokratie über Volksentscheide? Und wie lassen sich top-down- mit Bottom-up-prozessen verbinden? Der Flughafen Tempelhof der Flughafen tempelhof nahm 1923 als einer der ersten Flughäfen deutschlands den Betrieb auf und wuchs rasch zu einem der größten der welt. Von 1936 bis 1941 entstand das Flughafengebäude mit seiner neoklassizistischen Abfer- tigungshalle als ein Vorbote der geplanten „welthauptstadt germania“. während des zweiten weltkriegs war das gelände ein Standort der rüstungsindustrie mit Arbeitslager. Zentrale Bedeutung – auch symbolisch – erlangte der nach dem zwei- ten weltkrieg von der amerikanischen Luftwaffe kontrollierte Flughafen tempelhof im rahmen der „Berliner Luftbrücke“ 1948/1949. in den 1950er Jahren gewann tempelhof auch wieder als Verkehrsfughafen an Bedeutung. Nach der Eröff- Relevanz und Fragestellung in den letzten Jahren hat die debatte über Bürgerbeteili- gung und echte Mitbestimmung in der Stadtentwicklungs- planung nicht zuletzt durch die medial intensiv diskutierten proteste gegen städtebauliche großprojekte wie Stuttgart 21 in vielfältiger weise die Begehrlichkeiten um innerstäd- tische Flächen und die Defzite und Problembereiche von planungsprozessen aufgezeigt (vgl. u. a. Selle 2013; wag- ner 2013). die privatisierung von öffentlichem grund steht vermehrt in der Kritik, Gentrifzierung ist in aller Munde und unterschiedlichste Akteure defnieren ihre Raum- und nutzungsansprüche auf vielfältige weise. insbesondere bei der Nachnutzung von großfächigen Verkehrs- oder Industriefächen durch städtebauliche Großprojekte treffen prof. dr. p. dannenberg () · dipl.-geogr. A. Follmann geographisches institut, Universität zu Köln, Albertus Magnus-platz, 50923 Köln, deutschland E-Mail: p.dannenberg@uni-koeln.de dipl.-geogr. A. Follmann E-Mail: a.follmann@uni-koeln.de Die konfiktreiche Schließung und Umnutzung des ehemaligen Flughafens Berlin tempelhof verdeutlicht die vielschichtige problematik aktueller Stadtentwick- lungsprozesse in deutschland. Ausgehend von einer chronologischen Betrachtung des nutzungs- und Bedeutungswandels des Standortes diskutiert der Bei- trag die planungen zur nachnutzung und die rolle der Bürgerbeteiligung.