Manuelle Medizin 2010 · 48:45–48
DOI 10.1007/s00337-010-0735-5
Online publiziert: 17. Februar 2010
© Springer-Verlag 2010
K. Ammer
Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Hanusch-Krankenhaus, Wien
Indikation zur
Kniegelenkarthroskopie
MRT oder klinische Untersuchung?
Literatur im Fokus
Zusammenfassung der Studie
Eine niederländische Studie [1] unter-
suchte, wie viele Patienten mit Kniebe-
schwerden von zumindest 4 Wochen
Dauer trotz unauffälliger standardisierter
klinischer Untersuchung in Magnetreso-
nanztomographie-Bildern intraartiku-
läre Veränderungen zeigen, die einer ar-
throskopischen Therapie zugeführt wer-
den sollten. Von 290 Patienten im Alter
zwischen 16 und 45 Jahren, die zumindest
seit Wochen Kniebeschwerden hatten und
für deren Ursache aufgrund der unauffäl-
ligen klinischen Untersuchung intraarti-
kuläre Schäden wenig wahrscheinlich er-
schienen, wurden insgesamt 274 Personen
in die Studie aufgenommen. Einer von 17
orthopädischen Chirurgen führte die kli-
nische Untersuchung durch bzw. beauf-
sichtigte die Untersuchung durch einen
in Ausbildung befindlichen Arzt. Ein un-
auffälliger Untersuchungsbefund war
durch das Fehlen eines deutlichen Ge-
lenkergusses (keine durch Verdrängung
von Gelenkflüssigkeit bedingte Vorwöl-
bung in der Umgebung der Patella), nor-
male Trophik des M. quadriceps, Bandsta-
bilität und ein negatives Ergebnis bei Pro-
vokationstests für die Menisken definiert.
Die Bandstabilität wurde anhand des Va-
rus- und Valgusstresstests überprüft, die
Beurteilung der Kreuzbänder erfolgte mit
dem Schubladen- bzw. Lachmann-Test.
Der McMurray- und Apley-Test dienten
zur Identifikation von Meniskusläsionen;
auch Schmerzen in der Poplitea bei tiefer
Kniebeuge (Squat-Test) wiesen auf solche
hin. Ein eingeschränkter Bewegungsum-
fang wurde diagnostiziert, wenn das symp-
tomatische Kniegelenk eine Einschrän-
kung der Beugung von mindestens 20°
bzw. der Streckung von mindestens 10° im
Vergleich zur Gegenseite aufwies.
Die MRT-Bilder zeigten behandlungs-
würdige (Meniskusriss ≥5 mm, Menis-
kuszysten, ausgeprägte Chondromala-
zie, Osteochondritis dissecans mit Spalt-
bildung an der Knorpeloberfläche, freie
Gelenkkörper oder intraartikuläre Syn-
ovialitis villopigementosa) oder nichtbe-
handlungswürdige (kleine Meniskusrisse
<5 mm, gering- oder mittelgradige Chon-
dromalazie, isolierter Kreuz- oder Seiten-
bandriss, Synovialitis, synoviale Plica oder
Knochenmarködem) Veränderungen bzw.
normale morphologische Strukturen.
Patienten mit behandlungswürdigen
Veränderungen (Gruppe 1) wurden ei-
ner Arthroskopie zugeführt. Wenn bei
Patienten der Gruppe 2 (nichtbehand-
lungswürdige MRT-Befunde) die Symp-
tome weitere 3 Monate andauerten, wur-
de ebenfalls eine Arthroskopie durchge-
führt. Bei der arthroskopischen Untersu-
chung wurden anhand der vorliegenden
Bilder die im MRT beschriebenen struk-
turellen Veränderungen gezielt gesucht
und registriert. Falls angezeigt, folgte da-
nach die chirurgische Therapie.
Arthroskopiert wurden 64 der 73 Pati-
enten der Gruppe 1 sowie 13 Patienten aus
der Gruppe 2. Bei 52 Patienten der Grup-
pe 1 und 4 Patienten der Gruppe 2 er-
folgte eine therapeutische Intervention.
Bei 6 von 11 Männern im Alter von über
30 Jahren und Gelenkerguss in der Anam-
nese wurden am häufigsten behandlungs-
würdige Veränderungen in MRT-Bildern
gefunden.
Die Autoren sind der Meinung, dass
zumindest Männer, die älter als 30 Jahre
sind und über eine Schwellung des Knie-
gelenks berichten, trotz unauffälligem kli-
nischen Untersuchungsbefund des symp-
tomatischen Kniegelenks einer MRT zu-
geführt werden sollten.
Kommentar
Die vorliegende Arbeit [1] geht der Fra-
ge nach, ob durch klinische Untersuchung
intraartikuläre Schäden des Kniegelenks
erkannt werden können. Die Autoren fan-
den bei 26,6% von 274 Patienten mit un-
auffälligem Ergebnis der klinischen Un-
tersuchung in der Magnetresonanzunter-
suchung behandlungswürdige Verände-
rungen und führten bei 52 Personen (19%)
arthroskopisch eine chirurgische Thera-
pie durch.
Durch die MRT wurden vor allem
Schäden an den Menisken entdeckt, wo-
bei 50 der 52 im MRT-Bild gefundenen
Läsionen arthroskopisch bestätigt werden
konnten. Angesichts der Tatsache, dass 17
verschiedene Untersucher die klinische
Untersuchung durchführten, könnte ein
Teil der unterschiedlichen Häufigkeiten
von pathologischen Befunden bei der kli-
nischen Untersuchung und MRT durch
Unterschiede in deren Durchführung
und Beurteilung bedingt sein. Malan-
ga et al. [2] fassten Studien zur diagnos-
tischen Genauigkeit verschiedener kli-
Originalpublikation
Vincken PWJ et al (2009) Only MR can safely
exclude patients from arthroscopy. Skeletal
Radiol 38:977–982
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