Carsten Wirth Projektnetzwerke in der Arbeitsvermittlung: Eine Organisationsform mit Zukunft? Abstract Viele Wissenschaftler/innen und Politiker/innen fordern die Fremdvergabe und damit die Aufgabe der öffentlichen Arbeitsvermittlung. In der Arbeitsvermittlung könnten die Beziehungen und Interaktionen in Projektnetzwerken koordiniert werden. Ich frage deshalb, ob diese Koordinationsform derzeit auch in der Arbeitsvermittlung eine Organisationsform mit Zukunft ist. Ich beantworte diese Frage vor dem Hintergrund der Ergebnisse eines Forschungsprojekts über die Organisation und Steuerung der Fernsehproduktion, in der Projektnetzwerke die dominante Organisationsform sind, der Auswertung der relevanten Literatur zur (Reform der) Arbeitsvermittlung und Beobachtungen im Rahmen von Praxisaufenthalten in zwei Arbeitsagenturen. Konzeptionell stütze ich mich auf eine strukturations- theoretisch informierte Perspektive auf organisationale Felder. Ich zeige, dass die Fremdvergabe der öffentlichen Arbeitsvermittlung zurzeit keine Erfolg versprechende Option für die Bundesagentur für Arbeit bzw. für den Gesetzgeber ist, weil zentrale Erfolgsvoraussetzungen nicht erfüllt sind. Die Bundesagentur für Arbeit kann sich stattdessen weitaus stärker als bisher zum Netzwerkorganisator weiter entwickeln. 1 Einleitung Unter dem Stichwort ‚Public Private Partnership (PPP)‘ wird trotz zwiespältiger Erfah- rungen mit Kooperationen zwischen öffentlicher und privater Welt (dazu BMAS 2006) die Fremdvergabe – und damit die (partielle) Aufgabe – der öffentlichen Arbeitsvermittlung, insbesondere der von Langzeitarbeitslosen, propagiert (z.B. Bruttel 2005). Bisherige Ins- trumente wie die Personal-Service-Agenturen (PSA), ein von gewerbsmäßigen Verleihern betriebener vermittlungsorientierter Verleih (zum Konzept Bertelsmann Stiftung/Bundesan- stalt für Arbeit/Mc Kinsey & Company 2002), den Vermittlungsgutscheinen, mit denen die Geschäftstätigkeit privater Vermittler subventioniert wird, oder die Beauftragung Dritter mit (Teilaufgaben) der Vermittlung wirken nicht, führen zu Mitnahmeeffekten (BMAS 2006) oder bringen unerwünschte Selektionseffekte hervor (Grund 2006). Gleichwohl ist das contracting-out international weit verbreitet (Gülker/Kaps 2006) und auch eine Option für die Organisation der Arbeitsvermittlung in Deutschland, die trotz der Liberalisierung des Marktes für Arbeitsvermittlung noch immer dominant in der Organisation ‚Bundesagentur für Arbeit‘ angesiedelt ist. Sie wird in der Organisation, also hierarchisch, koordiniert. Dabei bemüht sich ein Arbeitgeberservice um die Akquisition und Besetzung offener Stellen. 80% der Mitarbeiterkapazität werden der arbeitnehmerorientierten Vermittlung gewidmet. In dieser wird nach einem Proling versucht, eine Arbeitsmarktintegration zu erreichen. Dazu Arbeit, Heft 1, Jg. 16 (2007), S.23-35 brought to you by CORE View metadata, citation and similar papers at core.ac.uk provided by Eldorado - Ressourcen aus und für Lehre, Studium und Forschung