Acta Universitatis Wratislaviensis No 4102 Studia Linguistica XLI Wrocław 2022 MARIA KATARZYNA LASATOWICZ ORCID: 0000-0001-6888-8657 em. Professor, Uniwersytet Opolski, Polen ARTUR TWOREK ORCID: 0000-0003-0975-9358 Uniwersytet Wrocławski, Polen Schlesische Sprachinseln: historisches Phänomen aus der Perspektive der Gegenwart 1. Einführung und Zielsetzung Das Sprachinselphänomen wurde in der Fachliteratur sowohl im Allgemeinen als auch in Bezug auf einzelne Inselsprachen (insbesondere Deutsch) und letzt- endlich hinsichtlich deutsch-polnischer Sprachkontakte in Schlesien mehrmals thematisiert. Dennoch gibt es weder im methodologischen Defnitionsbereich des Phänomens noch innerhalb der praxisbezogenen Begrifsbestimmung klare Über- einstimmungen. Claudia M. Riehl (2010) bietet eine aufschlussreiche Übersicht über einzelne methodologische Annahmen beim Defnieren des Sprachinselphä- nomens sowie einen Abriss der Entwicklung der Sprachinselforschung. Daher wollen wir an dieser Stelle nur diejenigen Schwerpunkte und Probleme andeuten, die für die Zielsetzung des vorliegenden Beitrags relevant sind. Man kann als allgemein gültig annehmen, dass unter Inselsprachen ortsge- bundene, historisch etablierte Sprachvarianten verstanden werden, die innerhalb einer relativ geschlossenen Sprachgemeinschaft in der Umgebung einer frem- den dominierenden Sprache ihre kommunikative Rolle realisieren. Diese örtliche und personale Geschlossenheit einer Sprachinsel impliziert ihre areale Diskon- tinuität, d.h. keinen direkten Anschluss an gleichsprachige Umgebung, die die langfristige Entwicklung bestimmter Inselsprachen wesentlich beeinfusst. Dies erfüllt eine der wichtigsten Voraussetzungen für Entstehung und Fortleben eines Dialekts, was Sprachinseln im Bereich der Dialektologie platziert (vgl. u.a. Hut- https://doi.org/10.19195/0137-1169.41.10 Studia Linguistica 41, 2022 © for this edition by CNS