nº 6 Abril de 2016 pp 34 - 64 ISSN 1647-8061 34 Die Deutschbrasilianer vor dem portugiesischen Umlaut Marcelo Jacó Krug Universidade Federal da Fronteira Sul –Chapecó –SC –Brasilien Cristiane Horst Universidade Federal da Fronteira Sul –Chapecó –SC –Brasilien Es gibt im Süden Brasiliens in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná eine große Anzahl von Nachkommen deutscher Einwanderer, die sich in ihrem täglichen Zusammenleben nicht selten einer Minderheitensprachvariante bedienen, dem „Hunsrückischen“ 1 oder „Deitsch“, wie sie es zu bezeichnen pflegen. 2 Lange Zeit blieb diese Sprachvariante von dem Einfluss des Portugiesischen, der Amtssprache Brasiliens, verschont. Aus denen verschiedenartigen Gründen hierfür müssen die geographische Lage, die Selbstversorgung des Gemeinschaftskerns, der schwierige Zugang zu den großen Zentren und zugleich der wenige Kontakt zu Brasilianern, der Mangel und der problematische Zugang zu Kommunikationsmitteln hervorgehoben werden. Diese Situation entspricht allerdings nicht mehr der Gegenwart. Heute zeigt sowohl die deutsche Variante Hunsrückisch als auch die süd-brasilianische Variante des Portugiesischen typische Merkmale eines wechselseitigen Einflusses. Diese Merkmale beschränken sich nicht nur auf lexikalische Leihgaben, sondern finden sich beispielsweise auch in der Syntax, Phonetik und Phonologie. Dies trifft auch im Fall der funktionalen Metaphonie des Portugiesischen zu, welches die Veränderung des Timbres der Vokale /o/>/O/ und /e/>/E/ der vorletzten Silbe, unter dem Einfluss des Vokals der letzten Silbe ist. Die deutschen Nachkommen in Brasilien werden mit einem Phänomen konfrontiert, das nur selten im schulischen Unterricht behandelt wird. Auch von der Mehrheit der Luso- 1 “Hunsrückisch ist der Oberbegriff für die überregionale Varietät des Deutschen in Rio Grande do Sul / Südbrasilien, die ein Dialektkontinuum darstellt, dessen sprachliche Konstitution auf eine rhein-/moselfränkische Basis zurückgeht und eine Vielfalt sprachkontaktbedingter Elemente anderer deutscher Dialekte sowie insbesondere solche des Portugiesischen einschließt.” Altenhofen (1996: 27) 2 Siehe dazu auch Krug (2004)