Allergo J Int 2016; 25: 160 Versorgung von Patienten mit Anaphylaxie – Möglichkeiten und Defizite KNUT BROCKOW 1 , KIRSTEN BEYER 2 , T ILO BIEDERMANN 1 , JÖRG FISCHER 3 , UWE GIELER 4 , OLIVER GIESSLER-FICHTNER 5 , NORBERT GEBERT 2 , T HILO JAKOB 4 , LUDGER KLIMEK 6 , CLAUDIA KUGLER 1 , IMKE REESE 7 , ERNST RIETSCHEL 8 , FRANZISKA RUËFF 9 , SABINE SCHNADT 10 , CÄCILIA SIEMENS 11 , RÜDIGER SZCZEPANSKI 12 , MARGITTA WORM 13 , JOHANNES RING 1 , LARS LANGE 9 , IM NAMEN DER ARBEITSGEMEINSCHAFT ANAPHYLAXIE – T RAINING UND EDUKATION (AGATE), DEUTSCHLAND 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München, Deutschland; 2 Klinik für Pädiatrie m. S. Pneumologie und Immunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland; 3 Universitäts-Hautklinik Tübingen, Deutschland; 4 Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Standort Gießen, Deutschland; 5 Spezialklinik für Kinder mit chronischen Erkrankungen, Fachklinik Gaisach, Deutschland; 6 Zentrum für Allergologie und Rhinologie Wiesbaden der HNO-Universitätsklinik Mannheim, Deutschland; 7 Ernährungsberatung Allergologie, München, Deutschland; 8 Zentrum für Kinderheilkunde der Universitätsklinik Köln, Deutschland; 9 AllergieZENTRUM, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum der Universität München, Deutschland; 10 Deutscher Allergie und Asthmabund, Mönchengladbach, Deutschland; 11 Patientenschulung Bonn e. V., St.-Marien-Hospital Bonn, Deutschland; 12 Kinderhospital Osnabrück, Deutschland; 13 Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Campus Mitte, Berlin, Deutschland Zusammenfassung Hintergrund: Die Anaphylaxie ist eine akut auſtre- tende, systemische, lebensbedrohliche Überemp- findlichkeitsreaktion. Die akute Reaktion tritt auf- grund einer dauerhaſt immunologisch veränderten Reaktionslage auf, die bei Allergenkontakt zu leich- ten bis schweren und in Einzelfällen tödlichen Reaktionen führen kann. Die lebenslang erforder- lichen Vermeidungsstrategien Betroffener verur- sachen eine erhebliche Einschränkung der Lebens- qualität. Fragestellung und Methode: Expertenanalyse der aktuellen Versorgungslage von Patienten mit Ana- phylaxie Ergebnisse: Der Auslöser der Reaktion – meist Nahrungsmittel, Insektengiſt oder Arzneimittel – kann durch allergologische Diagnostik fast immer identifiziert werden. Nicht selten jedoch werden Patienten mit Anaphylaxie keiner allergologischen Diagnostik zugeführt. Nicht bei allen Patienten ge- lingt die eindeutige Diagnosestellung und/oder kausale Zuordnung des Auslösers, insbesondere bei Vorliegen möglicher Summationsfaktoren, wie zum Beispiel körperlicher Aktivität, Schmerz- mittel- oder Alkoholeinnahme. Die Vorstellung schwieriger Fälle in Allergiezentren mit entspre- chender Erfahrung erfolgt zu selten. Nach Ana- phylaxie durch nicht sicher vermeidbare Auslöser wird Patienten nach Anleitung zur Allergen- meidung und obligater Instruktion durch einen Arzt ein Notfallset zur Selbsthilfe verschrieben und das Verhalten im Notfall erläutert. Unter- suchungen zeigen jedoch, dass häufig die Allergen- meidung nicht gelingt und die Selbsttherapie von Patienten nicht angewendet wird. Von der Arbeits- gemeinschaſt Anaphylaxie, Training und Eduka- tion (AGATE) wurde daher ein in sich geschlosse- nes interdisziplinäres Schulungskonzept schriſt- lich fixiert, das in Deutschland in aktuell 24 regis- trierten Zentren genutzt wird. Die Anaphylaxie- Schulung hat in einem multizentrischen Projekt mit Kontrollgruppen eine signifikante Wirksam- keit in Bezug auf den Umgang mit dem Autoinjek- tor als lebensrettende Maßnahme und reduzierte Angst gezeigt, so dass eine flächendeckende Um- setzung der Schulung und Kostendeckung durch die Krankenkassen bei dieser potenziell lebens- bedrohlichen Erkrankung gerechtfertigt erscheint. Da eine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen bislang nicht sicher gewährleistet wird, kann die Schulung nicht allen betroffenen Patienten oder Betreuungspersonen angeboten werden. Schlüsselwörter Anaphylaxie – AGATE – Schu- lung – Versor- gung – Defizite Eingang 12. Juli 2016 Annahme 10. August 2016 Englische Fassung http://link.springer. com/journal/40629 38 Übersicht