Skandinavisch-ukrainische Begegnungen auf der kanadischen Prärie Zur Karriere europäischer Stereotype in Übersee Per Anders Rudling Einleitung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit der ukrainischen Diaspora beschäftigen, sehen sich gelegentlich mit dem Phänomen der „Ukrainophobie“ konfrontiert. Dieser unscharf definierte Begriff lässt sich seit den 1980er Jahren als Ukrainophobia im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch nachweisen, und obwohl die negativen Konnotationen offensichtlich sind, ist die exakte Bedeutung unklar geblieben. Untersuchungen zu anti-ukrainischen Stereotypen in Kanada beschränkten sich bisher auf die Haltung der Mehrheitsbevölkerung 1 ; doch eine negative Einstellung zu Ukrainerinnen und Ukrainern war keineswegs eine exklusive Domäne der anglo-kanadischen Mehrheit. Der vorliegende Beitrag 2 beschäftigt sich mit anti-ukrainischen Einstellungen in einer der größeren Immigrantengruppen der kanadischen Prärie – den Skandinaviern – um dadurch Rückschlüsse auf die soziale Dynamik zwischen verschiedenen Einwanderergruppen zu ermöglichen. 1 Siehe z. B. England, Robert (1929): The Central European Immigrant in Canada. Toronto: Macmillan; Lysenko, Vera (1947): Men in Sheepskin Coats. A Study in Assimilation. Toronto: Ryerson Press. Zur ukranisch-kanadischen Identität vgl. v. a. Swyripa, Frances (1993): Wedded to the Cause: Ukrainian-Canadian Women and Ethnic Identity 1891-1991. Toronto: University of Toronto Press. 2 Der Aufsatz basiert auf einem Vortrag mit dem Titel „Scandinavian Stereotypes of Ukrainians”, der im Juni 2008 auf der 40 th Annual Convention of the Association for the Advancement of Scandinavian Studies in Canada (AASSC) in Vancouver präsentiert wurde. Für eine durch zusätzliche Materialien ergänzte englische Version vgl. Rudling, Per Anders (2011): „‘ An entirely different culture and an alien race’: Scandinavian Ukrainian encounters on the Canadian Prairies 1910-1940”. – In: Scandinavian-Canadian Studies / Études scandinaves au Canada 20. 227